Wege entstehen dadurch, dass man sie geht. (Franz Kafka)

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,
„es ist schon sehr beachtlich, was in nur zwölf Jahren aus anfänglich kleinen Spenden für Schulbesuche einiger Kinder und für den Bau eines Wassertanks für Regenwasser entstanden ist. Braucht ihr weiter unsere Unterstützung?“, wurde ich nach einem Vortrag kürzlich gefragt. Ja, wir brauchen Ihre Unterstützung. Wir werden sie noch einige Jahre brauchen, weil das Projekt deutlich gewachsen ist und in die Nachbarschaft ausstrahlt. Wir sind glücklich und dankbar für all das, was in Nyendo, Kamukongo, Bbaala, Kitamba, Kinoni und Birinzi für die Menschen in der Projektregion und ganz besonders für die Entwicklungschancen der Kinder entsteht und schon aufgebaut werden konnte. Ziel unserer Partner und Freunde ist, das Projekt einmal unabhängig von externer Hilfe zu betreiben. Es wird vermutlich noch manches Jahr dauern, mindestens so lange, bis „unsere“ Kinder von heute selbst erwachsen und in der Lage sein werden, ihre eigenen Familien einmal sicher zu ernähren und die Kinder in Schulen zu schicken.

In Uganda sind 50% der Einwohner jünger als 15 Jahre. Uganda hat zusammen mit Niger die jüngste Bevölkerung aller Länder der Erde. Die Altersgruppe der 15- bis 24-jährigen macht weitere 38% der erwachsenen Bevölkerung aus. Alle diese jungen Menschen brauchen Bildung und berufliche Perspektiven. Die grundsätzliche Situation wird sich in den nächsten Jahrzehnten nicht entschärfen. Afrika erwartet in den kommenden Jahrzehnten eine Bevölkerungsexplosion. Heute leben etwa 850 Mio. Menschen auf dem „schwarzen“ Kontinent. 2050 werden es annähernd zwei Milliarden sein. Wir können als kleine Organisation gewiss nicht die Welt retten. Aber wir möchten den eingeschlagenen Weg gerne weiter gehen. Gerade in jüngster Zeit hört und liest man im Zusammenhang mit den Flüchtlingsbewegungen aus Asien, dem Nahen Osten und aus Afrika immer wieder die Forderung, die Anstrengungen nicht darin zu erschöpfen, die Mauern in den Köpfen und an den Grenzen höher zu ziehen, sondern Fluchtursachen in den Herkunftsländern wirksam zu bekämpfen. Uganda ist z.Zt. kein Herkunftsland für Flüchtlinge in Europa. Im Gegenteil. Trotz weit verbreiteter Armut ist Uganda derzeit selbst Aufnahmeland für Flüchtlinge aus Krisenregionen in Ost- und Zentralafrika wie Eritrea, Äthiopien, der Demokratischen Republik Kongo, dem Süd-Sudan oder Burundi.
Es brennt an vielen Orten. Umso wichtiger ist es, sichere „Inseln“ zu errichten, die mit ihrer Kraft und Stabilität ausstrahlen und helfen, Krisen und Konflikte möglichst erst gar nicht entstehen zu lassen. Die erneut erschütternden Bilder aus Haiti nach dem zerstörerischen Hurricane Matthew haben gezeigt, wie anfällig Staaten trotz internationaler Hilfe sind, wenn der Soforthilfe nach Katastrophen wie dem Erdbeben am 12. Januar 2010 keine nachhaltige Aufbauarbeit folgt, die die Selbsthilfefähigkeit in den Länder stärkt.

Die Bauarbeiten an der weiterführenden Schule und am Berufsbildungsinstitut in Kitamba gehen zügig voran. Schon zum Ende des Jahres werden für Jungen und für Mädchen je ein Internatsgebäude fertig sein. Auch die Leitung, Ausbilder und Mitarbeiter des Berufsbildungsinstituts werden aus den provisorischen Räumen in der Mensa in ein neues Verwaltungsgebäude umziehen. Besonders freuen wir uns mit den Schulabgängern der Grundschulen nach Klasse 7 im Einzugsbereich, weil sie die die neue weiterführende Schule Anfang Februar 2017 eröffnen werden. Hinzu kommen „unsere“ Kinder aus dem Kinderheim und aus umliegenden Dörfern, die nach dem ersten Jahr in einer anderen Schule in die 2. Klasse der nun nahegelegenen „eigenen“ Secondary School in Kitamba wechseln werden. Das sind nämlich die Pläne: Unterrichtsstart im Februar 2017 mit den Klassen Sec.1 und Sec.2. Danach kommen 2018 und 2019 die weiteren Klassen Sec.3 und Sec.4 hinzu. Ein erfahrener Schulleiter wurde bereits gefunden, der den Aufbau des Lehrerkollegiums und der Schule leiten wird.

Auch im Kinderheim konnte mit dem Bau eines weiteren Wohnhauses Platz geschaffen werden. Sehr eng ist z.Zt. der Speiseraum im Kinderheim Kamukongo. Aber auch hier ist eine Lösung in Sicht. Spenden anlässlich einer Hochzeit ermöglichen die nötige Erweiterung, damit die über 80 Kinder und die Mitarbeiter/innen demnächst wieder gemeinsam und nicht in Etappen hintereinander essen können.
Eine besondere Ehre bedeutete für Emmanuel und Goretti die Einladung seitens des deutschen Botschafters Dr. Peter Blomeyer zum Festakt am Tag der Deutschen Einheit in die Botschaft nach Kampala. Der Kontakt zur Botschaft wurde im Februar neu belebt. Schon wenige Tage nach unserem Brief und der Einladung an die Botschaft hatte eine Mitarbeiterin OCAOF besucht.

Besonders freuen wir uns auf den Besuch von Emmanuel und Goretti im Februar / März 2017 in Deutschland. Ich hatte Ihnen im letzten Bericht von der Terminverschiebung auf Wunsch der jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei OCAOF in Uganda berichtet. Die Vorbereitungen des Schulbetriebs in der weiterführenden Schule und des neuen Ausbildungsjahres im Technical Institute sind inzwischen gut angelaufen. Der neue Termin für die Deutschlandreise steht fest. Die geplante Reiseroute führt von Remscheid über das Saarland, den Schwarzwald, Bodensee und Allgäu nach München. Von dort über den Raum Stuttgart und Bruchköbel bei Frankfurt wieder zurück nach NRW an den Niederrhein, ins Münsterland und nach Bad Heiligenstadt in Thüringen. Gleich zu Beginn findet am Samstag, 04. Februar 2017 ab 14:00 Uhr ein Begrüßungsfest im Gemeindezentrum der Ev. Kirchengemeinde Remscheid-Hasten, Büchelstr. 47a, statt. Dazu laden wir Sie herzlich ein. Bitte teilen Sie möglichst per E-Mail an franz.lebfromm@gmx.de mit, wenn Sie kommen, damit wir ausreichend Stühle stellen und für Ihr leibliches Wohl sorgen können.

Zum Schluss noch hoffnungsvolle Ideen zur Verbesserung der Wasser- und Energieversorgung. Die Sternsinger der Kgm. St. Michael in Remshalden nahe Stuttgart werden 2017 zugunsten von OCAOF singen und sammeln. Bereits 2010 konnten aus der Sammlung der Gemeinde eine Zisterne und eine neue Toilettenanlage an der Grundschule in Bbaala finanziert werden. 2017 ist geplant, im Schulzentrum Kitamba eine Wasseraufbereitungsanlage zu bauen, mit der das Rohwasser zu sauberem Trinkwasser aufbereitet wird. Bereits 2014 war eine Wasserleitung von einer Quelle im Tal zum Schulstandort gelegt worden. Z.Zt. wird eine erste große Zisterne für das Regenwassers von den Dächern der Lehrwerkstätten, Schul- und Internatsgebäude gebaut. Das gefilterte und desinfizierte Wasser soll dann mit einem Pumpwerk über ein Leitungsnetz an alle Zapfstellen im Berufsbildungsinstitut, in der weiterführenden Schule und in den Wohneinrichtungen gepumpt werden.
Ein anderes Ziel ist der Ausbau der Elektriker-Ausbildung hin zu einem Aus- und Weiterbildungsstandort für Solar-Fachleute. Die Ausbildungsstätte für „Solateure“ richtet sich nicht nur an die angehenden Elektriker in Kitamba, sondern für Weiterbildungen auch an Ausbilder aus anderen Berufsbildungseinrichtungen in Uganda. Damit verbunden wäre die Einrichtung eines Solarlabors und der Aufbau eines kleinen Stromnetzes – nach und nach - auch mit dem Ziel, die Nachbarschaft einzubeziehen.

Mit Dank für Ihre treue Unterstützung und herzlichen Grüßen auch aus Uganda
Ihr Franz Lebfromm




zum Seitenanfang