„Es gibt nur eine Sache auf der Welt, die teurer ist als Bildung: Keine Bildung.„ (J.F.Kennedy)

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,
mit Sorge beobachten auch unsere Freunde in Uganda den Verlauf der Ebola-Epidemie in Westafrika. Wir alle hoffen, dass die Ausbreitung des tückischen Virus schnell gestoppt werden kann. Im September und danach auch im Dezember werden Mediziner aus Deutschland zu OCAOF in Uganda fahren. Im September sind dies Dr. F. Neveling, Dr. K. Safarli und der Zahnarzt Dr. G. Glaser, der auch schon im letzten Herbst vor Ort war und viele große und kleine Patienten behandeln konnte; im Dezember die Augenärztin Frau Dr. A. Winkgen.
Vielleicht eröffnet sich mit diesen Besuchen die Chance, mit den Menschen aus den Dörfern im Projektgebiet auch gezielt über Krankheitsvorsorge und den richtigen Umgang mit ansteckenden Krankheiten oder gar daran Verstorbenen zu sprechen. Die Ärzte und Helfer in Westafrika berichten über mangelnde Bildung und kulturell bedingte Schwierigkeiten. Erkrankte werden "versteckt", Leichen nach traditionellen Riten gewaschen, die eigenartig vermummten Ärzte und Helfer abgelehnt oder gar als Unheilbringer angefeindet. Vielleicht gelingt es ohne die akute Angst und Not von unmittelbar Betroffenen besser, Menschen aufzuklären und für einen immer und überall denkbaren Ernstfall zu wappnen.
Bleiben wir noch kurz im Bereich Gesundheit: Auf Anregung des Distrikt-Inspektors für die Einrichtung einer getrennten Unterbringungsmöglichkeit in Notfällen auch von männlichen Patienten (Hinweis: Frauen können in der Entbindungsstation untergebracht werden) und einem abschließbaren Laborraum sollen die Räume der Wohnung im Health Centre demnächst medizinisch genutzt werden. Als Ersatz wurde ein separates kleines Wohngebäude neben dem Haide-Helmut Health Centre gebaut. Es entsteht dadurch auch ein weiterer Behandlungsraum z.B. für die Ärzte, die wie oben beschrieben das Projekt besuchen und für bestimmte Zeiten im Health Centre arbeiten.
Die Bauarbeiten an den ersten beiden Gebäuden der geplanten Berufsbildungseinrichtungen in Kitamba gehen gut voran. Die Lehrwerkstätten für Mechaniker und Elektriker mit einer offenen Halle für die Arbeit an Kraftfahrzeugen sind im Rohbau fertig. Für die Dininghall (Mensa mit Küche für die leibliche Versorgung der Auszubildenden und der Lehrer) wurden Anfang August die Gräben für die Fundamente ausgehoben. Hier sollen in der Startphase kleine Bereiche für die Verwaltung und eventuell auch für die provisorische Unterbringung der Auszubildenden abgetrennt werden, die zu weit entfernt wohnen, um abends nach Hause zu gehen (Dormitory, Internatsbetrieb). Wenn alles klappt, wird mit dem neuen Schuljahr im Februar 2015 auch die Berufsausbildung in Kitamba starten.
Über die Wasserversorgung – das Regenwasser von den Dächern und die Wasserleitung von einer Quelle im Tal – hatte ich Ihnen schon berichtet. Für die Sanitärversorgung, also die Ausstattung mit Toiletten, zeichnet sich eine vorbildliche Lösung ab. Die meisten Menschen in den ländlichen Gebieten haben entweder keine Toilette oder nutzen sogn. Pit Latrins, Plumsklos, häufig nur durch einige Zweige geschützte Gruben hinter der Hütte. Angeregt durch Informationen des Vereins "German Toilet Organisation" mit Sitz in Berlin, wollen wir die geplanten Toiletten in unterschiedlichen, von der WHO (Weltgesundheitsorganisation der UN) empfohlenen Varianten ausbauen. Wahrscheinlich können eine "Ventilated Pit Latrin" VPT, eine "Trockentrenntoilette" und vielleicht eine kleine Biogas-Anlage gebaut werden. Ideal wäre eine Kleinkläranlage mit einem Mehrkammer-Grubensystem und einer biologischen Klärstufe. Ob eine solche Anlage unter den klimatischen Verhältnissen an diesem Standort funktioniert und schließlich auch finanzierbar ist, müssen wir noch prüfen. Hintergrund der vermeintlich aufwändigen Maßnahmen ist, den Auszubildenden (z.B. Maurer, Installateure, …) unterschiedliche Techniken, Kenntnisse und Erfahrungen anschaulich zu vermittelt. Sie gehen nach ihrer Ausbildung als Multiplikatoren in ihre Dörfer und Städte. Mangelnde Hygiene bedeutet immer Krankheitsrisiken, insbesondere für Babys und Kleinkinder, die häufig an Durchfall-Erkrankungen leiden und leider sehr häufig daran sterben.

Nach Angaben der WHO kann eine gute Sanitärversorgung:
* etwa 2/3 aller tödlich verlaufenden Durchfall-Erkrankungen verhindern
* etwa 4.000 Kinderleben unter 5 Jahren täglich (!) retten (5 x mehr als an HIV/AIDS sterben,
2 x mehr als an Malaria)
* Frauen und Mädchen vor sexuellen Übergriffen schützen
* in Afrika jährlich etwa 50 Millionen Schultage hinzu gewinnen (weil Kinder so oft nicht zur Schule
gehen, wenn sie an Durchfall-Erkrankungen leiden)
* rund 5 Milliarden Arbeitstage jährlich in Entwicklungsländern dazu gewinnen (s.o.)
Toiletten verhindern, dass täglich über 375.000 Tonnen Fäkalien ungeklärt in die Natur geleitet werden; Aufbereiteter Urin und Fäkalien können als Dünger eingesetzt werden und Bio-Gas erzeugen. Urin und Faeces enthalten viele Nährstoffe, die als Dünger nützlich sind.

Die dringendste Aufgabe in der zweiten Bauphase werden Wohnmöglichkeiten für Schüler und Lehrer sein. Wir versuchen in der Startphase mit Provisorien den dringendsten Bedarf zu decken. Ein Antrag beim Ministerium für Entwicklung und wirtschaftliche Zusammenarbeit (BMZ) soll 2015 zusätzlich helfen, das Ausbildungsangebot zu erweitern. In erster Linie sollen dann Angebote für Mädchen und junge Frauen eröffnet werden, nachdem die Ausbildung in den Bereichen Elektrotechnik und Mechanik wahrscheinlich mehr von jungen Männern genutzt wird.
Die Münchner Freunde aus Emmanuels Ausbildungszeit in St. Ottilien kümmern sich sehr erfolgreich um den Betrieb und weiteren Ausbau der Charles Lwanga Kamukongo Farm mit Rinder-, Schweine- und Hühnerställen und Räumen für die weitere Bearbeitung von Milch und Fleisch. Eine spezielle Spende ermöglicht ab sofort, täglich 40 Liter frische Milch in die Schulküche der St. Francis Primary School in Bbaala zu liefern und damit die Qualität der Schulspeisung weiter zu verbessern. Vor dem Bau der Schulküche mit Mensa vor knapp zwei Jahren bestand dieses Angebot nicht. Viele Kinder kamen ohne "Essen" zur Schule und hatten meist auch morgens noch nichts gegessen.

Zum Schluss noch ein "Filmtipp": Sie können unter: http://www.youtube.com/watch?v=dg0-zvWnRlo
den bezaubernden Film "Die kleinen Füße von Kamukongo" von Enrico Kurz mit einem berührenden Einblick in das Leben im Projekt anschauen.
Ich möchte Ihnen auch im Namen von Goretti, Emmanuel, den Kindern, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und den Menschen im Projektgebiet herzlich für Ihre Unterstützung danken.

Mit herzlichen Grüßen
gez.
Ihr Franz Lebfromm

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