Februar 2013

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

"wie darf ich mir das Leben im Kinderheim in Kamukongo vorstellen?", wurde ich kürzlich gefragt. Über 50 Kinder in einem Haus, Emmanuel, Goretti, die jungen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und gelegentlich freiwillige Helfer und Besucher aus Deutschland? Ich möchte dazu aus dem Dezemberbericht von Tatjana zitieren. Tatjana leistet nach ihrem Abitur einen 9-monatigen Freiwilligeneinsatz bei „Our children and our future“ in Kamukongo. Sie ist seit August 2012 in Uganda.

„ In den Ferien gab es häufiger Familienmeetings in unterschiedlichsten Formen. Mal treffen sich alle fünfzig Leute auf einmal und jeder darf sich am Gespräch beteiligen. Mal hören die Ältesten jedem Kind einzeln zu. Ich denke dies ist einer der Gründe, warum das Gemeinschaftsleben hier mit so vielen Menschen mit unterschiedlichen Hindergründen meistens problemlos abläuft. Natürlich gibt es kleine Streitereien und Ungehorsam. Es gab auch einen Tag an dem Gortti richtig sauer war, weil die Kinder ihren Arbeiten nicht richtig nachgegangen sind. Aber letztendlich gibt es klare Regeln, die jeder befolgt. Die Kinder ermahnen sich gegenseitig, sollte sich jemand mal nicht daran halten. Diese klare und manchmal auch strenge Struktur, gepaart mit der Aufmerksamkeit, Fürsorglichkeit, Liebe und der Dankbarkeit, hier sein zu dürfen, ist meiner Meinung nach ihr Erfolgsrezept.“

Monika Kietzmann (sie ist Schulleiterin i.R. und kümmert sich u.a. um unsere Website www.our-children-and-our-future.de) hatte nach ihrem Besuch des Projekts im Sommer 2012 berichtet, dass einige Schulklassen sehr groß sind. Emmanuel nannte uns die aktuellen Klassenstärken: Kindergarten 83 Kinder (60 in der Baby-class und 23 in der Top-class), 1.Kl. 133 Kinder; 2.Kl. 121; 3.Kl. 96; 4.Kl. 84; 5.Kl. 89; 6. Kl. 55 und 7. Kl. 31. Zusammen 692 Schüler/innen. 2009 waren es insgesamt 330 Schüler/innen. Zu Beginn dieser Woche konnten wir mit dem Bau eines neuen Schulgebäudes mit vorläufig vier Klassenräumen beginnen. Wir werden versuchen noch weitere Klassenzimmer zu bauen und unsere Freunde unterstützen, weitere Lehrer/innen einzustellen.

Emmanuel schrieb nach der Nachricht, dass wir die unglaubliche Enge in den Schulklassen schon bald durch neue Räume lindern können: „Deine neue Nachricht von den großzügigen Spenden … hat uns die Sprache verschlagen. Alles ist wie im Traum, wer hätte sich vorgestellt, dass so viele Spender/innen sich bereit erklären würden , fleißig mitzuhelfen, dass die Kinder ,Lehrer/innen und Eltern in der St.Francis Primary School in Bbaala eine bessere Zukunft bekommen, Vergelt’s Gott!

Ich freue mich auf meine anstehende Reise Ende März nach Uganda. Wir werden dann schon den Rohbau des neuen Schulgebäudes sehen und auch die von Münchner Freunden initiierte und mit großer Unterstützung eines Münchner Unternehmens gebaute Farm besuchen. Sie soll der Verbesserung der Ernährungsgrundlagen im Kinderheim, in der Schule und letztlich in der Region dienen. Fertiggestellt ist inzwischen auch der erste Bauabschnitt des 4. Wohnhauses in Kamukongo, das auch als Gästehaus dient und damit die Unterbringung von Helfern und Besuchern vereinfacht. Wir sind glücklich über Ihre treue und großzügige Unterstützung. Die beispielhafte Arbeit von „Our children and our futrure“ im District Masaka wird aktuell von 69 Mitgliedern und 148 Patinnen und Paten regelmäßig unterstützt. Hinzu kommen Spenden und Zuwendungen von Privatpersonen, Vereinen, Stiftungen, Initiativen und gelegentlich nach „besonderen Anlässen“ wie Jubiläen oder auch nach Todesfällen anstelle von Blumen und Kränzen.

Ich hoffe, dass meine kurze Besuchszeit ausreicht, einen Wunsch unserer afrikanischen Freunde zu erfüllen: den Bau eines kleinen Backhauses. Im Reisegepäck – und „untermauert“ mit dem Rat von Fachleuten – ist auch die Bauanleitung für einen Holzbackofen.

Schwerpunkt der Arbeit und Gespräche vor Ort wird die konkrete Planung von Lehrwerkstätten sein.Erfreulicherweise konnten wir 2012 ein ca. 5,9 ha großes Grundstück nahe dem Kinderheim günstig kaufen und als Baufläche für den Aufbau von Lehrwerkstätten für die berufliche Bildung sichern. Immer mehr Kinder verlassen demnächst die Schule und brauchen dann eine Ausbildungsmöglichkeit. Kaum jemand der jungen Leute könnte das „Lehrgeld“ für eine Ausbildung mit der meist nötigen Unterbringung im Hause eines „Lehrherrn“ aus eigenen Kräften bezahlen. Der überraschend zügige Ausbau der Grundschule wird vielleicht bald schon Ressourcen für den Start im Bereich Berufliche Bildung frei setzen.

„Hilfe zur Selbsthilfe“, die angestrebte Selbstversorgung und eine „integrierte ländliche Entwicklung“ sind Motive und Methode des Arbeitsansatzes, dem wir folgen. Der Begriff „integrierte ländliche Entwicklung“ umschreibt den angestrebten ganzheitlichen und miteinander verzahnten Ansatz der Entwicklungsmaßnahmen in der Projektregion unter Einbezug der Bereiche Bildung, Gesundheit, Landwirtschaft, Wasserversorgung, Frauenförderung und Infrastrukturaufbau. Ziele der Maßnahmen, die wir in Abstimmung und mit großem Engagement der Menschen vor Ort begonnen haben, sind:

  • Ernährung zu verbessern, Nahrungsgrundlagen zu sichern; Abhängigkeit von Wetter-extremen und drohenden Klimaveränderungen mindern; Tragfähigkeit und Fruchtbarkeit der Böden zu erhalten
  • Säuglings- und Müttersterblichkeit zu verringern, die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu steigern; weniger (Aids-)Waisen
  • Zugang zu sauberem Trinkwasser schaffen und dadurch Erkrankungen vermeiden
  • Entwicklungs- und Einkommenschancen verbessern.

Ich danke Ihnen auch im Namen von Emmanuel, Goretti, den Kindern und den Bewohnern in unserem Projektgebiet für Ihre Unterstützung und Ihr Vertrauen.

Mit herzlichen Grüßen
gez.
Franz Lebfromm

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