„Ich weinte, weil ich keine Schuhe hatte, bis ich einen traf, der keine Füße hatte.“ (Helen Keller)


Remscheid, im Juni 2011

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

den „Halbjahresbericht“ 2011 erhalten Sie in diesem Jahr einige Tage früher als üblich. Emmanuel und Goretti sind z.Zt. auf Einladung von Freunden in Deutschland. Wir konnten so über die aktuelle Entwicklung, Ideen und Empfehlungen miteinander sprechen. Die Beiden freuen sich auf die Chance, zumindest einigen Förderern und Freunden während ihres Besuches persönlich für die großzügige und treue Unterstützung zu danken. Der enge Besuchsplan lässt erahnen, dass ihre Tour keine Vergnügungsreise sein wird. Auf die persönliche Begegnung freuen sich alte und neue Freunde, Mitglieder des Fördervereins und Paten, die mit ihrer Unterstützung dazu beigetragen haben, die Arbeit in Uganda auch in den letzten Monaten erfolgreich weiter zu führen.

Im Januar konnten in Bbaala, knapp einen Kilometer von Kamukongo entfernt, eine vorbildlich gestaltete Gesundheitsstation und ein Schulgebäude mit fünf Klassenräumen eingeweiht und in Betrieb genommen werden.

Die Gesundheitsstation, das Haide-Helmut-Health-Centre (HHHC), wurde im Februar bereits von 86 Patient/innen besucht. Die Zahl stieg im März auf 102, im April auf 123 und im Mai auf 137 an. Die häufigsten Erkrankungen sind: Malaria, (Magen-)Geschwüre, Atemwegserkrankungen, Grippe, Bluthochdruck, Anämie (Sichelzellenanämie) und Asthma. 222 der 448 Patienten waren Kinder. 22 wurden zur weiteren Behandlung in das nächstgelegene Krankenhaus in Villa Maria überwiesen. In der Gesundheitsstation arbeiten Annett, eine festangestellte exam. Krankenschwester, Goretti, ebenfalls exam. Krankenschwester (zeitweise / nach Bedarf ), eine Reinigungskraft und ein Nachtwächter.

Im Bereich der Grundschule in Bbaala wurden ein Schulgebäude mit fünf Klassenräumen, eine Toilettenanlage und eine Zisterne mit ca. 90.000 Liter Fassungsvermögen für Regenwasser gebaut. Ergiebige Regenfälle während der letzten Regenzeit haben die Zisterne erstmals gefüllt. Leider kommen die meisten Kinder ohne Essen und Trinken zur Schule. Z.Zt. entsteht deshalb eine Schulküche mit einem Solarkocher, in dem das Wasser aus der Zisterne zu Trinkwasser aufbereitet werden kann. Wenn finanzierbar, soll bald ein z.Zt. nicht nutzbares marodes Gebäude mit fünf Klassenräumen saniert werden. Wie im letzten Bericht bereits mitgeteilt, besuchen durch Ihre Unterstützung inzwischen 220 zusätzliche Kinder diese Schule. Wahrscheinlich wird diese Zahl noch steigen, wenn – wie angestrebt - alle Kinder der Gemeinde die Gelegenheit zum Schulbesuch nutzen können. Die Schulleiterin, Mrs. Grace, befürchtet, dass noch einige weitere Kinder „außen vor“ sind. Verbindliche Aussagen zur genauen Zahl schulfähiger Kinder sind schwierig, weil es noch kein zuverlässiges Einwohner(melde)register gibt.

Nahe dem Äquator sind die Übergangszeiten von Nacht und Tag sehr kurz. Üblicherweise arbeiten die Menschen bis zur einbrechenden Dunkelheit kurz nach 18 Uhr auf dem Feld. Danach wird im Schein der Feuerstelle (Holz oder Holzkohle) vor der Hütte das karge Mahl gekocht. Es besteht oft nur aus Kochbananen. Wenn das Geld für den Brennstoff reicht, kann eine Öllampe (Kerosin / Petroleum) angezündet werden. Auf großes Interesse stößt hier in Deutschland und bei den Menschen in den umliegenden Dörfern eine Entwicklung des Vereins SOLUX e.V. aus der Nähe von München. SOLUX entwickelt photovoltaische Leuchten für Entwicklungsländer, hochwertige und robuste Solarleuchten mit einem kleinem Solarpannel, 1,5 oder 2,5 W-LED-Modulen und stabilem Gehäuse.
Das Nationalkomitee der UN-Dekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung hat im März 2010 SOLUX e.V. mit dem Projekt „One Child One Light“ (Ein Licht für jedes Kind) als neues, offizielles Dekade-Projekt ausgezeichnet. Wir haben bei unserem Besuch im Januar 2011 in Uganda drei Musterleuchten zur Erprobung mitgebracht. Die Sonnenenergie reicht aus, die Akkus täglich für 4-6 Stunden Betriebszeitz aufzuladen (s: www.solux.org). Wir bemühen uns z.Zt. um Fördermittel zur Einrichtung einer SOLUX-Werkstatt vor Ort, in der Leuchten endmontiert, gegebenenfalls repariert und nach einem praktikablen Finanzierungskonzept vertrieben werden können. Neben den positiven Effekten zur Ablösung der auch gesundheitlich bedenklichen Öllampen könnten so auch zwei bis drei Arbeitsplätze entstehen. Denkbar ist ein Finanzierungsmodell, bei dem die Nutzer monatliche Raten in Höhe ihrer augenblicklichen Kosten für Kerosin bezahlen. Bei umgerechnet zwei bis vier Euro Energiekosten je Haushalt wäre eine Leuchte spätestens nach einem Jahr abbezahlt.

Seit Februar ist die Großfamilie Musoke um fünf Kinder gewachsen. Zwei Geschwisterpaare aus Nachbardörfern haben ihre Mütter an den Folgen von AIDS verloren. Beim fünften Kind ist die Großmutter nicht mehr in der Lage, sich um das Enkelkind zu kümmern. Die Zahl der Kinder und jungen Mitarbeiter/innen im Haus in Kamukongo ist dadurch auf 40 gestiegen. In den beiden Wohn-, Geschäfts- und Werkstatthäusern in Nyendo wohnen aktuell 12 „Familienmitglieder“ und 5 Mieter. Einschließlich der angestellten Mitarbeiter/innen und 250 Schulpatenschaften betreut „Our children and our future“ aktuell 311 Personen.

Emmanuel und Goretti haben berichtet, dass dem Aufruf zur Teilnahme an Alphabetisierungskursen beim Einweihungsfest der Schule und der Gesundheitsstation 54 Erwachsene (29 Frauen und 25 Männer) aus den umliegenden Dörfern gefolgt sind. Diese Resonanz ist beachtlich. Erfahrungen einer Initiative auf den Sseese-Islands haben gezeigt, dass sich viele Erwachsene schämen, nicht lesen und schreiben zu können. Nur einige Frauen hatten dort heimlich an einem Kurs teilgenommen.

Ich darf Ihnen liebe Grüße von Goretti, Emmanuel und den Kindern ausrichten und ein herzliches „WEBALE – DANKE“ für Ihre Hilfe und Unterstützung sagen.

Ihr

Franz Lebfromm


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