Franz Lebfromm schreibt:


Sa., 23.03.2013, 23.30 Uhr.

Ich weiß nicht, ob Emmanuel meine SMS erhalten hat. Der Anschlussflug von Nairobi nach Entebbe hätte schon vor einer Stunde starten sollen. Aber wir sitzen noch immer in Gate 7 fest.

Wir sind gelandet. Es ist inzwischen nach 1 Uhr am Sonntag. Die Formalitäten an der Passkontrolle sind schnell erledigt. Aber die Koffer stehen alle noch in Nairobi. Die Beladung des Gepäcks hatte nicht geklappt. Wir stehen in dichtem Pulk am Schalter für „Lost baggage“ und melden die nicht mitgereisten Gepäckstücke. Die Aufnahme der Personalien, Beschreibung der Gepäckstücke und deren wesentlichen Inhalte dauert durchschnittlich 8 bis 10 Minuten – je Fluggast. Nach ca. 45 Minuten bin auch ich fertig und eile zum Ausgang. Die große Uhr zeigt kurz nach zwei. Emmanuel kommt mir entgegen. Endlich da.

Wir fahren zusammen zum Konvent in Entebbe. Es sind nur etwa 5 km. Der Nachtwächter öffnet das schwere Eisentor. Gösta und Ella waren mit KLM über Kigali pünktlich am Abend in Uganda gelandet. Wir werden uns beim Frühstück sehen.

So., 24.03.2013.

Ich wache um halb sieben auf. Blitze zucken, Donner und prasselnder Regen. Ein kurzes Gewitter zieht über Entebbe. Frühstück um 10. Wir fahren danach zum Flughafen. Meine Koffer sollten mit der ersten Maschine ankommen und inzwischen auch hier sein. Es geht erstaunlich schnell. Ein Mitarbeiter begleitet uns zum Parkplatz, wo man begonnen hat, die Gepäckstücke auf einen großen Pickup zu laden und zur zentralen Fundsachenstelle nach Kampala zu fahren. Meine beiden Koffer sind nach wenigen Augenblicken gefunden. Wir fahren mit dem Toyota Hiace zu Emmanuels Eltern und über Kampala in Richtung Masaka. Kampala ist auch am Sonntagmorgen nicht ruhig. Schwer beladene LKW kriechen über die staubigen Straßen der hügeligen Stadt. Es geht vorbei an den Verkaufshütten der Trommelbauer in Mpigi. Kurzer Stopp am Äquator Monument. Ella steht mit einem Bein im Norden, mit dem anderen bereits auf der Südhalbkugel. Über unseren Köpfen steht senkrecht die Sonne. Schatten gibt es mittags nur unter den Fußsohlen. Noch vor Butende, kurz hinter dem faszinierenden Obst- und Gemüsemarkt, verlassen wir die Hauptstraße und fahren über die Piste nach Kamukongo.

Mit großem „HALLO“ begrüßen uns 21 Kinder. Die anderen 27 jungen Bewohner des Kinderheims sind z.Zt. in Boarding-Schulen. Einige davon werden an Ostern kommen. Schulfrei sind in Uganda nur Karfreitag und Ostermontag. Abendessen im Hof. Die Kinder singen, spielen und tanzen. Ein fröhliches Begrüßungsfest und danach die erste Nacht im neuen Gästehaus.

Mo., 25.03.2013.

Der Blick vom Balkon über das Tal ist überwältigend. Gemeinsam mit Emmanuel und Goretti besichtigen wir nach dem Frühstück die Einrichtungen rund um das Kinderheim: die Häuser, die Ställe, die Biogas-Anlage, Gärten, Fischteiche und den neuen Brunnen. Danach besuchen wir die Gesundheitstation und die St. Francis Primary School in Bbaala und die neue, von München initiierte und finanzierte Farm in Kamukongo. Es ist beeindruckend, was hier seit 2006 entstanden ist.

Emmanuel und Goretti müssen gegen 16 Uhr zu einem Meeting und sind erst nach 22 Uhr zurück.

Di., 26.03.2013.

Dienstag ist Wochenmarkt in Nyendo.Unterwegs machen wir kurz Halt in Villa Maria. Emmanuel gibt Briefe ab und wir besuchen die große Kirche, die einmal Bischofssitz war. Am 29.06.2013 vor 100 Jahren wurden die ersten beiden einheimischen Priester Ostafrikas zum Priester geweiht. Sie sind neben Bischof Streicher, dem ersten Bischof Ostafrikas aus dem Elsaß und Bischof Adrian Ddungu hier beigesetzt. Einer der beiden Priester war ein Großonkel von Emmanuel.

Nach der Übergabe weiterer Briefe in Kitovu besuchen wir gemeinsam den "AFRIKA-POINT", den großen Wochenmarkt in Nyendo und die ärmlichen Wohngebiete abseits der Kitovu-Road. Der bunte und laute Wochenmarkt und die von Regenbächen tief ausgespülten Wege und Gassen hinter der Hauptstraßen sind beim ersten Besuch häufig bedrückend. Besonders die Gassen mit spielenden Kindern, meist freundlich grüßenden Erwachsenen, Wäscheleinen und Drei-Stein-Öfen, Abfall und schmutzigen Rinnsalen ohne Kanal und Müllabfuhr, von billigem Alkohol Betrunkenen. Überraschend ist auch das handgeschriebene „HOTEL“ an der Wand einer fensterlosen Hütte von 8 qm. Und immer wieder Kinder. Es gibt kein Einwohnermeldeamt und niemand kann sagen, wie viele Menschen hier wohnen und wie alt die Kinder sind.

Wir fahren zur „Erholung“ und zu einem kleinen Imbis ins „CAFE FRIKADELLE“, dem kleinen Restaurant mit Gift-Shop und Internetanschluss einer dänischen Kinder-Hilfsorganisation in Masaka. An den schattigen Plätzen im Garten sitzen einige Muzungus, wie die Weißen in Uganda gerne genannt werden, an ihren mitgebrachten Laptops und skypen.

Gösta, Ella und Emmanuel gehen zur Bank. Ich döse im Auto vor mich hin, als mir jemand durchs offene Fenster auf die Schulter tippt. Lachend steht Sr. Scholastica, Emmanuels Cousine und „Kleine Mutter“ neben dem Auto. Sie war als Ordensfrau die Direktorin des Kitovu-Hospitals und leitet nun ein großes Health-Centre nahe KISAGAZI zwischen VILLA MARIA und SEMBABULE. Eine faszinierende Persönlichkei. Sie erinnert mich in ihrer Herzlichkeit, Kraft und Fröhlichkeit an Woopy Goldberg in „Sister Act“.

Goretti war am Morgen mit BodaBoda nach NAKYAGA gefahren, wo sie in der aus Wangen geförderten Hauswirtschaftsschule Mädchen an Computern unterrichtet. Wir fahren am späten Nachmittag zu ihr, besichtigen die Schule und die Entbindungsstation und holen sie ab. Auf dem Rückweg besorgen wir noch einige Spiegel und Kleiderhaken für das Gästehaus.

Und wir haben uns mit John verabredet. Er ist Hydrologe und arbeitet bei Maddo, der ugandischen „Caritas“. Er kümmert sich um die Wasserversorgung im District, baut Brunnen und fasst Quellen. John ist wie Gösta Rotarier und der als guter Bekannter von Emmanuel Göstas erster Ansprechpartner. Gösta will den Kontakt zum Rotary Club Masaka knüpfen und die Möglichkeiten eines gemeinsamen „Global Grant“-Projekts erkunden. Zur großen Freude von Gösta erweist sich John als äußerst kompetenter Partner mit weitreichenden Erfahrungen und besten Kenntnissen über die Voraussetzungen und Modalitäten solcher Projekte.

Mi., 27.03.2013

Emmanuel fährt mit Gösta und mir zu dem im Herbst für den Bau von Lehrwerkstätten erworbenen neuen Grundstück auf der Kuppe über KITAMBA. Der Weg von KAWULE durch NATITA zum Grundstück ist weiter als aus einer vorliegenden Handskizze zu vermuten war. Näher ist die Verbindung durch KITAMBA, wie sich bei der Rückfahrt herausstellt. Allerdings empfiehlt sich hier ein allradgetriebenes Fahrzeug und ein trockener Untergrund, denn ein kurzer Wegeabschnitt ist ziemlich steil.

Das Grundstück ist fast eben. Der Verbindungsweg von BUTENDE nach KALUNGU läuft an der Grundstücksgrenze und teilweise auf dem Grundstück. Es ist aus diesen beiden Richtungen gut erreichbar. Wo genau der Baugrund sein soll, wird ein späterer Besuch und die Frage klären, woher wir am einfachsten Wasser bekommen können.

Am Nachmittag fahren Goretti, Emmanuel, Gösta und ich zum Masaka Sports Club zur Sitzung des Rotary Club 9200 Masaka. John ist erkrankt, hat den Präsidenten George aber bereits informiert. Emmanuel und Gösta erhalten jeweils 5 Min. Redezeit zur Vorstellung von OCAOF einerseits und dem möglichen Global Grant Projekt andererseits, das die beiden Clubs nun gemeinsam anstreben. Die Resonanz auf die kurze Präsentation ist rundum positiv.

Do., 28.03.2013

Der Tag beginnt mit einem heftigen Regen, der bis halb elf anhält. Halb elf europäischer Zeitbenennung. In Uganda beginnt die Zählung der Stunden des Tages mit dem Sonnenaufgang.

6:00 Uhr nach unserem Verständnis bedeutet 0:00 Uhr in Uganda. Um 7 ist dann 1, um 8 ist es 2, halb elf wäre somit 4:30. Und nach zwölf Stunden, unsere Uhren zeigen 18:00 Uhr, beginnt die Nachtzeit mit 0:00 Uhr. Mitternacht ist 6:00 Uhr der Nachtzeit. Verstanden? Wer sich verabredet, sollte sich genau abstimmen, nach welcher Zählweise man den Termin meint.

Das andere Problem hat mit der Zählweise nichts zu tun. Spaßeshalber haben wir z.B. gesagt: Wir fahren / gehen / essen um 9 – oder so. Das lässt genügend Raum für kleine Verzögerungen von ein, zwei oder drei Stunden.

Mittags sind wir zu einem kleinen Empfang in der St. Francis Primary School eingeladen. Grace, die Schulleiterin begrüßt, die Kinder tanzen, singen, trommeln. Sie singen ganz selbstverständlich zu Beginn die Nationalhymne, dann die Schulhymne und dann kraftvoll Lieder in Luganda und in Englisch. Für die Kinder ist das alles wahrscheinlich auch mit großer Vorfreude verbunden: nach uns kommen die kurzen Osterferien …

Nachmittags kommen Ali`s Maurer und gießen die Fundamentplatte für den geplanten Holzbackofen. Gösta und ich zeichnen die wichtigsten Linien des Ofens zum besseren Verständnis auf die rückwärtige Wand.

Danach wandern wir mit Andrew, Tatjana, Christopher und Ella zur Charles Lwanga Kamukongo Farm. Andrew hat Agrarwissenschaft studiert und leitet die neu gebaute Farm. Tatjana, Christopher und Ella machen erste – erfolgreiche – Versuche, eine Kuh zu melken.

Die Farm ist beeindruckend. Für Tiere stehen mehrere Schweineställe und ein großer Unterstand für bis zu 20 Rinder zur Verfügung. Die Gülle wir gesammelt und in einer Biogas-Anlage verwertet. Für die Rinder stehen Weideflächen zur Verfügung. Noch weitgehend ohne die spätere Einrichtung sind im Ökonomiegebäude Räume für ein Futterlager, eine Garage, die Haustechnik mit Batterien für die Photovoltaik-Anlage und einen Generator, eine Bäckerei, Milchverarbeitung, Kühlung, Schlachtung, für sanitäre Anlagen, für Mitarbeiter, Besprechung und Büro, einen Speiseraum und eine Wohnung für den Leiter gebaut. Die Flächen davor sind sauber gepflastert, Regenwasser von den Dächern wird in einer Zisterne gesammelt und bei Bedarf wird weiteres Wasser vom nahen Bach in die Zisterne gepumpt.

Fr., 29.03.2013 Karfreitag

Das Fundament, der Sockel und die Trägerplatte für den Holzbackofen sind fertig. Wir brauchen geignete Stein für das Backgewölbe. Leider ist Schamotte, ein feuerfester Stein, in Uganda nicht erhältlich. Wir suchen also hart gebrannte Ziegel, die den gewünschten Anforderungen möglichst nahe kommen. Er soll feuerfest sein und Hitze gut speichern.
Anforderungen möglichst nahe kommen. Er soll feuerfest sein und Hitze gut speichern.
Gösta, Emmanuel und ich fahren mittags in die Butende Brick Works, eine Stein- und Ziegelfabrik. Eigentlich ist die Produktionsstätte geschlossen. Feiertag. Aber unterwegs treffen wir den Chef der Fabrik. Er ruft seinen Mitarbeiter an, der die Anlage bewacht und nach kurzer Erklärung dessen, was wir vorhaben, ruft er einen Fachmann, der „zufällig“ ganz in der Nähe wohnt. Nach zehn Minuten ist er da. Und er hat wirklich `ne Menge Erfahrung. Er baut Öfen, z.Zt. in der Nähe von Kampala, und kann uns genau erklären, welche Steine wir verwenden sollten, wie wir das Gewölbe mauern und mit welchem Mörtel wir arbeiten.

Es sind „Solid Bricks“, 9`` lang, 4,5`` breit und 3`` hoch. Hart gebrannte Ziegelsteine. Zum Mauern werden wir einen Mörtel aus Ton, feinem Sand und Salzwasser verwenden. Keinen Zement. Der Mörtel entspricht dem Ausgangsmaterial der Steine und soll sich nach Trocknung und dem Einbrennvorgang ideal mit den Steinen verbinden. Das Gewölbe sollte aus zwei Schalen bestehen mit einer dazwischen liegenden Isolierschicht aus Asche. Steinwolle oder ähnliche Dämmstoffe sind nicht erhältlich. Das war mehr Information, als wir uns erhofft hatten.

Für Emmanuel wird der Beginn des Karfreitagsgottesdienstes um 15:00 Uhr in Villa Maria etwas „eng“. Aber was über drei Stunden dauert, darf vielleicht ausnahmsweise mal etwas später begonnen werden. Die „Großen“ kommen kurz nach 19:00 Uhr zurück. Emmanuel kommt erst später mit 25 Kindern zurück. Sie wurden im HHHC noch „entwurmt“ und einige mit starkem Husten über Infusionen behandelt.

Wie immer sitzen wir noch nach dem Abendessen zusammen, erzählen und lachen.

Sa., 30.03.2013

Ostervorbereitungen. Das Haus hat sich unmerklich gefüllt. Einige der „Großen“ sind aus den Secondary Schools über die beiden Osterfeiertage nach Hause gekommen. Emmanuel fährt mit Gösta, Ella, Rose, Christopher und einigen anderen zum Einkaufen und einigen sonstigen Besorgungen nach Masaka.

Ich ziehe den bezaubernden Platz auf dem Balkon am Gästehaus vor, lese, plane, denke über die nächsten Arbeitsschritte nach. Ein kleines Gewitter zieht auf. Die Landschaft verändert sich. Mit den schweren Wolken und dem Regen wird das Grün im Vordergrund glänzend und intensiv. Die Regenschauer schieben sich wie Schleier zwischen Hügel und Täler. Der Horizont verschwimmt mit dem grauen Himmel. Einige Blitze zucken und in der Ferne rollt Donner.

Mit den Heimkehrern kommen auch Prossy und Liv, eine junge Frau aus Oldenburg. Sie macht über WELTWÄRTS ein Jahr Freiwilligendienst in einer Behinderteneinrichtung in Kampala. Die Beiden werden bis zum frühen Morgen Ostereier färben und kleine Osternester füllen.

Ostersonntag

Festlich gekleidet fahren unsere Gastgeber zum Ostergottesdienst in die große Kirche nach Villa Maria. Davor, zum Frühstück gaben Gösta, Ella und einige Helfer eine Nutella-Party für die Kinder. Drei große Tabletts wurden mit Nutellabrot bereitet. Dass danach manche Kleider der Kinder „Spuren“ der heiß geliebten Schokobrote verrieten, tat dem Vergnügen keinen Abbruch und schien niemanden zu stören.

Nach der Rückkkehr gings auf zur Osterhasenjagd. Liv und Prossy hatten inzwischen die Nester im Garten versteckt. Davor, die Kinder konnten die Jagd kaum abwarten, hatten Emmanuel und Prossy von deutschen Osterbräuchen erzählt.

Das Mittagessen bedeutete für Ella und Gösta bereits das Ende der beeindruckenden Zeit in Kamukongo. Emmanuel packte für seine Eltern noch einige Kochbananen und Feuerholz in den Kleinbus und fuhr gegen 16:00 Uhr mit den beiden und Liv über Kampala nach Entebbe. Sie erreichten fast ohne Probleme den Flughafen und ihren Rückflug nach Deutschland. „Fast“, der kurze Regen am Mittag hatte die erdige Piste nach BUTENDE aufgeweicht. Trotz Allradantrieb fühlt sich der Untergrund dann an wie Schmierseife. Nur Emmanuels Rückfahrt vom Flughafen zu seinen Eltern dauerte über zwei Stunden. Nach einem Unfall war die Straße dicht.

Ostermontag

Wir saßen in kleiner Runde noch beim Frühstück, als Francis, Anne Namuddus langjähriger Fahrer, mit der Besuchergruppe aus Stuttgart ankam. Mit dabei: Peter und Angela Heisig, Viktor Mecking und Dr. Gisela Boller, beide auch Paten bei OCAOF, und Irene. Nach einer Tasse Tee oder Nescafe besichtigen die Gäste das Projekt, das Kinderheim in Kamukongo mit den Ställen, Gärten und Teichen, Bbaala mit HHHC und Schule und die Farm.

Vor der Rückfahrt nach Masaka spielte Angela, assisitiert von Tatjana und einem der Jungs mit liebevoll gebastelten Kleinfüguren und Requisiten Grimms Märchen „Frau Holle“, verteilte die mitgebrachten Geschenke und und tanzte, sang und spielte mit Groß und Klein im Kreis auf dem Hof.

Di., 02.04.2013

Viktor und Gisela waren in Kamukongo geblieben. Gisela will den Betrieb im HHHC kennen lernen und ging nach dem Frühstück mit Goretti und Sylvia zur Gesundheitsstation. Sie wird später berichten, dass sie viel gelernt habe, dass ganz andere Krankheitsbilder auftreten als in Deutschland und dass Annet und Goretti großartige Arbeit leisten.

Ali kommt am Mittag. Wir besprechen an der Baustelle den Bau des Holzbackofens. Er ist sehr interessiert und sieht darin auch eine Chance, Ofenbau als spezielles Angebot in seiner Firma zu entwickeln. Die Zahl der Gäste aus Europa scheint kontinuierlich zuzunehmen und die Nachfrage nach Brot und Backwaren nimmt zu. Zur Zeit wird in den Geschäften fast ausschließlich ein helles, weiches Brot ähnlich einem Toastbrot angeboten.

Wir fahren anschließend zusammen nach BUTENDE, um die Steine und den Ton für den Mörtel zu bestellen. Wir suchen nach den Steinen und finden ca. 160 Stück. Leider reicht das nicht für den Ofen, immerhin aber ziemlich genau für das innere Gewölbe und den Boden. Aber die müssen nach dem Bau ohnehin erst einmal an der Luft trocknen, bevor die zweite Schale aufgesetz werden kann.

Die Steine werden noch am Abend geliefert. Ali hat eine Holzform als stützende Form beim Schreiner bestellt, die das Gewölbe so lange stützen muss, bis der letzte eingesetzte Stein in der Gewölbemitte den Druck auffängt und die Hilfskonstruktion herausgenommen werden kann.

Mi., 03.04.2013

Für mich ein ruhiger Tag. Emmanuel und Goretti sind zu einer Besprechung in NAKYAGA. Ich habe alle Zeit der Welt und mache einen Spaziergang, um im näheren Umfeld einige Fotos zu machen. Abends kommt Gerald. Er hat kürzlich sein Studium „Mechatronik / Informatik“ abgeschlossen, hat überraschend schnell einen Job an der Uni Tübingen erhalten und will vor Arbeitsantritt noch eine Auszeit nehmen, um irgendwo eine andere Kultur kennen zu lernen. Peter Heisig hatte ihn auf dieses Projekt aufmerksam gemacht und innerhalb kurzer Zeit stand die Entscheidung, war das Ticket gebucht. Rose hatte ihn am Flughafen mit Taxi abgeholt und nach Kamukongo begleitet.

Do. 04.04.2013

Geplant nach dem Frühstück (es wird dann doch 13:30 Uhr oder so) setzen wir uns zu unserem ersten Gespräch über das Projekt auf dem Balkon zusammen. Wir kommen gut voran, sprechen über die Patenschaften und den Kontakt zu den Pateneltern, über die Preisentwicklung und die Kosten von Schulbesuchen und Ausbildungen in unterschiedlichen Berufen, über den Betrieb und die aktuelle Situation im HHHC (Gesundheitsstation) und in der St. Francis Primary School in Bbaala und die dortigen Baumaßnahmen. Wir sind in beiden Bereichen auf einem guten Weg. Goretti arbeitet an einem umfassenden Bericht über das HHHC, der wahrscheinlich Basis der letzten, weitergehenden Anerkennung der Einrichtung seitens der Gesundheitsdienste-Aufsichtsbehörde beim District sein wird. Diese Anerkennung bedeutet, dass die Lohnkosten für die medizinischen Fachkräfte zukünftig bezuschusst werden und Medikamente preiswerter erworben oder z.Zt. kostenlos zur Verfügung gestellt werden.

An der Grundschule in Bbaala entstehen derzeit ein weiteres Schulgebäude mit vier Klassenräumen, ein erweitertes Lehrerwohnhaus mit kleinen Wohn-/Schlafräumen für fünf Lehrer/innen und ein Schlafgebäude (Dormitory) für die Jungen der 6. und 7. Klasse, die zur intensiven Vorbereitung auf die Abschlussprüfung (Qualifikation für den Besuch einer weiterführenden Schule) jeweils von Montag bis Freitag in der Schule bleiben (Boarding; Internatsbetrieb). Unerwartete großzügige Spenden haben den Ausbau möglich gemacht. Seit 2009 war die Schülerzahl von 330 auf aktuell 694 rasant angestiegen. Wir gehen davon aus, dass inzwischen das Ziel: Grundbildung für alle Kinder im Projektgebiet fast erreicht ist. Die Zahlen zeigen im Nachhinein, wie viele schulfähige Kinder davor nicht zur Schule gegangen waren, weil das Schulgeld und die Schulkleidung nicht bezahlt werden konnten. Die Idee, durch (Schul-)Patenschaften den Schulbesuch der Kinder zuverlässig abzusichern, bedeutet für viele Kinder eine große Chance auf eine bessere Zukunft.

Wir gleichen die Kosten für Überweisungen von Deutschland auf das Projektkonto in Masaka ab. Die beiden Geldinstitute in Remscheid tragen inzwischen die Kosten für die Kontoführung und die Auslandsüberweiungen. Bei einem Betrag von 10.000 Euro bleiben lediglich ca. 25 Euro als Bearbeitungsgebühr bei der Empfängerbank übrig. Dies ist ein vergleichsweise sehr günstiges Verfahren und mit Ursache dafür, dass seit 2004 Jahr für Jahr deutlich über 99% der Beiträge, Patenschaften und Spenden unmittelbar im Projekt ankommen und sehr effizient verwendet und eingesetzt werden.

Vor zwei Jahren hatten wir vereinbart, dass wir die Preisentwicklung und die Inflationsrate beobachten und die vereinbarten Löhne für unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter regelmäßig anpassen wollen. "Our children and our future" ist inzwischen ein kleines Unternehmen mit bald 25 festen Mitarbeiter/innen in den beiden Häusern in Nyendo, dem Kinderheim, dem Health-Centre, der Schule und der Farm.

Emmanuel und Goretti finden auch den Vorschlag von Kati und Magda, zwei Besucherinnen des Projekts zum Ende des letzten Jahres gut, jungen Menschen aus Uganda bis zu einjährige Aufenthalte in Deutschland zu ermöglichen, wo sie z.B. nach Abschluss der Secondary School in einer Deutschen Schule lernen oder einen erlernten Beruf in Deutschland vertiefen können.

Secondary School in einer Deutschen Schule lernen oder einen erlernten Beruf in Deutschland vertiefen können.
Und – das jedoch vertieft in einer weiteren intensiven Gesprächsrunde einige Tage später – wir sprechen über das nächste große Teilprojekt: Eine Weiterbildungseinrichtung.

Kern und Ausgangspunkt von OCAOF sind die unmittelbaren Hilfen für Waisen und Kinder, deren Eltern oder Angehörige sich wegen extremer Armut oder Krankheit nicht um sie kümmern können. Ziel ist, ihnen ein Dach über dem Kopf, Sicherheit und menschliche Zuneigung, Essen, Kleidung und gesundheitliche Versorgung zu geben, ihnen den Zugang zu Bildung durch den Besuch von Schulen und eine anschließende berufliche Ausbildung zu sichern. Das Gesamtprojekt „Our children and our future“ in Uganda soll sich z.B. durch den Bau und Betrieb von Werkstätten und Geschäften, durch Garten- und Landwirtschaft, durch Ställe und Fischteiche weitestgehend selbst versorgen und wirtschaftlich unabhängig entwickeln (Hilfe zur Selbsthilfe). Wir wollen die Menschen darin unterstützen, die Lebensbedingungen im Umfeld nachhaltig durch verzahnte Förderung der Bereiche Bildung, Gesundheit, Wasserversorgung, Ernährung etc. zu verbessern (Integrierte ländl. Entwicklung).Nach erfrolgreichen Maßnahmen in den Bereichen Grundschulbildung, Gesundheit (HHHC) und Ernährung (Farm, Gärten, Ställe, Teiche) drängt nun der Bereich berufliche Bildung in den Mittelpunkt. Mehr Kinder als je zuvor schließen mit oder ohne Abschlussprüfung, die zum Besuch einer Secondary School berechtigt, die Klasse Primary 7 ab. Die jungen Leute haben selten die Möglichkeit, gegen Zahlung eines Lehrgeldes in Höhe von ca. 400 bis 700 Euro/Jahr eine Ausbildung im handwerklichen Bereich oder einem sozialen Beruf anzustreben. Meist hoffen sie darauf, als BodaBoda-Fahrer, Gelegenheitsarbeiter, Hilfsmonteur in einer Werksatt , mit einem kleinen Gewerbe oder auf irgendeine andere Weise in einer Stadt ihr Glück und ihr Einkommen zu finden.

Das Lehrgeld in Verbindung mit den Kosten für Unterkunft und Lebensunterhalt ist für kaum einen jungen Menschen aus der ärmlichen, ländlichen Herkunft möglich. Die nächste Secondary School ist so weit entfernt, dass sie nur in Verbindung mit Internatsbetrieb (Boarding) besucht werden kann. Die Kosten hierfür sind vergleichbar denen für eine handwerkliche Ausbildung.

Eine Lösung bietet der Bau einer Weiterbildungseinrichtung. Die Gespräche betrafen ursprünglich ausschließlich den Bereich der beruflichen Bildung. D.h. Lehrwerkstätten für Metaller-Berufe (Schlosser, Monteure und Auto-Mechaniker), holzverarbeitende Berufe (Schreiner, Zimmerleute), Hoch- und Tiefbau (Maurer, Kanal-, Straßen- und Brückenbau, Fliesenleger), Elektriker, hauswitschaftliche Berufe (Kochen, Backen, Nähen, Textilpflege und –bearbeitung etc.) und Friseure.

Zum vermeintlichen Ende der Gespräche stellte Goretti fest, dass es weit und breit keine Secondary School gibt. Aber, sie habe von einer Secondary School erfahren, die parallel zum Schulbetrieb handwerkliche Grundkenntnisse vermittelt und wo die Absolventen danach bei entsprechenden Leistungen eine berufliche Ausbildung in verkürzter Zeit abschließen können, in einem statt in zwei Jahren. Schnell war die Idee geboren, neben den Lehrwerkstätten auch eine (vorläufig) einzügige Secondary School aufzubauen und schulische und berufliche Bildung miteinander verknüpft anzubieten. Bei einem Planungsgespräch mit einem Architekten kristallisierten sich weitere markante Merkmale heraus, die diese kombinierte Secondary- und Berufsschule einmal auszeichnen können: Kreativität (Einrichtung einer offenen Werkstatt „Fine Art“), fachübergreifendes Lernen durch projektbezogenes Arbeiten, Vermittlung von Grundkenntnissen in Datenverarbeitung / Informatik und Ökonomie / Bussiness für alle Schüler/innen und Auszubildende. Baulich werden neben den Werkstätten und Schulräumen auch eine Küche mit Mensa und Wohnräume für Lehrer, Ausbilder sowie der Schüler/innen und Auszubildenden benötigt.

Bereits im Frühjahr und im Herbst 2012 konnten zwei große Grundstücke für die beschriebenen Maßnahmen erworben werden. Nur ein kleiner Teil wird für die Baumaßnahmen benötigt. Die verbleibenden Flächen (ca. 8 ha) können für einen weiteren Ausbildungsbereich genutzt werden: Landwirtschaft. Die nächste landwirtschaftliche Ausbildungsmöglichkeit liegt mehr als 50 km vom Standort entfernt. In Verbindung mit der projekteigenen Farm, die von einem jungen Agrarwissenschaftler geleitet wird, kann eine vollwertige Ausbildung in Agriculture und Lifestocking aufgebaut werden.

Die Mensa soll von der Ausbildungsklasse für Hauswirtschaft betreut und – Learning by doing – betrieben werden.

Die umfangreiche Gesamtplanung bedeutet gewiss nicht, alle Einrichtungen zeitgleich zu verwirklichen. Sie können nur in Bauabschnitten Schritt für Schritt gebaut werden. Dies wird nur mit großer Unterstützung, möglichst auch aus Bundesmitteln des Auswärtigen Amtes oder des Ministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, möglich sein. Wir stimmen uns ab, wer welche Recherchen und Planungsschritte in nächster Zeit erledigen kann.

So weit eine kurze Zusammenfassung der Gesprächsinhalte und –ergebnisse.

Fr., 05.04.2013

Ich stehe etwas früher auf als üblich und bereite den Weiterbau am Holzbackofen vor. Goretti hat heute Terrmine bei der Diozese und der Distriktverwaltung, um die Unterlagen für die o.g. weitergehende Anerkennung des Haide-Helmut-Health-Centre abzugeben. Während der letzten Tage hatte sie immer wieder an dem umfassenden Bericht gearbeitet.

Gegen 9 kommen Maurer, um gemeinsam mit Gerald und mir das Innengewölbe des Backofens zu mauern. Ich hoffe, dass unsere Mörtelmischung gut ist. Gegen Mittag ist das Gewölbe fertig. Die Bauweise war für alle Beteiligten Neuland. Nach der Trocknung des Tonmörtels wird sich zeigen, ob das Tonnengewölbe hält.

Am Nachmittag fahren wir nach Nyendo und bestellen bei einem Schlosser den Rahmen und die Türe für den Ofen. Nach mehreren Skizzen, Fotos aus einem Holzbackofen-Buch und gestenreichen Erklärungen wird sich später zeigen, dass das fertige Ergebnis von unseren Plänen etwas abweicht. Rahmen und Türe sind schwerer als geplant. Aber Gerald, der sich um den Einbau und die weiteren Arbeiten am Ofen kümmern wird, ist zuversichtlich, dass am Ende alles klappt.

Im Kinderheim haben Tatjana und Christopher im Hof ein Feuer entzündet und backen mit den Kindern Stockbrot. Sie sind begeistert bei der Sache und backen gründlich. Wir entfernen schließlich zu dritt die gelegentlich verkohlte Kruste.

Sa., 06.04.2013

Schon eine Stunde vor der vereinbarten Zeit sind Hrabat und Ali da. Ich verabschiede mich von Tatjana und Christopher. Sie fahren mit einer kleinen Gruppe in den Murchinson Falls National Park und werden erst am Donnerstagabend wieder zurück kehren. Ich werde dann schon auf dem Weg zum Flughafen für meine Rückreise nach Deutschland sein.

Mit Ali, dem Baumeister und Hrabat, dem jungen Architekten, fahren wir zum Baugrundstück. Es ist gut erreichbar und für die geplanten Einrichtungen geeignet. Die wichtigste Frage ist, woher wir Wasser beziehen können. Emmanuel knüpft den Kontakt zu einer Bäuerin in der Nachbarbarschaft. Sie ist bereit, uns ihre Wasserstelle zu zeigen. „Sie ist ganz in der Nähe“, lässt sie uns sofort ermutigt aufatmen. Aber, Entfernungsangaben sind subjektiv, wie wir bald erfahren bzw. erwandern werden. Wir folgen ihr über ihr Grundstück, durch ein kleines Dorf, durch Felder und einen kleinen Wald, vorbei an Hütten und kleinen Häusern, hinab über einen glitschigen Weg schließlich zu einer gefassten Quelle weit unten im Tal. Wir waren gefühlt eine halbe Stunde oder länger unterwegs. Dieser Weg ist für eine Druckleitung ziemlich lang.

Ein Mann, der uns von seinem Hof aus begleitet hatte, tröstet uns. Er nutze eine andere Wasserstelle, viel näher. Wir folgen ihm zu seinem Haus, durch sein Feld, durch einen kleinen Wald, tiefer ins Tal bis zu einer Wasserstelle, neben der Wäsche zum Trocknen und Bleichen auf einer Wiese ausgebreitet ist. Es ist ein Wasserloch, stehendes Wasser mit einem undefinierbaren Schmutzfilm an der Oberfläche. Hrabat erkennt sofort, dass ausreichendes und sauberes Wasser auch von hier aus nicht gepumpt werden kann.

Wir bedanken uns und steigen den langgezogenen Hügel wieder hinauf. Auf halber Höhe, wir sind schon weit über eine Stunde zu Fuß unterwegs, erfährt Emmanuel von einem älteren Herren mit Fahrrad, dass auf der anderen Seite des Hügels das Wasser viel näher sei. „Hier vergeudet ihr eure Zeit“.

Wir stapfen den Hügel hinauf, erreichen unter sengender Mittagssonne schwitzend die flache Kuppe und unser Baugrundstück und schauen uns auf der anderen Seite das zweite Grundstück an. Unterhalb von KITAMBA fließt ein kleiner Bach, an den ich mich von einem früheren Besuch erinnere. Wir fahren dorthin. Ein Stück oberhalb der Talsohle kommen uns Menschen mit gefüllten Wasserkanistern entgegen. Wir folgen ihrem Weg und finden – geschätzt nur ca. 500 bis 600 m unterhalb des zweiten Grundstücks - eine deutlich fröhlicher sprudelnde gefasste Quelle mit klarem Wasser. Die Fachleute scheinen die Lösung bereits vor Augen zu haben. Neben der Quelle kann eine kleine Zisterne gebaut werden mit einer Pumpstation. Nachts, wenn die Quelle nicht von den Menschen aus KITAMBA besucht wird, kann das über einen Überlauf gesammelte Wasser bei Bedarf auf den Hügel gepumpt werden. Wahrscheinlich empfiehlt es sich, auf halber Höhe eine zweite Pumpstation zu bauen. Emmanuel will sich um ein Angebot für den Bau der Wasserleitung kümmern. Die Tour hat sich gelohnt. Das Wasserproblem ist lösbar.



So., 07.04.2013

Emmanuel und Goretti haben für heute Nachmittag alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von OCAOF eingeladen. Es ist zu ihrer eigenen Verwunderung das erste Treffen dieser Art.

Emmanuel eröffnet das Treffen mit einer offensichtlich launigen Begrüßung in Luganda. Goretti erinnert an das eigentliche Ziel von OCAOF: Das Wohl der anvertrauten Kinder.

Sie stellt in äußerst sympatischer Weise jeden Teilnehmer des Treffens vor. Rita spricht anschließend im Namen und Auftrag der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sehr emotional ihr leiser Satz an die unterstützenden Freunde: „Unsere Herzen knien voller Dankbarkeit vor Euch und Eurer Hilfe nieder.“
Dankbarkeit vor euch und eurer Hilfe nieder.“

Nach den Wortbeiträgen auch von Joseph, dem Chairman der Gemeinde und anderen Mitarbeiter/innen darf ich antworten. Ich erzähle von den ersten Begegnungen, dem Werdegang des Projekts und insbesonder davon, dass ich hier heute den Dank für die Unterstützung entgegen nehmen darf, dass ich aber an Stelle der rund 65 Mitglieder, über 140 Paten und der großen Zahl weiterer Förderer stehe und diesen Dank und ihre Grüße an all die Freunde in Deutschland, Österreich, den USA und der Schweiz weitergeben werde. Insgesamt erhalten etwa 350 Freunde und Förderer die regelmäßigen Berichte.

Joseph berichtet auch aus dem Health Centre. Häufig kommen Patienten mit Zahnschmerzen und Zahlproblemen. Aber diesen Patienten könne man nicht helfen. Eine Behandlung beim nächsten Zahnarzt in Masaka sei für die meisten nicht finanzierbar.

Rückblende. Emmanuel schildert seine ersten beiden Tage 1991 in Deutschland. Ankunft in Frankfurt a.M. Er spricht kein Wort Deutsch. Eigentlich sollte ihn ein Freund von Gerhard Heusel abholen. Der jedoch ist kurzfristig beruflich verhindert und schickt eine Bekannte. Sie fahren nach Hause. Abendbrot. Es gibt Wurst. Emmanuel ist hungrig. Aber „rohes“ Fleisch, ekelhaft. Er rührt die Wurst nicht an und isst schließlich ein Honigbrot.

Der nächste Schock. Das Bad. Er weiß nicht, wie was funktioniert. Zuhause ist draußen ein tiefes, abgedecktes Loch im Garten mit einem Verschlag als Sichtschutz und ein Kanister mit Wasser. Er rührt nichts an und geht ins Zimmer. Ein Bett mit glattgezogenen Tüchern. Er kriecht in seiner Not nicht wirklich rein, rollt sich in ein Badetuch ein und schläft sehr müde oben drauf.

Für die Weiterfahrt hat ihm seine Gastgeberin ein Bahnticket beschafft. Ziel: Rhede. Das bedeutet, vier mal umsteigen. Er kennt weder Zugfahren noch kann er Passanten um Rat fragen. Einmal brüllt ihn ein Mann in blauer Uniform mit Mütze an und fuchtelt mit den Armen. Sein Zug steht auf einem anderen Bahnsteig. Aber wie kommt man da hin? Er sah keinen Weg und versuchte es über die Gleise … . Es klappt dann doch durch den Tunnel. Irgendwie kommt er in Bocholt an und steigt aus. Er muss aber nach Rhede-Hamminkeln. Fährt dorthin ein Zug? Oder ein Bus? Vor allem drückt immer mehr die Blase. Er sucht nach einer Toilette, findet sie aber nicht. Eine Tür mit einem kleinen Mann darauf ist verschlossen. Überall sind Leute. Er will um Rat fragen, niemand versteht ihn. Endlich, ein Nigerianer kann ihm weiterhelfen - nach eindeutiger szenischer Darstellung seiner Not.

Er findet vor dem Bahnhof Busse zeigt seinen Zettel mit dem Zielort: Rhede? Rhede? Rhede? Ein Busfahrer winkt ihn hinein. Dreimal fragt er an den nächsten Haltestellen: Rhede? Aber der Busfahrer winkt dreimal immer ungeduldiger ab. Ein viertes Mal wagt er nicht zu fragen. Bleibt sitzen. Schließlich wirft ihn der Busfahrer raus. Er steht auf der Straße, ist unsicher, ob er da ist oder ob der Busfahrer ihn los werden wollte. Hat er den Mann so verärgert? In der Nähe stehen Häuser. Er ist da. Die Mitarbeiterin an der Pforte der Akademie Klausenhof hat ihn entdeckt. Mehrmals hatte Gerhard Heusel dort angerufen und zunehmend besorgter nachgefragt, ob er angekommen sei. Die Frau spricht Englisch und ruft Herrn Heusel an. Emmanuel war nach der Suche „Bus“ oder „Bahn“, seiner „Not“ und der ganzen Unsicherheit zwei Stunden verspätet.

Der junge Mann aus Uganda blieb sechs Monate in der Akademie Klausenhof und lernte Deutsch. Danach begann er die Ausbildung als Buchdrucker in St. Ottilien nahe München, die er drei Jahre später mit „Gautschen“, dem alten Aufnahmebrauch des Buchdruckerhandwerks und dem „Gautschbrief“ erfolgreich abschloss.


Mo., 08.04.2013

Emmanuel und Goretti fahren nach dem Frühstück zu einer wichtigen Besprechung nach Nyendo. Ich zeige Gerald das Projekt, erzähle ihm von den ersten Kontakten, den wichtigsten Entwicklungsschritten bis heute und angestrebten weiteren Zielen als Grundlage für stabile, nachhaltige Veränderungen. Ich bin davon überzeugt, dass nur miteinander verzahnte, parallele Entwicklungsschritte in den Bereichen Bildung (einschl. Berufsausbildung), Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung und eine mitwachsende Infrastruktur nachhaltige Veränderungen möglich machen. (Arbeitsansatz: Integrierte ländliche Entwicklung).

Wir besprechen auch den Weiterbau des Holzbackofens. Ich bitte ihn, einige Samenkörner des Moringa-Baumes zu besorgen und einzupflanzen. Man kennt hier den Baum, aber man weiß nichts über seinen Nährstoffreichtum und die mögliche Bedeutung für die Ernährung. Der „Wunderbaum“ verfügt über eine unglaubliche Fülle und Konzentration hochwertiger Vitamine , Mineralien, Spurenelemente, Eiweiß, alle essentiellen Aminosäuren, fast alle nicht-essentiellen Aminosäuren in einem idealen Profil, 26 antientzündliche Substanzen, 46 Antioxidanzien u.a. mehr. Emmanuel weiß, wo man Moringa-Samen besorgen kann. Ein erster Baum steht im Garten. (Siehe: „Moringa oleifera“ von Claus Barta; „Die große Show der Naturwunder“ mit Ranga Yogeshwar u. Frank Elstner)

Mit Lawrenc kann er über Möglichkeiten der Weiterverarbeitung von Kaffeefrüchten (Trocknen, Schälen, Rösten, Mahlen, Vertrieb) sprechen. In den Dörfern wachsen tausende Kaffeesträucher, aber es gibt keine lokale Verarbeitung und nur wenige kennen den Geschmack des gerösteten Kaffees. Die Kleinbauern verkaufen den unbearbeiteten Kaffee für ca 60 Cent/kg. Ich werde ihm dazu einige Informationen aus Deutschland mailen.


Di., 09.04.2013

Wir nutzen die Zeit für weitere Gespräche. Einige Themen sind bisher noch nicht oder nicht abschließend besprochen. Hauptthema ist dabei die o.g. Schule mit Lehrwerkstätten für handwerkliche, landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche Berufe. Dürfen die Werkstätten mit Dienstleistungen und Produkten am Markt teilnehmen? Müssen wir eine von Kampala offiziell anerkannte NGO und oder eine „Non profit organization“ gründen?

Am Abend sitzen wir wieder im Hof zusammen. Es ist der letzte Abend meines Besuches in Kamukongo. Morgen Nachmittag werden Emmanuel und ich nach Entebbe fahren, Emmanuels Eltern besuchen, noch ein paar Stunden schlafen und dann am frühen Donnerstagmorgen zum Flughafen fahren. Die Kinder haben eine kleine Abschiedsparty für mich vorbereitet.

Es fällt leicht, diese Kinder zu lieben. Sie sind fröhlich, selbstbewusst, musikalisch, rhythmisch, mutig, allesamt kleine Entertainer, beglückend. Ja, es ist ein großes Geschenk, hier zu sein. Während meiner gesamten Besuchszeit habe ich keinen ernsten Streit mitbekommen. Es hat sich kein Kind verletzt, sie toben und laufen und fangen und rennen, aber kein Kind ist gestolpert und gefallen. Sie wünschen mir eine gute Reise und dass wir uns bald wieder sehen. Auch die ganz Kleinen kommen mit ihren guten Wünschen nach vorne und sprechen frei, von Emmanuel übersetzt. My second home.


Mi., 10.04.2013

Der letzte Tag. Ich versuche vom Health-Centre aus elektronisch meinen Rückflug einzuchecken. Leider klappt es nicht. Gemeinsam mit Gerald gehen wir noch einmal zur Schule, Der schnelle Baufortschritt erstaunt mich immer wieder. Inzwischen sind die Zwischenwände im Schulgebäude aufgemauert und die Außenwände weitgehend verputzt. Auf dem Lehrerwohngebäude ist das Dach montiert.

Emmanuel wird mich zum Flughafen begleiten. Wir starten am frühen Nachmittag und treffen unterwegs Hrabat, den jungen Architekten. Er hat inzwischen ein kleines Modell mit einem Vorschlag für die Anordnung der Gebäude angefertigt. Er hat dabei auch die vorherrschende Windrichtung und die Sonneneinstrahlung berücksichtigt. Nicht berücksichtigt sind die Räume für eine Secondary School. Der Bedarf und der entsprechende Wunsch war von Goretti erst nach der gemeinsamen Ortsbesichtigung genannt worden. Ich hätte es auch selbst wissen können. Tatjana hatte in einem ihrer Berichte geschrieben, dass mehrere Kinder gerne eine weiterführende Schule besuchen würden, der Weg zur nächsten Schule jedoch zu weit sei und das Schulgeld mit Internatsbetrieb (Boarding) zu teuer ist.

Wir erreichen die Vororte von Kampala zur rushhour. Emmanuel biegt vor der Stadt rechts ab. Nach einem kurzen Anstieg fahren wir über eine nicht asphaltierte Nebenstraße südwestlich an Kampala vorbei und erreichen nach ca. 30 Min. Fahrzeit wieder die Hauptverkehrsstraße von Kampala nach Entebbe. Nach weiteren gut 10 km sind wir bei Emmanuels Elternhaus.

Wir fahren nach einem warmherzigen Abschied zu dem Konvent in Entebbe, in dem wir schon bei der Ankunft übernachtet hatten und legen uns für eine halbe Nacht schlafen. Gegen drei Uhr verabschieden wir uns vor dem Flughafen und ich fliege über Nairobi und Amsterdam nach Düsseldorf zurück. Schade, dass mein Flug mit eineienhalb Stunden Verspätung in Amsterdam landet. Der Anschlussflug ist weg. Mit rund fünf Stunden Gesamtverspätung verlasse ich gegen Mitternacht müde den Flughafen in Düsseldorf. Es ist ziemlich frisch hier …



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