„Wenn die Hoffnung aufwacht, legt sich die Verzweiflung schlafen.“ (Asiatische Weisheit)

Liebe Mitglieder, Freunde, Förderer und Paten,

„die ersten fünf Kilometer müssen wir schaffen, dann ist der Rest kein Problem“. Es war dies nicht eine prosaische Variante des Sinnspruches „Egal wie weit, man muss den ersten Schritt tun“. Es war einfach die Sorge, mit dem Toyota-Kleinbus nicht rechtzeitig aus Kamukongo wegzukommen. Aber um es vorweg zu nehmen: wir kamen weg und haben ohne Probleme das Flugzeug zum Rückflug nach Deutschland erreicht. Einmal im Jahr wird mit einem großen Baufahrzeug der Weg nach Kamukongo neu gemacht. Der Caterpillar schiebt dabei die Gräben links und rechts des Weges frei und schichtet die lockere Erde auf die Fahrbahn. Die Gräben sollen das Wasser aufnehmen, wenn es regnet. Die lockere Erde auf dem Weg aber wird wie Schmierseife, wenn es zu regnen beginnt. Wir kamen am Samstag, 14.04.2012 von einer Fahrt nach Goma zurück, als der Weg wie beschrieben „neu“ gemacht war. „Wenn`s regnet, hilft auch kein Allrad“, sagte Emmanuel und zog die Augenbrauen hoch. Vorsorglich haben wir noch am Abend die großen Koffer gepackt. Die Sterne standen am Himmel. Sollte es dennoch zu regnen beginnen, will Emmanuel schnell zumindest bis Bbaala, vielleicht auch bis nach Villa Maria fahren. Ab Villa Maria ist die Straße asphaltiert.

Kurz vor fünf Uhr kloppft es an der Türe – und Regen auf das Blechdach. Ein Gewitter kündigt sich mit Grollen an. Barfuß packen wir schnell die großen Koffer und die Holzkiste mit den Trommeln in den Bus. Wenige Minuten später fährt Emmanuel mit einem der großen Jungs durch den heftiger werdenden Regen. Er kommt gegen neun zurück. Nass auf den Schultern und von unten bis über die Knie. Aber er hat es geschafft. Der Kleinbus steht in Villa Maria. Er ist zu Fuß die fünf Kilometer zurückgekommen. Nach dem Frühstück und dem Abschied von den Kindern und dem bezaubernden Ort marschieren wir in Gummistiefeln durch den knöcheltiefen Schlamm, das Handgepäck und die Reiseschuhe auf dem Rücken oder in den Händen. Unter den Sohlen kleben immer wieder schwere Erdklumpen. Nach 75 Minuten erreichen wir den Kirchplatz und den Bus. So ganz ohne Abenteuer ist die Reise trotz der erstaunlichen Fortschritte nicht.

Die Schule in Bbaala hat sich verändert. Es sind weniger die neuen Gebäude: der Schultrakt, die Schulküche mit Mensa, das renovierte Schulgebäude und die sauberen Toiletten. Es ist die Atmosphäre. Die Schulleiterin, das Lehrerkollegium, das Gremium der Eltern und besonders Goretti kümmern sich um die Qualität des Unterrichts und der Schule. In all den Jahren hatte kein Kind aus Bbaala die zentrale Abschlussprüfung für die Aufnahme in eine weiterführende Schule geschafft. Im letzten Jahr waren es fünf, in diesem Jahr bereiten sich 17 Mädchen und 7 Jungs intensiv auf die Prüfung am Ende der siebten Klasse vor. Möglich wurde die stolze Entwicklung mit der Renovierung des letzten maroden Schulgebäudes. In einem der Räume stehen nun Betten mit Moskitonetzen für die Mädchen, in einem anderen Gebäude vier Etagenbetten für die Jungs. Die Schülerinnen und Schüler bleiben während des letzten Schuljahres von Montag bis Samstag in der Schule und erhalten zusätzlichen Unterricht. Internatsbetrieb. Eine kleine Schulbibliothek wünscht sich die Schule. Ein Raum neben dem kleinen Büro der Schulleiterin kann dafür frei geräumt werden. Es fehlen ein paar Regale, ein Schrank und natürlich Bücher und Schautafeln und andere Unterrichtsmaterialien. Die regelmäßigen Einnahmen aus dem Schulgeld finanzieren inzwischen drei zusätzliche Lehrer.

Zwei Nähmaschinen haben Goretti und Betty nach unserem Abflug in Kampala gekauft. Knapp 80 Jungen und Mädchen verlassen jährlich diese Grundschule in Bbaala. In den Nachbardörfern sind es weitere junge Leute. Es fehlt an Ausbildungsmöglichkeiten. Da sind ein paar Nähmaschinen ein erster kleiner Einstieg. Ali, der Baumeister, und John, der Architekt, schätzen den Bedarf auf rund 300 Ausbildungsplätze im näheren Einzugsbereich. Zwei Jahre dauert die Ausbildung als Schreiner, Monteur, Schlosser, Elektriker, Maurer oder in Hauswirtschaft – wenn ein Ausbildungsplatz da ist.

Emmanuel konnte ein geeignetes Grundstück für den Bau von Werkstätten für berufl. Ausbildung knapp zwei km entfernt im Nachbardorf Kitamba erwerben. Z.Zt. erstellt John einen Lageplan. Parallel dazu sollen Ausbilder – beginnend für das Maurerhandwerk und bei Erfolg nach und nach für die anderen Bereiche - und eine zuverlässige Leitung gefunden werden, denn Emmanuel und Goretti können den Bau und die spätere Leitung trotz aller Begeisterung nicht alleine stemmen. Ein zweites Grundstück für einen landwirtschaftlichen Lehrbetrieb ist in nächster Nähe günstig zum Kauf angeboten: 5,9 ha groß bei einem Kaufpreis von 17 Cent/Quadratmeter. Dafür fehlen z.Zt. leider die Mittel.

Mit einer anderen Planung hat OCAOF nur bedingt zu tun. Wahrscheinlich gaben die Entwicklung an der Schule und das Gesundheitszentrum in Bbaala den entscheidenden Anstoß. Die Distriktverwaltung plant die Verlängerung einer Wasserleitung. Die öffentliche Wasserversorgung reicht z.Zt. bis Villa Maria. Goretti liegt die Kopie eines Angebotes für die Verlegung einer 32 mm Druckleitung bis Bbaala vor. Die Kosten für Erdarbeiten und Materialien bei einer Gesamtlänge von 3.350m in 0,90 m Tiefe betragen lt. Angebot: 16.958.000 UgS, das sind umgerechnet: 5.300 Euro. Goretti will mit dem zuständigen „Wasserfachmann“ klären, ob die Druckleitung mit 32 mm Durchmesser groß genug wäre, um sie später einmal über Kamukongo bis nach Kitamba zu verlängern? Das ist noch einmal in etwa die gleiche Strecke. Die Wasserleitung wäre eine hilfreiche Infrastrukturmaßnahme, die den Bau einer eigenen Leitung mit Pumpstation ersparen würde, wenn das in Zisternen gesammelte Regenwasser bei anhaltender Trockenheit nicht reicht.

Eine besondere Ehre wurde mir während des Besuchs (01. – 16.04.2012) zuteil: ich durfte die neue Maternity Ward, die Entbindungsstation als Anbau an das Gesundheitszentrum in Bbaala einweihen. Ein „Kreißsaal“ und ein Zimmer für vier Betten mit Nasszellen ergänzen nun die vorbildliche Gesundheitsstation. Zum Team wird bald eine erfahrene Hebamme zählen.

Ich möchte Ihnen für Ihre treue Unterstützung herzlich danken. Das „Kernprojekt“, d.h. das Kinderhaus mit den kleinen Geschäften und Werkstätten, den Gärten, Ställen und den Fischteichen, die der Selbstversorgung und Eigenfinanzierung dienen, ist solide aufgestellt und könnte aus eigener Kraft die Versorgung und die Grundschulbildung der Kinder im Haus gewährleisten.

Mit Spenden kann darüber hinaus der Schulbesuch von z.Zt. 250 Kindern aus der Nachbarschaft unterstützt werden. Sie hätten ohne diese Hilfe kaum eine Chance. Wir freuen uns über jede Zuwendung, jeden neuen Paten [182 KB] für Schule oder Ausbildung. Auszubildende erhalten in Uganda übrigens keine Ausbildungsvergütung. Im Gegenteil, sie müssen „Lehrgeld“ bezahlen. Die Chance zum Schulbesuch und danach zu einer Berufsausbildung bedeutet Hoffnung und ist entscheidend für den Schritt aus der Armut – neben Gesundheit, ausreichender Ernährung und sauberem Trinkwasser.

Ich darf Sie herzlich von Goretti, Emmanuel und den Kindern grüßen und ein herzliches „WEBALE – DANKE“ für Ihre Hilfe und Unterstützung sagen.





Mit freundlichen Grüßen
Ihr Franz Lebfromm




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