„Wer sich nachts zu lange mit den Problemen von morgen beschäftigt, ist am nächsten Tag zu müde, sie zu lösen.“ (Unbekannt)

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

im letzten Rundschreiben im Oktober 2015 hatten wir neben den aktuellen Arbeiten in Uganda die wachsende Unterstützung und einige besonders bemerkenswerte Beispiele der Hilfen vorgestellt.
Ich freue mich, dass wir auch das Jahr 2016 sehr zuversichtlich beginnen durften. Unerwartet großzügige Spenden zugunsten von OCAOF anlässlich der Verabschiedung von Herrn Frithjof Grande, dem langjährigen Vorstandsvorsitzenden der Volksbank Solingen-Remscheid, ermöglichen den Bau eines neuen Wohnhauses im Kinderheim Kamukongo. Die Erweiterung der Unterkünfte wurde dringend nötig, nachdem die Zahl der betreuten Kinder inzwischen auf 76 gestiegen ist.

Der Arbeitsansatz von OCAOF war von Beginn an „Hilfe zur Selbsthilfe“. Ab 2009 kam ergänzend hinzu: „Integrierte ländliche Entwicklung“. Das bedeutet, über das Kinderheim hinaus auch das Umfeld einzubeziehen und „ganzheitlich“ alle wesentlich für die Entwicklung nötigen Maßnahmen parallel und miteinander verzahnt anzugehen: Bildung, Gesundheitsversorgung, Zugang zu sauberem Trinkwasser, Ernährung, Energieversorgung, berufliche Bildung. Wesentlich ist dabei die aktive Beteiligung der Bevölkerung bei der Planung und Durchführung der Maßnahmen. Ziel dieses Ansatzes ist, die Lebensbedingungen der Menschen in dem extrem armen Umfeld insgesamt zu verbessern, Ursachen für Armut zu mindern, vermeidbare Krankheit und im äußersten Falle auch Flucht aus dem Heimatland zu verhindern.

Wir sind dankbar und glücklich über die Kooperation mit dem KNIPEX-Werk C. Gustav Putsch KG in Wuppertal. KNIPEX ist der weltweit führende Hersteller von hochwertigen Zangen für professionelle Anwender in Handwerk und Industrie in aller Welt. Das Unternehmen unterstützt OCAOF maßgeblich dabei, eine Secondary School im Projektgebiet zu bauen. Nach dem erfolgreichen Ausbau der Grundschule im Nachbardorf Bbaala und dem Bau der ersten Einrichtungen für berufliche Weiterbildung in Kitamba, dem "OCAOF Vocational Institute“, entsteht nun auch eine allgemeinbildende weiterführende Schule. Standort der Schule ist ebenfalls Kitamba, unmittelbar neben dem Berufsbildungsinstitut. Das hat viele Vorteile. Verschiedene Einrichtungen können gemeinsam genutzt werden, z.B. die Mensa mit Schulküche, die Wasserversorgung, Sanitäreinrichtungen, die geplante Biotop-Kleinkläranlage, Einrichtungen zur Energieversorgung und Dormitories. Das sind Internatsgebäude für Auszubildende und Schüler/innen aus größerer Entfernung, die nicht jeden Tag von zuhause aus ihre Schule oder Lehrwerkstatt besuchen können.

Die großzügige und vertrauensvolle Unterstützung bedeutet für uns in hohem Maße Verpflichtung, alles dafür zu tun, dass die geschaffenen Einrichtungen auch optimal genutzt werden und für lange Zeit funktionieren. Die Menschen aus der Region sind überwiegend Kleinbauern in Subsistenzwirtschaft, die kaum in der Lage sind, ihren Kindern den Besuch einer Schule oder Ausbildung zu finanzieren. Wir freuen uns über jede Spende, die einem Kind oder Jugendlichen den Schulbesuch oder eine Ausbildung ermöglicht.
Aktuell bestehen 190 namentlich vermittelte Patenschaften [182 KB] und 28 „offene“ Patenschaften mit Zahlungen in einen „Pool“. Der Pool kann dort einspringen, wo Hilfe NOT-wendig ist und noch keine Patenschaft besteht. Er springt auch dann ein, wenn der mögliche Eigenbeitrag einer Familie nicht ausreicht und ergänzt werden muss. Zur Kostendeckung des Schulbesuchs im Berufsbildungsinstitut in Kitamba sind z.Zt. 240 Euro / Jahr für Azubis erforderlich, die aus der Nachbarschaft kommen und zuhause wohnen. Mit Internatsbetrieb erhöht sich der Beitrag auf gut 360 Euro / Jahr. Mit anderen Worten: 66 Cent bzw. einen Euro pro Tag. Wahrscheinlich wird das Werben um Patenschaften in den nächsten Jahren eine der Hauptaufgaben sein, wenn die Zahl der Auszubildenden und der Schüler in der neuen Secondary School wie erwartet ansteigt. Unseren Freunden in Uganda ist diese Verpflichtung ebenfalls bewusst. Sie sind dankbar über jede Möglichkeit, sich selbst zu versorgen und durch eigene Einnahmen das Projekt einmal selbst zu tragen.

Frau Gabi Drechsel hat Emmanuel Musoke und Goretti, die Gründer und Leiter von OCAOF in Uganda, während einer Zugfahrt in Deutschland zufällig kennengelernt. Frau Drechsel ist Mitarbeiterin der Technischen Hochschule Köln. Ihre Idee: Vielleicht kann uns das „Institut für Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen“ der TH Köln bei Planungen unterstützen? Sie hat im Herbst 2015 den Kontakt hergestellt. Inzwischen haben Studenten des Studienganges „Erneuerbare Energien“ als Teil eines Studienmoduls einen Plan zur Elektrifizierung des Weiterbildungszentrums in Kitamba und der benachbarten Haushalte mit erneuerbaren Energien entwickelt. Zusammen mit Andrew Lux war ich zur Abschlusspräsentation bei Prof. Dr. Ramchandra Bhandari eingeladen. Die Studie hat umsetzbare Erkenntnisse und einen Überblick über die voraussichtlichen Kosten gebracht. Wir hoffen auf weitere Zusammenarbeit mit der TH Köln. Andrew Lux betreut übrigens auch unsere Facebook-Seite www.facebook.com/OCAOF.

In einen Raum zu gehen und das Licht einzuschalten, eine Waschmaschine zu benutzen oder die Spülung einer Toilette zu bedienen, sind für uns selbstverständliche Dinge, über die wir kaum nachdenken. Im Projektgebiet gibt es keine Stromversorgung, keine zentralen Wasseranschlüsse und keine Kanalisation. Die Versorgung mit Energie, Wasser und Fragen der Abwasserentsorgung sind wichtige und anspruchsvolle Aufgaben – insbesondere mit Blick auf die Gesundheit und Hygiene. Mehr dazu im nächsten Bericht im Sommer 2016.

Im OCAOF Vocational Institute beginnt in diesen Tagen das zweite Betriebsjahr. Im Februar 2015 hatten 25 Auszubildende in den ersten Lehrwerkstätten ihre Ausbildung begonnen. Zu den Räumen für Mechaniker und Elektriker sind Einrichtungen für Hauswirtschaft (Kochen/Catering und Nähen), das Friseurhandwerk und ein neutraler Schulungsraum z.B. für PC-Schulung oder theoretischen Unterricht in Landwirtschaft hinzugekommen. Die Zahl der Auszubildenden wird in diesem Jahr deutlich ansteigen.

Ich möchte Ihnen für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen herzlich auch im Namen von Emmanuel, Goretti, den Kindern, den Mitarbeiter/innen und den Menschen im wachsenden Projektgebiet danken.

Ihr Franz Lebfromm