Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

zu Beginn möchte ich Ihnen heute wieder einige Zahlen und die aktuellen Entwicklungen bei OCAOF in Uganda mitteilen.

Die Großfamilie MUSOKE betreut z.Zt. 64 Kinder. Knapp die Hälfte davon leben regelmäßig im Kinderheim in Kamukongo, 34 besuchen weiterführende Schulen oder Berufsschulen mit Internatsbetrieb. Das sind keine „Eliteschulen“ mit Zimmerservice, sondern recht spartanische Einrichtungen mit engen Schlafsälen und einfacher Ernährung. Dass inzwischen so viele Kinder weiterführende Schulen besuchen und eine fundierte Ausbildung machen, ist ungewöhnlich und nur dank Ihrer Hilfe mglich. Aber es ist wahrscheinlich der einzige nachhaltig gangbare Weg. Our children and our future hat seit 2005 insgesamt 35 jungen Menschen Ausbildungen ermöglicht. Alle haben einen Arbeitsplatz gefunden und unterstützen ihrerseits ihre Familien. Auch das ist ungewöhnlich in einem Land mit über 60% arbeitslosen Jugendlichen.

Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung schreibt aus aktuellem Anlass in „Krise an Europas Südgrenze – Welche Faktoren steuern heute und morgen die Migration über das Mittelmeer?“ „Die Länder der EU sollten sich ihrer entwicklungspolitischen und humanitären Verantwortung stellen, um Krisen und Flüchtlingsströmen präventiv zu begegnen. Neben humanitärer Soforthilfe zählen zu den wichtigsten entwicklungspolitischen Maßnahmen die Verbesserung der Gesundheits- und Bildungssysteme, der Abbau von Handelsschranken und die freie Entwicklung des Privatsektors. Im Zentrum der Bemühungen sollte die Schaffung von Arbeitsplätzen für die wachsende Zahl junger Menschen stehen. All diese Interventionen bremsen zudem erwiesenermaßen das starke Bevölkerungswachstum, das sich negativ auf die Entwicklungsmöglichkeiten der Länder auswirkt“. (http://www.berlin-institut.org/publikationen.html) Das OCAOF Vocational Institute (Berufsbildungszentrum in Kitamba) hat – wie im März berichtet – den Betrieb für Mechaniker, Elektriker, Friseur/innen und Näher/innen begonnen. Das Bundesministerium für wirtschaftlich Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) hat am 26.05.2015 unserem Förderantrag für eine Erweiterung zugestimmt und bezuschusst den Bau von zwei Gebäuden. Ab 2016 werden auch Ausbildungen in Hauswirtschaft und Landwirtschaft angeboten und in den laufenden Ausbildungen jeweils zweite Ausbildungsjahre eingerichtet.

Wir hoffen, möglichst vielen jungen Leuten auch aus den nahegelegenen Dörfern eine Ausbildung zu ermöglichen. Gerade in den ersten Jahren brauchen wir dazu die Unterstützung von Paten und Förderern. Die Bewohner des Projektgebietes sind meist Kleinbauern in Subsistenzwirtschaft. Kaum eine Familie ist in der Lage, ihre Kinder zur Schule oder gar in eine Ausbildung zu schicken. Auch die Möglichkeit, das Schulgeld in Naturalien zu bezahlen, konnte vor dem Ausbildungsstart im Februar 2015 daran wenig ändern, weil nach einer längeren Trockenzeit die Ernte schlecht war. Wir haben mit Goretti, Emmanuel und der Berufsschule verabredet, einen Fonds einzurichten, aus dem fehlende Anteile ergänzt werden können.

Das Haide-Helmut-Health Centre mit Entbindungsstation, zwei kleinen Stationen für Männer und Frauen für Notfälle, Untersuchungs- und Behandlungsräumen, einem kleinen Labor und Mitarbeiterwohnhaus wurde kürzlich vom Gesundheitsministerium ohne Einschränkung als Health-Centre anerkannt. Diese umfassende Lizenz bedeutet u.a., dass Impfungen durchgeführt, Impfstoffe seitens der Regierung kostenlos bereitgestellt werden und auch andere Medikamente zu günstigeren Preisen bezogen werden können.

Ziel bei der Hilfe zur Selbsthilfe ist es, das Projekt nachhaltig so aufzubauen, dass es sich langfristig selber tragen kann. OCAOF hat dafür einen weiteren großen Schritt machen können. Dank eines großzügigen Förderers wurde der Kauf eines 62 ha großen Grundstücks am Lake Birinzi, ca. 10 km entfernt vom Waisenhaus in Kamukongo, ermöglicht. Das Grundstück soll zur landwirtschaftlichen Selbstversorgung und als zusätzliche wirtschaftliche Grundlage durch Verkäufe für das Projekt dienen. Die Vorbereitungen für umfangreiche Baumpflanzungen auf dem neuen Grundstück haben bereits begonnen. Es werden Löcher gegraben und mit Naturdünger aufgefüllt, ein Schutzzaun wird gesetzt und die Setzlinge werden eifrig vorbereitet und gepflegt: Über 10.000 Fruchtbäume wie Mango, Papaya, Orangen, Zitronen, Jack Fruit und Guave, Nußbäume, Nutzhölzer wie Gluveria, Podo, Eukalyptus, Mahagony oder Teak, Kakao-Bäume und Kaffeesträucher sollen noch kurz vor der nächsten Regenzeit im August gepflanzt werden. Wir hoffen, dass viele der Setzlinge „angehen“ und in einigen Jahren reiche Früchte tragen.

Jahrzehntelang wurde (und wird leider auch heute noch) rund um den Globus tropischer Regenwald für Weideflächen und Futteranbau gerodet und damit ein bedeutender CO2-Speicher zerstört; Mit der fatalen Folge, dass die klimaschädigende Spirale aus CO2-Emission und weiterer Verminderung der Kohlenstoffbindung durch Bäume und Böden sich weiter dreht.

Der komplexe, ganzheitliche Arbeitsansatz bei OCAOF schließt neben der Betreuung und fürsorglichen Begleitung der Kinder eine integrierte Entwicklung des Lebensumfeldes auch außerhalb des Kinderheims mit ein. Dazu gehören eine miteinander verzahnte Entwicklung von schulischer und beruflicher Bildung, Sicherung der Ernährung, Gesundheitsversorgung und -vorsorge, Zugang zu sanitären Anlagen und sauberem Wasser, Erschließung von erneuerbaren Energien, Schaffung von Arbeitsplätzen und der Aufbau der nötigen Infrastruktur – kurz: eine spürbare Verbesserung der Grundlagen für ein eigenständiges und von fremder Hilfe unabhängiges Leben.

Die fehlende Infrastruktur zwingt zu kreativen Lösungen. Das bietet bei allen erforderlichen Anstrengungen auch die Chance, zukunftsweisende Wege zu gehen. Und, was den Menschen hilft, nutzt hier offensichtlich auch der Natur und dem Klima. Einige Beispiele aus unserem Projekt:

Fehlende Energieversorgung - Erneuerbare Energien: Zur Stromversorgung wurden und werden Photovoltaik-Anlagen installiert. Organische Abfälle und Gülle aus den Ställen werden in kleinen Biogas-Anlagen vergärt. Das gewonnene Gas reduziert den Einsatz von Holz und Holzkohle. Die Nutzung von Windenergie wird erprobt.
Gesundheitsschutz und Minderung von CO2-Emission: Die „brandgefährlichen“ und gesundheitsschädlichen Öllampen in den Hütten der Bewohner werden durch robuste und preiswerte LED-Leuchten ersetzt (NURU-Energy). Die neuen Leuchten und effektivere Öfen sparen Brennenergie und reduzieren die Freisetzung klimaschädlicher CO2- Emissionen. Entziehung von CO2 aus der Atmosphäre und Schutz der Böden durch Baumpflanzungen : Bäume und humusreiche Böden binden Kohlenstoff. Das Wurzelwerk stabilisiert Böden und verhindert Erosion durch Wasser und Wind.

Es reicht nicht, Einrichten und Anlagen zu finanzieren und zu installieren. Parallel dazu müssen die technischen Kenntnisse für Montage, Betrieb und eventuelle Störungen erworben und das nötige Wissen über ökologische Zusammenhänge vermittelt werden. Ideale Voraussetzungen bietet hier das OCAOF Vocational Institute, das neue Berufsbildungszentrum mit Ausbildungen in handwerklich-technischen und hauswirtschaftlichen Berufen.

Ich möchte Ihnen auch im Namen von Emmanuel, Goretti, den Kindern und vielen Erwachsenen im Projektgebiet herzlich für die treue und verlässliche Unterstützung danken. Der auf „Nachhaltigkeit“ zielende Aufbau des Projekts erfordert Zeit. Zeit für die Kinder zu spielen und zu lernen, Schulen zu besuchen und Ausbildungen zu machen. Zeit für Bäume, um wachsen zu können. Zeit und solide Grundlagen um kleine Betriebe und Arbeitsplätze aufzubauen. Our children and our future ist dank Ihrer Hilfe und der kompetenten und weitsichtigen Arbeit unserer Freunde in Kamukongo, Nyendo, Bbaala, Kitamba und Birinzi auf einem hoffnungsvollen Weg.

Mit herzlichen Grüßen
gez.
Ihr Franz Lebfromm