„Gib einem Hungernden einen Fisch, und er wird einmal satt, lehre ihn zu fischen, und er wird nie wieder hungern“

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

im letzten Bericht hatte ich Ihnen zum Stand der Bauarbeiten zum „OCAOF Vocational Institute“, den geplanten Einrichtungen für Berufsausbildungen im Nachbardorf Kitamba berichtet und umfassendere Informationen dazu angekündigt. Der 16. Februar, Rosenmontag, war in Kitamba ein besonderer Tag. Die ersten 15 Auszubildenden haben ihre Ausbildung begonnen. Die Lehrwerkstätten für Mechaniker und Elektriker mit jeweils einer Werkstatt und einem Unterrichtsraum und eine offene KFZ-Halle sind fertig. Fertig ist auch das Mensagebäude mit Schulküche, in dem während der Startphase auch die Verwaltung des „OCAOF Vocational Institute“ und ein kleines Computerlabor untergebracht sind. In den nächsten Tagen wird sich die Zahl der Auszubildenden noch deutlich erhöhen, weil noch nicht alle Schulabgänger/innen ihre Abschlusszeugnisse erhalten hatten. In der Anfangszeit sollen max. 10 Jugendliche je Ausbildungsbereich unterrichtet werden.

Im ersten Lehrjahr wird jeweils nur ein Raum für die Ausbildung der Mechaniker und Elektriker zwingend gebraucht. Zwei Räume sind im Moment frei und dienen 2015 für Ausbildungsstarts im Schneider- und Friseurhandwerk. Für alle Auszubildenden ist darüber hinaus „learning by doing“, „durch praktische Mitarbeit lernen“ in der „Landwirtschaft“ und die Teilnahme an Computerkursen frei.

Zum Einzugsbereich von Berufsbildungseinrichtungen in Uganda einige Vergleichszahlen aus einer ähnlichen Einrichtung in Butende: 70% der dortigen Azubis kommen aus einer Entfernung von mehr als 50 km. Das bedeutet, dass rund 80% in Internatsbetrieb (Boarding) auf dem Schulgelände wohnen. Der Bau von Wohnhäusern für Mädchen und Jungen ist auch in Kitamba eines der nächsten Ziele. Für den Start in diesem Jahr konnten das o.g. Bauernhaus und einige Räume in der Nachbarschaft angemietet werden.

Bewerber/innen aus den umliegenden Dörfern gibt es genug. Aber nur wenige können ohne Unterstützung das „Lehrgeld“ bezahlen. In Kitamba wurde das „Schulgeld“ für Azubis mit Boarding auf 400.000 Schilling (120 Euro) und ohne Boarding auf 250.000 Schilling (76 Euro) je Term festgesetzt. Ein Schul- bzw. Ausbildungsjahr besteht aus drei Terms. Das „Lehrgeld“ beträgt bei Internatsbetrieb umgerechnet also ca. 360 Euro/Jahr und ohne Internatsbetrieb ca. 230 Euro/Jahr). Wir möchten uns intensiv um „Ausbildungspatenschaften“ kümmern und die bestehenden Patenschaftformulare um eine Zeile „Patenschaft für Berufsausbildung – 360 Euro/Jahr“ ergänzen. Die Chancen, mit einer Ausbildung einen Arbeitsplatz zu finden und dabei auch mehr zu verdienen als ungelernte Kräfte ist hoch. Und es besteht auch die Möglichkeit, sich danach selbständig zu machen.

Der Staat Uganda hat in den letzten Jahren einiges im Bereich Berufsausbildung getan. Das „Uganda Business and Technical Examination Board“ hat seit 2002 für alle wichtigen Berufe „Regulations and Syllabuses“ – Lehrpläne und Prüfungsordnungen erlassen. Berufsabschlüsse sind nach der Primary School (P7) in einer 3-jährigen Ausbildung mit dem „Junior Certificate“ und nach dem Abschuss der Secondary 4 – vergleichbar der Mittleren Reife – in einer 2-jährigen Ausbildung mit dem „Crafts Certificate“ möglich. Die Teilnahme an einem 6-monatigen Grundkurs nach der Grundschule kann mit dem sogn. „Skills Certificate“ oder „Industrial Training Certificate“ abgeschlossen werden.

Erfreulicherweise war es kein Problem, geeignete einheimische Ausbilder/innen zu finden. Arbeitsplätze sollen grundsätzlich mit einheimischen Kräften besetzt werden. Das schließt jedoch nicht aus, dass Fachleute z.B. aus Deutschland in zeitlich begrenzten Einsätzen vor Ort mitarbeiten und ihre Kenntnisse weitergeben oder junge Leute für einige Wochen oder Monate in Uganda ein Praktikum machen. Ich denke hier z.B. an die großartigen Einsätze von Medizinern und demnächst vielleicht auch von Lehrern, Handwerkern und Technikern, die als „Senior Partner“ die Ausbildungen in Kitamba mit ihren Kenntnissen und Erfahrungen bereichern.

Aus der gleichen Grundüberzeugung versuchen wir, Geräte, Maschinen, Arbeitsmaterial und Waren vorrangig in Uganda zu beschaffen und dadurch die Wirtschaftskraft vor Ort zu stärken. Das hat einen weiteren Vorteil: Verbrauchsmaterial und Ersatzteile sind vor Ort erhältlich, Wartung und Reparaturen ebenfalls. Es ist für Besucher immer wieder frustrierend - z.B. in Krankenhäusern- gespendete Geräte zu sehen, die defekt in der Ecke stehen, weil ein Ersatzteil fehlt oder niemand sie reparieren kann.

Zur Energie- und Sanitärversorgung:In ländlichen Gebieten gibt es kaum befestigte Straßen, Strom, Wasserleitungen, Abwasserkanäle oder Kläranlagen. Es stellen sich z.B. die Fragen: Wie kann die Energieversorgung für Licht, PCs oder Arbeitsmaschinen sichergestellt werden? Welche Technologien sind sinnvoll, zukunftsfähig und erschwinglich? Oder: Welche Sanitäranlagen sind machbar und zugleich auch Anregung und Vorbild für die Sanitärentwicklung und Verbesserung der Hygiene im Land? Dazu mehr im nächsten Bericht. Die Auszubildenden werden später in ihre Dörfer und Städte zurückkehren und als Multiplikatoren ihre Kenntnisse und Erfahrungen mitbringen.

Das NURU-Lichtprojekt: Das Ziel, die brandgefährlichen und gesundheitsgefährdenden Öllampen im Projektgebiet durch robuste, wiederaufladbare und zugleich preiswertere LED-Leuchten zu ersetzen, ist auf einem guten Weg. Im Dezember wurden mit Unterstützung der Marianne und Emil Lux-Stiftung NURU-Leuchten und eine Ladestation geliefert. Inzwischen haben 156 Haushalte im Projektgebiet auf diese umweltfreundliche Licht-Variante umgestellt. Um den Vertrieb und den Ladeservice (die Akkus werden mit Muskelkraft – siehe Foto - aufgeladen) kümmern sich Julius, Andrew und Ivan, drei unserer Mitarbeiter.

Zum Thema Augenoperationen: Mitte März können 30 Patient/innen mit „Grauem Star“ aus unserem Projektgebiet in einer kleinen Augenklinik in Kasana im Distrikt Luwero operiert werden. Dr. Ralf Gerl von der Augenklinik Ahaus und sein ebenfalls ehrenamtlich arbeitendes Team werden die Operationen durchführen. Die Patient/innen wurden im letzten November von der Augenärztin Dr. Andrea Winkgen ausgewählt. Die Fahrt nach Kasana, der Aufenthalt und die OPs werden durch Spenden finanziert.

2014 war durch Ihre Hilfe erneut ein sehr erfolgreiches Jahr. Auch im Namen von Emmanuel, Goretti, den Kindern und den Menschen in den Dörfern im Projektgebiet möchte ich Ihnen sehr herzlich für Ihre treue Unterstützung danken.

Mit herzlichen Grüßen
Gez. Ihr Franz Lebfromm

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