„Die ersten Schritte sind wertlos, wenn man den Weg nicht zu Ende geht.“

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

vor einem Jahr durften wir auf die ersten zehn Jahre von „Our children and our future“ in Uganda und die erfolgreichen Entwicklungsschritte zurückblicken. In erster Reihe sind da die 60 Kinder im Kinderheim und dann noch einmal rd. 200 Kinder aus den umliegenden Dörfern, die wir beim Schulbesuch unterstützen. Wir unterstützen Goretti, Emmanuel und die Menschen in „unserem“ Projektgebiet auch dabei, dauerhafte und tragfähige Veränderungen anzustoßen. Schwerpunkte sind neben dem Kinderheim die Gesundheitsstation gegen die medizinische Unterversorgung und die Grundschule und Schulpatenschaften in weiterführenden Schulen gegen den Bildungsnotstand. Flankierend sind aber auch die unterschiedlichen Maßnahmen der Hilfen zur Selbsthilfe zu nennen: z.B. der Anbau von Gemüse und Früchten zur Selbstversorgung, Baumpflanzungen gegen Bodenerosion, Milch aus der Farm zur Verbesserung der Schulspeisung oder der Bau von Brunnen und Zisternen in der ländlichen Region, in der weder Strom noch Wasserleitungen existieren.

Wasser holen die Menschen in den Dörfern nach wie vor in Kanistern von irgendeiner Wasserstelle, einem Bach, einem Brunnen oder einem Tümpel mit Grundwasser. Wie in diesen Novembertagen bei uns geht in Äquatornähe in Uganda abends das ganze Jahr über kurz nach 18 Uhr innerhalb kurzer Zeit die Sonne unter. Dann sieht man vor oder in einigen Hütten das fahle Licht von Petroleum-bzw. Kerosinlampen. Aber nicht alle haben das Geld, um Öl zu kaufen.

Ich bin besonders gespannt auf das NURU-Lichtprojekt, das Andrew Lux „im Reisegepäck“ hat. Andrew reist Mitte November nach Uganda und wird gemeinsam mit unseren Freunden Wege und Lösungen für den Aufbau und die Einrichtung einer Lade- und Servicestation und den Vertrieb der Lampen suchen. Es handelt sich um robuste und zugleich preisgünstige LED-Lampen, deren Akkus durch Muskelkraft aufgeladen werden. In nur 20 Minuten können mit einem Generator, der wie ein Fahrradergometer angetrieben wird, 5 Akkus gleichzeitig geladen werden. Die Energie eines Akkus reicht für ca. eine Woche und kostet nur einen Bruchteil der z.Zt. üblichen Kosten für Kerosin. Und: Kerosin ist nicht nur teuer. Kerosin entwickelt giftige Dämpfe, produziert CO⊃2; und ist „Brand“-gefährlich. (Siehe: www.nuruenergy.com).

Zur aktuellen Lage ein kurzer Rückblick. Das neue Wohnhaus neben dem Health-Centre wurde vor wenigen Tagen fertiggestellt. Die dadurch im Health-Centre frei gewordenen drei Räume werden als Labor, Krankenzimmer und als zusätzlicher Untersuchungsraum genutzt. In ihm wird demnächst auch die Remscheider Augenärztin Dr. Andrea Winkgen (Das Augenzentrum in Lüdenscheid) Untersuchungen durchführen und Patient/innen für eine Katarakt-OP auswählen und vorbereiten. Die OPs werden im März 2015 von einem Ärzte- und Helferteam um Dr. Gerl aus Ahaus in einer kleinen Augenklinik in Kasana (etwa 100 km von Kamukongo entfernt) durchgeführt. Im Oktober war der Zahnarzt Dr. Gunter Glaser nach 2013 zum zweiten Mal vor Ort und hat wiederum viele Patient/innen behandelt. Vor Kurzem haben Dr. Frank Neveling und Dr. Kazem Safarli hier gearbeitet und insbesondere gesundheitliche Aufklärungsarbeit geleistet. Die medizinischen Möglichkeiten und ehrenamtlichen Einsätze von Mediziner/innen aus Deutschland, Norwegen und der Schweiz in den letzten Jahren sind für eine ländliche Region in Afrika außergewöhnlich. Vielen Dank dem Ehepaar Dres. Haide und Helmut Cuntze, die das Health Centre aufgebaut haben und die Kolleg/innen zu diesen Engagements begeistern konnten.

Das erste Gebäude der geplanten Berufsbildungseinrichtungen in Kitamba, eine Lehrwerkstatt für Mechaniker und Elektriker mit einer offenen KFZ-Halle, wird voraussichtlich noch in diesem Monat fertig. Dieses Gebäude wird von Knorr-Bremse Global Care e.V. finanziert. Wir hätten ohne diese Hilfe das Berufsbildungsprojekt in diesem Jahr nicht starten können. Im Bau ist das Mensagebäude mit Schulküche, in dem während der Startphase auch die Verwaltung des „OCAOF Vocational Institute“ untergebracht wird. Ebenfalls im Bau ist der Sockel für einen Hochtank. In diesen Tank wird das Wasser aus einer Quelle im Tal nahe Kitamba gepumpt, um mit dem nötigen Druck dann in die einzelnen Gebäude und Toilettenanlagen zu fließen.

Mit dem Bau alleine ist es aber nicht getan. Seit Juli arbeitet sich Deogratias Bukenya als zukünftiger Leiter ein. Im Oktober tagte erstmals das Steering committee, ein Lenkungsausschuss mit Vertretern und Fachleuten aus den Gemeinden, der Schulleiterin aus Bbaala und Vertretern von OCAOF. Der Ausschuss unterstützt die Institutsleitung und entscheidet nach Beratung alle wichtigen Fragen. Über die in Uganda möglichen Ausbildungsgänge und welche davon in Kitamba möglich sind, werde ich Sie demnächst informieren.

Kürzlich wurde ich gefragt, ob das Projekt in Uganda auch aus eigener Kraft lebensfähig wäre? Ich erinnere mich gut an ein Gespräch mit Emmanuel vor acht Jahren. Er hatte mehrere Projekte in Uganda erlebt, die nach dem Ausfall von Geldgebern in kurzer Zeit in sich zusammen gefallen waren. Es war von Beginn an das Ziel, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten und dafür zu sorgen, dass „Our children and our future“ zumindest im Kern auch aus eigener Kraft bestehen könnte. OCAOF versorgt sich aus den Erträgen in den Gärten, Ställen und den kleinen Geschäften und Werkstätten in Nyendo weitgehend selbst und könnte den Kindern des Kinderheims auch die Grundschulbesuche ermöglichen. Auch das Health-Centre und die Farm arbeiten wirtschaftlich unabhängig. Ohne die Patenschaften wäre es aber nicht möglich, alle Kinder aus dem Kinderheim auf weiterführende Schulen zu schicken und die Kinder aus den umliegenden Dörfern beim Schulbesuch zu unterstützen. Gerade die Patenschaften sind dazu ein wichtiges und unverzichtbares Instrument. Das wird auch für manche Auszubildenden in den neuen Werkstätten zur beruflichen Bildung gelten. Wir freuen uns über jede weitere Patenschaft, die einem Kind oder Jugendlichen hilft, die Schule zu besuchen oder eine Ausbildung zu machen.

Ich möchte Ihnen auch im Namen von Emmanuel, Goretti, den Kindern und Mitarbeiter/innen für Ihre treue Unterstützung danken. Das Projektgebiet war in den letzten Jahren zum Glück von existenziell bedrohlichen Katastrophen verschont. OCAOF hatte damit die Chance, statt einer Not- und Katastrophenhilfe eine nachhaltige Entwicklung anzustoßen. „Unsere Kinder“ sollen befähigt werden, auf Herausforderungen in ihrem Leben besser zu reagieren und mit Hoffnung ihre Zukunft zu gestalten.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen für eine besinnliche Adventszeit und ein frohes Weihnachtsfest
Ihr

Franz Lebfromm

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