von Franz Lebfromm

Mi., 21.06.2017
Ich habe im Moment noch keinen verbindlichen Plan, wie dieses Tagebuch nach dem abschließenden Punkt aussehen wird. In den Tagesnotizen stehen Stichpunkte, Daten und Zeiten, aber auch ausführlichen Projekt- und Problembeschreibungen. Ich wurde um 5:15 Uhr zuhause abgeholt, wir haben die Vorstandskollegin Monika Kietzmann in Wuppertal abgeholt, sind 8:15 Uhr ab Düsseldorf mit KLM über Amsterdam und Kigali, die Hauptstadt von Ruanda, geflogen und schließlich planmäßig gegen 22:30 Uhr auf dem internationalen Flughafen Entebbe in Uganda gelandet. Ein bisschen müde und zugleich aufgekratzt waren wir angesichts des langen Tages. Die Einreise war problemlos. Wir hatten beide das Visum über die ugandische Botschaft bzw. Bridge Corporation bereits im Reisepass eingetragen und konnten nach einer kurzen und freundlichen Kontrolle zur Gepäckausgabe gehen. In weniger als zwei Minuten hatten wir unsere Koffer. Zufall, so viel Glück haben Reisende selten. Noch eine weitere „Röntgen“-Kofferkontrolle der Zollbehörde In Entebbe und am Ausgang empfing uns strahlend Emmanuel. Man fährt nicht gerne nachts weite Strecken auf Ugandas Straßen. Wir übernachten nur wenige Kilometer entfernt im Convent der Sisters of Mary in Entebbe. Das Gästehaus wurden erst kürzlich mit Unterstützung aus Frankreich neu gebaut.

Do., 22.06.2017
Nach dem Frühstück starten wir im projekteigenen Toyota Hiace zu Emmanuels Elternhaus in Kisubi. Wir begrüßen Emmanuels Mutter und besuchen den integrativen Kindergarten von Emmanuels Schwester Agnes unmittelbar hinter dem Wohnhaus. Auf der Wiese spielen die etwa einhundert Kinder. Bewegend danach der gemeinsame Besuch am Grabe von Emmanuels Vater Charles, der im letzten Jahr verstorben ist.
Die Aktivitäten – Handwerk, Dienstleistungen, kleine Handelsgeschäfte, Transporte mit Bodaboda, PKW und Transportern, spielende Kinder, in kleinen Gruppen sitzende Männer – entlang der Straße von Entebbe nach Kampala und weit darüber hinaus haben sich seit meinem letzten Besuch vor vier Jahren spürbar verstärkt. Gefühlt 50 km Werkstätten und Geschäfte links und rechts, oft in die Gassen hinein reichend, säumen die Fahrt. Wahrscheinlich bekommt man so ziemlich alles, was irgendwo benötigt, ein- und ausgebaut werden kann. Ich erinnere mich an einen Laden mit Spiralfedern und Stoßdämpfern von ganz winzig bis ziemlich groß, die auf dem Hof, in Kübeln und Kisten im nur garagengroßen Laden lagerten. Dahinter steckt eine unglaubliche Findigkeit und Fähigkeit der „Schrauber“, Dinge irgendwie am Laufen zu halten und zu reparieren. Was nicht passt wird passend gemacht. Mir scheint die Straße sauberer, was möglicherweise auch mit den vielen Straßenkehrern zusammen hängt, die von der Regierung eingestellt wurden. Die Straße vom Flughafen Entebbe, vorbei am Präsidentenpalast nach Kampala ist die meistbefahrene Straße des Landes und erste „Visitenkarte“ für Besucher. Und, je näher die Hauptstadt rückt umso „verstopfter“. Auffällig auch die rege Bautätigkeit auf den Hügeln links und rechts der Straße. Weitgehend fertig gestellt ist die neue Autobahn entlang der Peripherie der Hauptstadt, die von einem chinesischen Unternehmen gebaut wird.
Schon in Bugonzi verlassen wir die gut ausgebaute Straße ca. 20 km vor Masaka und fahren die letzten Kilometer auf unbefestigten und unebenen Wegen über Land nach Kamukongo. Erste Hinweistafeln weisen auf das neue Bildungszentrum in Kitamba hin. Von Kawule führt der Weg steil hinab zu den Fischteichen und dann hinauf zum Kinderheim. Das „Empfangskomitee“ ist klein. Die „Größeren“ sind noch in der Schule. Also empfangen uns Matilda, Kristina, Juliet, Sarah und die Kleinsten.
Die Bäume vor dem Gästehaus sind kräftig gewachsen. Die Sicht vom Balkon auf die Hügel über Kawule ist weitgehend zugewachsen. Emmanuel will ein oder zwei Bäume „stutzen“, um den Blick zumindest teilweise wieder zu öffnen. Wir besichtigen nach einem Mittagessen das Haus. Manches hat sich verändert. Ich war vier Jahre nicht in Uganda. Neu sind das Waschhaus für die Kinder, ein neues Wohnhaus, der große Speisesaal und die neue Küche. Mit den Gebäuden sind neue Innenhöfe entstanden. Kurz vor 17 Uhr kommen die Kinder aus der Schule. Goretti kommt erst zwei Stunden später aus dem Health Centre (HHHC). Gegen halb neun treffen wir uns mit Emmanuel, Goretti, Matilda, Kristina und Rose zum gemeinsamen Abendessen im Gemeinschaftsraum des Gästehauses. Draußen auf dem Balkon fliegen ab Einbruch der Dunkelheit Falter und Moskitos. Emmanuel schreibt nach dem Essen – wahrscheinlich bis spät in der Nacht – noch Einladungen zum großen Eröffnungsfest am 01.07. in Kitamba. Wir übergeben davor noch unsere mitgebrachten Präsente: ein EKG-Gerät fürs Health Centre, Rauchmelder, KNIPEX-Zangen und kleine Geschenke.

Fr., 23.06.
Matilda und Kristina sind noch einmal zum Deutschunterricht ins Kitamba Education Centre gefahren. Sie wollen die letzten Tage vor der Heimreise intensiv erleben, Abschied nehmen. Matilda ist seit Oktober 2016 in Kamukongo, Kristina seit Februar 2017.
Nach dem Frühstück fahren wir mit Emmanuel und Hassan nach Masaka. Er ist im Film „Die kleinen Füße von Kamukongo“ beim Besuch seines Vaters in einer ärmlichen Hütte auf dem Land zu sehen. Hassan war Straßenkind in Nyendo, erhielt vor einem drohenden „Absturz“ in Kriminalität die Chance und hat sich toll entwickelt. Der Himmel . Heftiger Regen in Nyendo. Die Kitovu-Road, ohnehin auf beiden Straßenseiten tief ausgespült und nur auf einer kurvenreichen „Ideallinie“ noch befahrbar, wird zum reißenden Bach, der rotbraun gefärbt allen Unrat ins Tal spült.
Zurück im Afrika Point läuft der Betrieb, obwohl die Stromlversorgung seit einer guten Stunde unterbrochen ist. Die eigene Photovoltaik-Anlage und die Batterien liefern in solchen Situationen für mindestens 3 Std. Energie. Es stellt sich die Frage, die Anlage auszubauen. Wenn auch die Batterien entladen sind, hilft nur der laute Dieselgenerator, der vor Herberts kleinem Laden steht. Die Abgase müssen dringend mit einem flexiblen Schlauch über das Dach abgeleitet werden.
Nebenan befindet sich der Kamukongo Charles Lwanga Farm-Laden mit frischer Milch und Eiern aus der Farm. Das kleine Geschäft nebenan hat Jane-Francis gemietet. Sie hat dort ihre lang ersehnte Nähstube und verkauft Kosmetik-Artikel. Jane-Francis hatte mehrere Jahre im Kinderhaus für die Kinder und die leibliche Versorgung gesorgt.
Wir fahren kurz nach 19 Uhr nach Kamukongo zurück. Das Scheinwerferlicht zeichnet mit harten Schatten die holprige Piste. Es empfiehlt sich, mit dem alten Toyota und den nicht mehr ganz frischen Stoßdämpfern langsam zu fahren.

Sa., 24.06.
Wir bringen das EKG-Gerät zum HHHC in Bbaala. Die Gesundheitsstation beschäftigt insgesamt 9 Mitarbeiter/innen. Joseph kümmert sich um die Ladestation für die NURU LED-Leuchten. Durchschnittlich 4 bis 10 Akkus werden täglich zum Laden gebracht. Das Haide Helmut Health Centre unterhält inzwischen je eine kleine Männer- und Frauen-/Kinderstation, die Entbindungsstation, Untersuchungsraum, Labor, Büro, Apotheke, Toiletten, ein kleiner Untersuchungsraum für Ultraschall und EKG-Untersuchungen und das Mitarbeiterwohnhaus mit Küche und Stores (kleine Lagerräume).
Wir fahren nach Kinoni. Das 8,1 ha große Grundstück liegt ca. 45 km von Kamukongo entfernt in südwestlicher Richtung. Von Masaka fährt man 24 km auf der gut ausgebauten Straße Richtung Mbarara, biegt am Ortsende von Kinoni rechts ab und folgt dem Weg ca. 7 km bis kurz vor ein Dorf und noch einmal ca. 700 m bis zum Grundstück. Im einer Senke des Grundstücks mit jungen Pinienwald, Eukalyptusbäumen und einem Maisfeld mit weiteren Nutzpflanzen reicht das Grundwasser bis zur Oberfläche und bildet am Ende einen kleinen, mit Seerosen bewachsenen Teich. Das winzige Wohnhaus ist ohne Putz und Farbe und dient den drei Mitarbeitern sehr beengt und ohne Licht, Wasser und Moskitoschutz als Schlafstätte. Das Holz der Bäume soll ab einer bestimmten Stammstärke als Möbelholz verwendet werden. Wir hoffen, bald ein etwas besseres Wohnhaus mit drei Schlafkabinen bauen zu können. Je einer der Mitarbeiter bleibt auch am Wochenende in Kinoni. Kinoni war das erste Grundstück, das mit dem Ziel erworben wurde, das OCAOF-Projekt weitgehend selbst zu versorgen und langfristig von externer Förderung unabhängiger zu machen.

So., 25.06.
Ich genieße den Morgen auf dem Balkon des Gästehauses. Es ist ein besonderer Platz und die Atmosphäre ist mir inzwischen wie eine Kindheitserinnerung vertraut. Der Blick auf die Bäume und die Hügel gegenüber, das Licht des dämmernden Tages mit dem Sonnenaufgang nahe einer Schirmakazie, aus den Tälern aufsteigender Morgennebel, die Vogelstimmen, das Rufen der Rinder und Schweine in den Ställen, das Rauschen des Windes in den Blättern, die Kinderstimmen, das Knirschen des Kieses im Hof.
Wir wandern am Nachmittag vorbei an der Farm zum Wohnhaus von Emmanuel und Goretti nach Bweyo. Ein wunderschönes Haus, ein blühendes kleines Paradies auch und ganz besonders für die neun Kinder, die mit der Familie dort wohnen. Fünf davon sind HIV-positiv. Die Ansteckung war offenbar während ihrer Geburt erfolgt. Sie erfahren hier die nötige medizinische Versorgung und gemeinsam mit den anderen kleinen „Geschwistern“ die Liebe und Geborgenheit ihrer Familie.
Vor dem Spaziergang hatten wir uns mit Matilda und Kristina unterhalten. Beide sind von der familiären Atmosphäre im gesamten Projekt berührt. Die Kinder unterstützen sich gegenseitig. Sie übernehmen Alltagsarbeiten. Das Zusammenleben ist gut strukturiert, jeder hat – nach wechselnden Plänen – seine Aufgaben. Die Integration von Neuen gelingt erstaunlich schnell. Sie werden offen aufgenommen. Die Erwachsenen sprechen oft mit den Kindern, erzählen von eigenen Erfahrungen und Problemen, vermitteln Werte, sind aufmerksam und geben Tipps und Hilfen.
Die Kinder erfahren und verinnerlichen die Bedeutung von Schule und Bildung für ihr Leben und wissen das zu schätzen. Die Kinder hören auch aufeinander, selbst unter Gleichaltrigen. Zugeteilte und übernommene Rollen werden akzeptiert, Verbote oder Hinweise immer begründet.
Es besteht ein großer Unterschied zu „Draußen“. In Alltag und Schule sind körperliche Züchtigung und psychische Gewalt z.B. durch Bloßstellung durch Mitschüler und Lehrer leider nicht selten. Die Klassen sind trotz der beachtlichen baulichen Erweiterungen der St. Francis Primary School in Bbaala durch OCAOF ziemlich groß. Verständlich, wenn man die Entwicklung der Schule seit 2009 betrachtet. Damals haben 330 Kinder die marode Grundschule besucht. Die Schülerzahl ist inzwischen um 499 auf 829 gestiegen.
Eine wertvolle Arbeit leistet das HHHC-Team nicht nur im Health Centre sondern auch bei den Besuchen in den Dörfern. Sie informieren über Ernährung und Hygiene, helfen mit zusätzlichem Saatgut, bringen Plakate und Infomaterial mit, kochen und essen mit jungen Müttern gemeinsam. Sie informieren über frühkindliche Erkrankungen, Familienplanung und mögliche Hilfen. Für das Programm besteht eine hohe Nachfrage.
Die Kinder im Kinderhaus wünschen sich – Matilda und Kristina haben mit ihnen gesprochen und sie nach ihren Zukunftsplänen gefragt – zwei bis vier eigene Kinder und können sich gut vorstellen, selbst Kinder zu adoptieren. Die durchschnittliche Fruchtbarkeitsrate bei Frauen in Uganda lag 2013 noch immer bei über 6 Kindern!
Leider ist in Uganda Polygamie noch weit verbreitet. In einem geschilderten Fall hatte der Mann 12 Frauen mit 39 Kindern! Gründe für die hohe Geburtenrate: tradiertes Familienbild mit der Annahme, dass viele Kinder eine gute Altersversorgung garantieren. Nur mühsam kann vermittelt werden, dass viele Kinder für die meisten eine nicht überschaubare finanzielle Belastung darstellen, dass es nicht möglich ist, sie ausreichend zu versorgen und ihnen den Besuch von Schulen und berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Gründe für hohe Kinderzahlen sind andererseits die hohe Arbeitslosigkeit, Langeweile, Alkohol, billige Drogen – mit den Folgen von vielen zerrütteten Familien. Zurück bleiben i.d.R. die Frauen, und bei deren Überlastung Kinder in der Obhut der Großeltern.

Mo., 26.06.
Monika und ich fahren nach dem Frühstück mit Goretti, Emmanuel und Ivan nach Birinzi. Birinzi ist nach Kinoni das zweite landwirtschaftliche Projekt, das langfristig dazu beitragen soll, OCAOF einmal weitgehend selbst zu versorgen und von externer Förderung unabhängiger zu machen. Wir sind sehr glücklich darüber, großzügige und vorausschauende Freunde zu haben, die uns zu diesem Weg ermutigt und den Erwerb der Grundstücke ermöglicht haben. Das Team von OCAOF vor Ort hat mit großem Engagement das mit dichtem Busch zugewucherte Grundstück in großen Teilen frei geräumt, gesunden alten Baumbestand und schöne Waldstücke belassen und auf den offenen Flächen ca. 10.000 Baumsetzlinge und Sträucher gepflanzt. Das erste Grundstück hat eine Größe von 62,4 ha. Erfreulicher Weise wurde OCAOF ein unmittelbar angrenzendes Grundstück mit 16,55 ha Größe angeboten. Dieses Grundstück reicht bis unmittelbar an den Lake Birinzi bzw. den Sumpfgürtel um den See heran. Für uns ein unschätzbarer Wert, denn wir kommen ohne Probleme an das Wasser und können von dort eine Wasserleitung legen. Der ehemalige Besitzer wusste um die Ziele von OCAOF und hat uns das Grundstück trotz eines besseren finanziellen Angebots von einem südafrikanischen Unternehmen günstig überlassen. Die Umschreibung des Land Title erfolgte in wenigen Tagen und völlig unkompliziert. Nach den gleichen Prinzipien wie beim ersten Grundstück werden Teile z.Zt. freigeräumt und für Nutzpflanzungen vorbereitet. Aber zurück zum Besuch in Birinzi.
Andrew, Leiter der Farm, ist schon vor Ort. Unweit des alten Wohnhauses, das als Bestandteil des Grundstücks mit erworben wurde, befindet sich ein ca. 11m tiefer, gemauerter Brunnen. Das Wasser wird mit einem Eimer an einem Seil auch von den Dorfbewohnern aus Birinzi aus dem Brunnen gezogen. Die Baumsetzlinge sind – abgesehen von wenigen Ausnahmen – sehr gut angegangen und gewachsen. Einige haben bereits Höhen von über 2 m erreicht. Wir wollen das Höhenwachstum durch geeignete Baumschnitte begrenzen. Das erleichtert später die Ernte. Iwan, gelernter Gärtner, scheint das erkannt zu haben. Er hat begonnen, die starken Mitteltriebe zu beschneiden. Vier Mitarbeiter sind in Birinzi fest beschäftigt. Mit landestypischen Arbeitsgeräten, einer Machete und einem am Ende zu einer kurzen Sichel gebogenen langen Messer, schneiden sie das hohe Gras und kleine Büsche zurück und schaffen so Luft für die jungen Bäume. Das Gras hilft andererseits, Erosion durch Wind zu vermeiden und die Feuchtigkeit im Boden besser zu regulieren. Auf dem großen Feld leben Termiten, die gelegentlich auch die jungen Triebe befallen, Wildbienen, Mäuse oder andere kleine Nager und Grillen. Schlangen soll es geben, die aber das offene Gelände meiden und sich eher in den naturbelassenen Buschinseln aufhalten. In den Wäldern sehen wir viele Vögel und Schmetterlinge. Auf einem Nachbargrundstück stand eine große Schar Kronenkraniche, das Wappentier Ugandas.
Auf einer schattigen Lichtung bauen Andrew und Ivan einen Klapptisch und Stühle für ein Picknick und die anschließende Besprechung auf.
Zusammenfassend einige Infos aus dem Gesprächsprotokoll:
Wohnen und Aufsicht: Das bestehende Wohnhaus sollte renoviert, mit Solarenergie ausgestattet und später an das Wasserleitungsnetz angeschlossen werden. Zur besseren Beaufsichtigung des weitläufigen Geländes sollten mind. drei weitere kleine Wohnhütten gebaut werden.
Arbeitsgeräte und Fahrzeuge: Die Arbeit der Mitarbeiter würde durch einen motorbetriebenen Balkenmäher und / oder Motorsensen erleichtert. In etwa drei Jahren, wenn die erste nennenswerte Ernte zu erwarten ist, sollten die Lager- und Verarbeitungsanlagen fertig sein und ein Traktor mit Anhänger, Transportgefäße, ein kleines Auto und ein LKW für weitere Transporte zur Verfügung stehen.
Wasserversorgung und -aufbereitung: Im Bereich der Lager- und Verarbeitungsgebäude sollte eine Wasseraufbereitungsanlage die hygienisch unbedenkliche Verarbeitung der Produkte sicher stellen. Die oben angesprochene Wasserversorgungsleitung sollte entlang der geplanten inneren Haupterschließungswege verlegt werden.
Zufahrt und Lage: Der Weg von Butende nach Birinzi ist holprig und mit dem schlecht gefederten Hiace nur mit ca. 20 bis 30 km/h zu befahren. Bei rd. 7 km Wegstrecke braucht man unter diesen Bedingungen gut 20 Minuten Fahrtzeit ab Butende. Das neue Grundstück schließt unmittelbar an das bereits bepflanzte „alte“ Grundstück an. Ein besonderer Vorteil liegt darin, dass es direkt an den Lake Birinzi bzw. den ca. 150m breiten Sumpfgürtel angrenzt. Das ermöglicht uns, von dort aus eine Wasserleitung zur Versorgung des Grundstückes und der geplanten Einrichtungen zu verlegen.
Zur internen Erschließung ist es erforderlich ein Wegesystem anzulegen. Die bestehende Straße von Butende in Richtung Lake Nabugabo und dem Fähranleger zu den Sseese Island in Bukakata führt in weiten Teilen durch das Grundstück oder an der Grenze entlang. Das interne Wegenetz sollte an diesen und andere bestehenden Wege anschließen.
Energieversorgung: Zur Grundversorgung mit Licht sollte auf den einzelnen Gebäuden Solarpanele installiert werden. Am Besuchstag wehte beständig ein angenehmer Wind. Vor der Entscheidung, Windenergie zu nutzen, sollen Wind- und Wetterdaten wie in Kitamba erhoben werden. Auf jeden Fall sollen auf dem neuen Grundstück einige Flächen mit Jatropha Curcas bepflanzt werden. Das hochwertige Öl kann in Generatoren zur Stromerzeugung oder zum Antrieb von Pumpen genutzt werden. Diese Option ist umso wichtiger, als die Lagerung und Weiterverarbeitung von Obst und anderen Nutzpflanzen auf Energie angewiesen ist.
Bodenqualität: Um den insgesamt niedrigen ph-Wert anzuheben und die Böden zu verbessern wurde Naturdünger in alle Pflanzlöcher vor den Baumpflanzungen eingebracht. Wir beobachten, ob diese Maßnahme ausreichend war, die Pflanzen zur nötigen Nährstoffaufnahme zu befähigen. Falls nötig, müssten z.B. Kalkung durchgeführt oder organische Düngung wiederholt werden.
Pflanzungen: Frau Dr. B. Bohlinger (JatroSolutions) hat empfohlen, in der Anfangszeit zwischen den JatrophaSträuchern z.B. Tomaten oder Kürbisse einzupflanzen. Solche Mischbepflanzungen sind auch an anderen Stellen zwischen den Obstbäumen möglich und ratsam. Sie führen u.a. dazu, auch in der Zeit bis zu den ersten Ernten von den Obstbäumen die Selbstversorgung zu steigern. Denkbar: Kartoffeln, Süßkartoffeln, Manjok, Jams, Bohnen, Erdnüsse, Tomaten, etc.
Baumschnitte: Ziel ist, die Bäume möglichst niedrig zu halten, um die Ernten einfach und möglichst ohne Hilfsmittel wie Leitern oder lange Erntestöcke zu ermöglichen.
Bienen: Die Freunde wollen einige Bienenvölker in den Plantagen aufstellen. Ein Mitarbeiter aus Kinoni macht sich mit Bienenzucht vertraut. Er hat die aus Deutschland mitgebrachte Schutzkleidung und möchte sich um die Bienenzucht kümmern.
Arbeitsgeräte und Fahrzeuge: Im Laufe der nächsten Jahre müssen zur Grundstückspflege und zur Vorbereitung und Weiterverarbeitung der Ernten einige Investitionen erfolgen. Sie betreffen sowohl Arbeitsgeräte, Fahrzeuge undVerarbeitungsmaschinen.
Infrastruktur und Gebäude: Auf Teilbereiche wurde oben bereits hingewiesen: Energieversorgung, Wasserversorgung, Wasseraufbereitung und interne Wegeerschließung. Zur besseren Beaufsichtigung des weitläufigen Grundstücks wurde angeregt, zusätzlich zu dem bestehenden Wohnhaus mind. drei weitere kleine Wohnhütten zu bauen.
Vor den ersten Ernten sollten die geplanten Lager- und Weiterverarbeitungsanlagen gebaut und zeitgleich betriebsfertig sein. Ideen dazu wurden im Rahmen einer Abschlussarbeit im Fachbereich Architektur der Universität Stuttgart ausgearbeitet.

Di., 27.06.
Ich habe unter den vielen Eindrücken und anstehenden Aufgaben unruhig geschlafen und noch in der Nacht begonnen, das Protokoll mit Konzeptideen zu schreiben. Das führte zu der Gelegenheit, den Aufgang der Sonne und das wechselnde Licht wahrzunehmen und den erwachenden Tag intensiv zu erleben. Gegen 7:30 kommen Matilda und Kristina zum Frühstück. Heute ist ihr letzter Tag. Morgen werden sie schon früh am Morgen aufbrechen und ihre Heimreise antreten.
Mike hat schon die Schweine gefüttert. Man hört das Grunzen und Quitschen der Tiere, wenn das Futter naht. Sein Kollege schneidet mit einer Heckenschere die grüne Hecke um den Garten vor dem Gästehaus. Die Hecke ist zugleich Trockenplatz für frisch gewaschene Kleidung und Wäsche. Mit ihm sind Chudu, Rahman und Maxi spielend im Hof. Im Garten zwischen Hof und Straße wurden zwei Pflanzlöcher ausgehoben. Matilda und Kristina werden dort heute Abend vor ihrer Farewell-Party je einen Mangobaum pflanzen.
Emmanuel ist zur Frühmesse von Bischof John Baptist Kaggwa nach Kitovu gefahren. Er hofft, das zugesagte Grußwort für die Festschrift zur Eröffnung des Kitamba Education Centre am Samstag zu bekommen. Die Festschrift muss heute dringend in Druck gehen. Er hat Glück. Das Grußwort ist fertig und er kann die Druckdaten per Internet sofort zu einer großen Druckerei nach Kampala schicken.
Emmanuel kommt kurz vor 19 Uhr. Kristina und Matilda pflanzen stolz ihre Erinnerungsbäume. Nach dem gemeinsamen Abendessen mit den Kindern – auch unsere Kinder in Internatsbetrieb an der St. Francis PS in Bbaala dürfen teilnehmen – folgt eine schöne Farewell-Party im neuen Dinning-Room. Sie dauert mit vielen Liedern, Trommeln und kleinen Reden bis kurz vor Mitternacht.

Mi., 28.06.
Abschiedstag für Matilda und Kristina. Abdul, der Fahrer, kommt verabredungsgemäß gegen 8 Uhr. Wir waren zusammen schon gegen 7 auf dem Hof. Die Kinder verabschieden sich vor ihrem Weg zur Schule. Die beiden jungen Frauen haben immer wieder die bezaubernden Knirpse Chudu und Rahman auf dem Arm und immer wieder auch eine Träne im Auge. Sie fahren – offensichtlich ohne Probleme zum internationalen Flughafern nach Entebbe und fliegen über Abu Dhabi nach Deutschland zurück.
Monika und ich haben einen entspannten Vormittag. Nach dem Mittagessen fahren wir mit Emmanuel nach Nyendo und treffen dort das Mitarbeiterteam im Afrika Point. Ritah ist schwanger. Ich kenne sie schon seit 2006. Auch Betty, die inzwischen für Hand in Hand für Uganda arbeitet, ist kurz da. Der Abend schließt mit einem unterhaltsamen Abendessen und einem Feierabendbier auf dem Balkon.

Do., 29.06.
Kitamba. Der Eindruck ist überwältigend. Wir nehmen den direkten Weg durch Kawule, durchqueren das Dorf Soweto Natita und erreichen das Kitamba Education Centre. Bei meinem letzten Besuch vor vier Jahren stand hier Mais. Nahe der Straße das schmiedeeiserne Tor unter einem elegant geschwungenen Querträger. Daneben das Nachtwächterhäuschen. Links die drei von Knorr-Bremse Global Care e.V. finanzierten Werkstätten und Unterrichtsräume für Elektriker, Mechaniker und die KFZ-Halle. Mit dieser Förderung im Jahr 2014 begann die unglaubliche Geschichte des Kitamba Education Centre. Rechts hinter dem Eingang stehen die große Sponsorentafel mit einem dekorativen Windspiel in den deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold und ein Gedenkstein.
Vor dem Besucher: das Verwaltungsgebäude des Technical Institute, zwei Schulungsgebäude für Hauswirtschaft (Kochen und Nähen/Textilbearbeitung, PC/Bürofachkräfte und Friseur/innen), die Mensa, zwei Dormitories und der große Schulblock der Kitamba High School mit zwei langgestreckten Gebäuden mit je sechs Klassenräumen und dazwischen dem Verwaltungstrakt. Auf einem Nachbargrundstück steht – kurz vor der Fertigstellung – ein Lehrerwohnhaus mit sechs Appartements. Das gesamte Ensemble ist unter roten Dächern in warmen Gelb- und Rottönen einheitlich gestrichen. An den Wegen und Außenflächen wird intensiv gearbeitet. In den Unterrichtsräumen und auf der bereits errichteten Bühne wird offensichtlich für das große Fest am Samstag geprobt. Vor der Mensa und vor dem Verwaltungstrakt der High School stehen je fünf Flaggenmaste. Zwischen den Schulgebäuden der High School und der Straße ein weiterer Gedenkstein und darüber das Firmenlogo des Förderers KNIPEX mit der Nachbildung einer Zange.
Das Schulzentrum liegt auf einer Hügelkuppe mit fantastischem Weitblick über die sanften Hügel in Richtung Viktoriasee.
Wir fahren am Nachmittag in die Bezirksstadt Kalungu. Es handelt sich um eine Kleinstadt ohne asphaltierte Straßen, geschäftig wie alle größeren Ansiedlungen entlang der größeren Straßen. Die drei Kreisverwaltungsgebäude sind eingeschossig, klein und unauffällig.
Auf dem Weg meldet sich Birgitta Großkinski, Mitarbeiterin der Deutschen Botschaft in Kampala mit der Nachricht, dass wahrscheinlich kein Vertreter der Botschaft an der Eröffnungsfeier teilnehmen werde. Der Botschafter Dr. Peter Blomeyer wurde nach Deutschland abberufen, auch der Leiter der Abteilung Entwicklungszusammenarbeit sei nicht vor Ort. Erfreulicherweise erhält Frau Großkinski daraufhin den offiziellen Auftrag, die Botschaft zu repräsentieren und als Ehrengast die Eröffnung vorzunehmen.
Wir besuchen die ehemalige Wirkungsstätte von Thomas Schmollinger. Er war vor gut 10 Jahren für sechs Monate als Priester in Kalungu tätig und ist heute Pfarrer der Gemeinde Trossingen im Schwarzwald.

Fr., 30.06.
Nach dem Frühstück fahre ich mit Emmanuel nach Kitamba. Wir wollen uns das Baugrundstück für die drei Lehrwerkstätten für Brick Laying, Plumbing und Carpentary und für ein zweites Lehrerwohnhaus anschauen. Die abschließenden Arbeiten an Wegen und Außenanlagen sind voll im Gange; gleichwohl die Vorbereitungen mit Tänzen, Liedern und in der Schulküche für die Veranstaltung Morgen Vormittag. Das Grundstück zwischen Mensa, der Grundstücksgrenze und der Mechaniker-Werkstatt ist groß genug für die geplanten Werkstätten und ebenso der angedachte Standort für das Lehrerwohnhaus. Auch für eine Power-Station, ein Batterielager ist neben der Elektriker-Werkstatt genügend Platz.
Für vorsorgenden Brandschutz wurden Feuerlöscher angeschafft und gut zugänglich an den einzelnen Häusern angebracht. Ein Feuerwehrprofi aus Kampala war in Kitamba und hat über Brandschutz und den sachgerechten Umgang mit Feuerlöschern informiert, einschließlich eines praktischen Trainings.
Wir sprechen über Brandbekämpfung mit Löschwasser. Die beiden vorgesehenen Tanks auf dem Dach der Schülertoiletten bringen nicht den nötigen Wasserdruck. Sie sind aber für eine Löschwasserkette mit Eimern durchaus geeignet. Geeigneter scheint der nötige Druckaufbau mittels einer Dieselpumpe mit einem Saugstutzen in der großen Wasserzisterne. Die Pumpe sollte in einem Schuppen neben der Zisterne fest installiert werden und entweder eine Ringleitung oder eine mobile Schlauchleitung versorgen. Wir vereinbaren, dass ich eine Planskizze für eine Ringleitung mit Hydranten und Überdruckventil für die Wasserrückleitung in die Zisterne anfertige.
In Kitamba laufen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Es ist trotz des Organisationsgeschicks der Beiden nicht selbstverständlich, eine Veranstaltung mit vermutlich deutlich über 1.000 Gästen, hochrangigen Ehrengästen und einem mehrstündigen Programm vorzubereiten. Und – alle Gäste werden selbstverständlich auch mit Speisen und Getränken versorgt.

Sa., 01.07.
Der große Tag
Die Vorbereitungen hatten Emmanuel und Goretti intensiv gefordert. Bis spät in die Nacht waren beide und offensichtlich viele andere in Kitamba, um die Bühne, die Pavillions und Zelte und die 980 Stühle aufzubauen, in riesigen Töpfen Matoke, Reis, Nudeln, Gemüse, Hühner- und Rindfleisch vorzubereiten. In den letzten Tagen wurde noch eine Menge bewegt: Die Wege und Parkplätze wurden befestigt, Wegeeinfassungen gestrichen, zusätzliche Flaggenmaste einbetoniert.
Bei schönstem Festwetter und einer kühlenden Brise begann für die Ehrengäste der Tag mit Gartenarbeit: dem Pflanzen eines Baumes neben einem großen Namensschild mit Datum und Anlass. Carolin, Mitarbeiterin der Firma KNIPEX, ist sichtlich beeindruckt von der Anlage und noch ein bisschen mehr von der großen stählernen Skulptur mit dem KNIPEXZeichen und der originalgetreu nachgebildeten Zange über dem Gedenkstein.
Das Fest beginnt mit einer bewegenden Messe mit Bischof John Baptist Kaggwa, Bischof von Masaka. Er kennt das Projekt sehr gut. Emmanuel war durch Vermittlung seines Vorgängers Bischof Dungu nach Deutschland gekommen und hatte hier in der Zeit von 1992 bis 1995 eine Buchdruckerlehre abgeschlossen. Er war danach in leitender Funktion in der Hausdruckerei der Diözese neben dem Bischofssitz tätig. Der Bischof spricht über die Bedeutung von Bildung und ermahnt die zahlreich anwesenden Menschen aus der Umgebung, ihre Kinder zur Schule zu schicken und sich mit umfangreichen Fähigkeiten auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.
Die gesamte Feier wird professionell und lebendig von Raphael moderiert. Raphael arbeitet als Schulleiter an einer High School nahe Kampala. Er freut sich darauf, die Kitamba High School – wie vom School-Board geplant – in etwa vier Jahren als Schulleiter zu übernehmen.
Nach der Messe, die mit viel Musik von einem Chor, einer Trommelgruppe und der Gemeinde begleitet wurde, werden die High School und das Technical Institute offiziell eröffnet und von Bischof Kaggwa gesegnet. Birgitta Großkinski enthüllt in Vertretung des Botschafters gemeinsam mit Carolin Sieg den Gedenkstein. Frau Großkinski, Carolin und der Bischof tragen sich anschließend in das Gästebuch ein. Mit einem großen, geschnitzten Schlüssel wird die High School von Birgitta Großkinski und Carolin Sieg symbolisch aufgeschlossen. Carolin hisst zum Abschluss neben den Flaggen von Uganda, dem Königreich Buganda, Deutschlands und von OCAOF die Firmenflagge.
Die Zeremonie wiederholt sich beim Gedenkstein vor dem Technical Institute und der großen Sponsorentafel. Nach einem kurzen, stärkenden Imbiss und Getränken beginnt auf dem Festplatz der zweite Teil der Feier mit den Nationalhymnen von Uganda und Deutschland, tadellos intoniert von den beiden Schulchören und mit den beiden Schulhymnen! Matilda und Kristina hatten im Rahmen ihres Unterrichts in Kitamba an der Melodie und der Aussprache der Deutschen Hymne gearbeitet.
Emmanuel begrüßt anschließend in seiner Rede die Gäste, erinnert an die Geschichte von Our children and our future und des neuen Weiterbildungszentrums und dankt allen Beteiligten für ihre Beiträge zum Gelingen des außergewöhnlichen Projekts.
Es folgen Redebeiträge von Birgitta Großkinski im Namen der Deutschen Botschaft, von Edward Ssebukyu, einem ranghohen Mitarbeiter im Ministerium für Bildung und Sport in Vertretung des Ministers und Joseph Ssewungu, Abgeordneter im Nationalen Parlament in Kampala.
Die beiden Schulchöre singen, begleitet von Tanzgruppen traditionelle ugandische Lieder.
Mit einem Gebet mit Bischof Kaggwa endet die offizielle Feier nach insgesamt rund 5 Stunden. Alle Gäste erhalten an mehreren Ausgabestellen bestens organisiert ein reichhaltiges Essen.
Rundum zufrieden und begeistert von der großen Feier und der herzlichen Atmosphäre – die 980 Stühle waren komplett besetzt und einige Schulklassen aus benachbarten Grundschulen und die 157 Schüler/innen und Auszubildenden im Kitamba Education Centre saßen auf dem umlaufenden Sockel der Schule oder auf den Wiesen – fuhren wir gegen 18:30 Uhr nach Hause zurück. Unsere Gastgeber und viele Helfer/innen arbeiten noch bis spät in die Nacht, um die Bühne, die Zelte und die Stühle wieder abzubauen und das Schulgelände aufzuräumen.

So., 02.07.
Nach den anstrengenden Arbeiten unserer Freunde bei der Planung, Durchführung und den Aufräumarbeiten nach dem großen Fest verabreden wir uns zu einem ausgedehnten Spaziergang mit einer kurzen Pause im Wohnhaus in Bweyo. Ziemlich müde und von der heißen Sonne ausgelaugt freue ich mich auf die Dusche und einen frischen Obstsalat. Obstsalat ist für uns alle täglich ein besonderer Genuss, Ananas, Mango, Papaya, Melone oder Jack Fruit frisch vom Baum oder Feld.
Am Abend essen wir gemeinsam mit den Kindern im großen Speisesaal und bereiten Carolin und Julius eine fröhliche Farewell-Party.

Mo., 03.07.
Wir verabschieden Carolin und Julius kurz nach acht zu ihrer kleinen Reise durch Westuganda und verbringen einen sehr ruhigen Tag auf dem Balkon. Reflektierend, lesend, das morgige Gespräch in Kitamba vorbereitend. Im Ess- und Aufenthaltsraum des Gästehauses steht ein kleines Bücherregal mit Reiseführern, Landkarten und zurück gelassenen Büchern. Das Buch „Flucht. Was Afrikaner außer Landes treibt“ der ugandischen Rechtsanwältin Winnie Adukule fällt mir in die Hände. Über das Buch steht auf der Innenseite des Einbandes: „Weltweit sind rund 60 Millionen Menschen auf der Flucht. Sie verlassen ihre Heimat, weil dort ethnische oder religiöse Konflikte gewaltsam ausgetragen werden, sie fliehen vor Kriegen und blutigen Auseinandersetzungen, vor politischer Unterdrückung oder weil sie dem Elend entrinnen wollen, das in ihrem Land herrscht. Die Autorin hat mit vielen Menschen in Uganda gesprochen, um zu erfahren, warum sie weggehen wollen oder auch, warum sie zurückkamen. Sie blickt auf die Ursachen von Flucht und Vertreibung und fragt nach Lösungswegen.“
Das Buch fasziniert mich. Die Flucht vieler Menschen nach Europa versetzt nicht nur Deutschland in Aufruhr. Das Thema hat auch uns eingeholt – wenngleich dies kein ursächlicher Grund für das Engagement von OCAOF seit 2003 war, als der Förderverein gegründet wurde. Aus der Politik mehren sich die Stimmen für eine wirksame Bekämpfung von Fluchtursachen in den Ländern, aus denen Menschen in Scharen fliehen. Ich teile nach 15 Jahren kontinuierlicher Arbeit diese Überzeugung und bin zugleich skeptisch. Die Flüchtlingskrise des Jahres 2015 hat zu Ausgaben in Milliardenhöhe geführt. Aber nur ein verschwindend kleiner Teil davon blieb für eine langfristig angelegte und nachhaltig wirkungsvolle Bekämpfung von Fluchtursachen übrig.
In Afrika leben aktuell 1,2 Milliarden Menschen. Der UN-Bericht zur Bevölkerungsentwicklung prognostiziert für das Jahr 2100 einen Anstieg der Weltbevölkerung von z.Zt. 7,35 Milliarden auf 11,21 Milliarden, davon 4,4 Milliarden in Afrika. Die Bevölkerung des Kontinents wird sich in den nächsten 85 Jahren nahezu vervierfachen. Eine Bevölkerungszunahme dieser Dimension bedeutet, dass jährlich viele Millionen junge Menschen zusätzlich Bildung, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Wasser, berufliche Ausbildung, Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven in ihren Heimatländern brauchen.
In Uganda sind knapp 50% der derzeit 41 Millionen Einwohner jünger als 15 Jahre. Die Einwohnerzahl wird sich vergleichbar der Entwicklung auf dem Kontinent bereits bis 2050 verdoppeln. Das wirksamste Mittel für eine Reduzierung dieser unheilvollen Entwicklung sind für den Augenblick Kondome und eine lebensfreundliche sexuelle Aufklärung. Auf längere Sicht ist es Bildung. Studien belegen, dass Mädchen, die eine weiterführende Schule besucht haben und einen Beruf erlernen durften, wesentlich später und signifikant weniger Kinder bekommen als Mädchen ohne schulischen Abschluss. Leider verschließen gerade christliche Kirchen zerrissen zwischen Sexualmoral und Barmherzigkeit Herz und Augen. Wer das Elend und den Tod (ver)hungernder, mangelernährter, chancenloser Kinder und die Not ihrer Mütter sieht und die Augen vor der drohenden Explosion dieser Problematik nicht verschließt, sollte offen sein für künstliche Verhütungsmittel und Familienplanung. Kondome wären auch ein wirksames Mittel gegen einen weiteren Anstieg von HIVInfektionen. In Uganda stiegen die Infektionsraten in den letzten Jahren wieder an. Anfang der 1990er Jahre lag die Rate bei den jungen Erwachsenen bei 18%, konnte dann durch eine engagierte Kampagne unter den drei Buchstaben ABC, A = Abstinenz, B = Be faithful und C = Condome wirkungsvoll auf eine Rate um 5% gesenkt werden. Die Verabschiedung von „C“ aus der Kampagne verstärkt erneut die unheilvolle Rück-Entwicklung.

Di., 04.07.
Wir fahren zum Gespräch mit Thomas More (Leiter der Kitamba High School), George William (Leiter des Kitamba Technical Institute), Grace Nalwadda (Leiterin der St. Francis Primary School in Bbaala), Rafael (z.Zt. Schulleiter einer High School nahe Kampala und Vorsitzender des gemeinsamen Board of Govenors des Kitamba Education Centre) Ivan, Andrew, Ritah, Goretti und Emmanuel (Direktoren von OCAOF) nach Kitamba. Die drei Schulleiter berichten über ihre Einrichtungen, den aktuellen Stand und die wichtigsten anstehenden Aufgaben.
St. Francis PS Bbaala: Die Schülerzahl ist von 330 im Jahr 2009 auf aktuell 829 angestiegen. Die Schule hat 2016 den 11. Platz im Erfolgsranking der 98 Grundschulen im Schulbezirk erreicht. Kriterien dafür sind erfolgreiche Abschlüsse der Abschlussprüfungen. Auf der Bedarfsliste stehen:
- Eine Dormitory für ca. 120 Mädchen der beiden Abschlussklassen. - Ein Lehrerwohnhaus, um Unterrichtsausfälle bei heftigem Regen und unpassierbaren Wegen zu reduzieren. - Eine Schutzmauer um das Schulgelände.
Kitamba High School: Die Schule hat am 30. Januar 2017 den Betrieb aufgenommen und unterrichtet aktuell 78 Schüler/innen in den Klassen Sec.1 und Sec.2. Davon sind 47 Boarding, 31 Day, 49 Mädchen und 29 Jungen. Die Schule beschäftigt aktuell 12 Lehrer/innen und vier sonstige Mitarbeiter/innen. Ein Board und eine Schülervertretung sind eingerichtet. Die Regierungslizenz für den Schulbetreib liegt für 3 Jahre vor und soll bald in eine unbefristete Betriebserlaubnis umgewandelt werden. Die beiden Dormitories werden von Schüler/innen und Auszubildenden der beiden Einrichtungen z.Zt. gemeinsam genutzt. Die Schul- bzw. Institutsleiter regen an, nach dem Bau von zwei weiteren Dormitories, die bereits ab dem nächsten Schuljahr erforderlich werden, separat zu nutzen. (Die Auszubildenden nach Sec.4 sind deutlich älter als die Anfänger nach Abschluss der P7 in der High School).
Kitamba Technical Institute: Das Institut unterrichtet z.Zt. 79 Studenten/Azubis, 48 Mädchen und 31 Jungen. Die Anteile werden sich nach dem Bau der Lehrwerkstätten für Maurer, Schreiner und Schlosser/Installateure angleichen. 58 davon sind Boarding, 21 Day. Das Institut beschäftigt z.Zt. 20 Ausbilder/innen und 8 sonstige Mitarbeiter/innen (Buchhalter, Sekretärin, Köche, Betreuer der Dormitories, Nachtwächter, …). Die ersten Prüfungen wurden noch in anderen Berufsbildungseinrichtungen abgelegt. Die eigene Prüferlaubnis wird nach den guten Gesamtergebnissen der neun Prüflinge des letzten Jahres in etwa einem Monat erwartet.
Die Disziplin der Auszubildenden ist gut. Im Unterricht sind Handys nicht erlaubt. Zur pädagogischen Weiterbildung laufen berufsbegleitende Kurse. Ab 2018 werden in zunehmendem Umfang Seminarräume für den theoretischen Unterricht für die unterschiedlichen Ausbildungsjahre und Ausbildungsgänge erforderlich. Wünschenswert ist auch eine Bibliothek mit Lesesaal.
Weitere Details dazu sind in einem gesonderten Protokoll zusammengefasst.

Wir informieren über den Stand der begleitenden Arbeiten im Förderverein in Deutschland. Es läuft derzeit der Antrag über BENGO an das BMZ für eine Förderung von Lehrwerkstätten für Maurer, Schreiner und Schlosser/Installateure.
In Stuttgart arbeiten drei Solar- und Energiefachleute an einem Konzept für die Energieversorgung des Kitamba Education Centre. Das Konzept sieht vor, die Grundversorgung durch Photovoltaik und – wenn möglich und sinnvoll – durch Windenergie bereitzustellen, die vorhandenen kleinen Voltaik-Anlagen in einem Netz zusammen zu schalten und kurzzeitige höhere Energieanforderungen durch Generatoren oder ein BHKW zu ergänzen.
Neben der Eigenversorgung soll ein spezieller Ausbildungsgang für Energiefachleute – Schwerpunkt erneuerbare Energien – eingerichtet werden.

Nach dem Kauf des zusätzlichen Grundstücks in Birinzi ermöglicht uns die Förderung seitens der Umckaloabo Stiftung den Bau eines Wohnhauses für Ausbilder/innen hier auf dem Campus in Kitamba. Das Haus soll neben der KFZ-Werkstatt gebaut werden und damit auch ein Baustein für „soziale Kontrolle“ auf dem Gelände sein.
Diskussionsgegenstand ist die gemeinsame Nutzung der Mensa für die Schülerinnen der High School und die Azubis des Technical Institute und deren Lehrer bzw. Ausbilder. Die Schulleiter werden sich beraten, ob das Mittagessen zu unterschiedlichen Zeiten oder zeitgleich in zwei bestimmten Bereichen in der Mensa erfolgen soll.
Erfreulich auch das gemeinsame Ziel, das Schulgelände nicht durch eine geschlossene Mauer sondern eine „durchsichtige“ Mauer-Zaun-Konstruktion zu schützen, um den grandiosen Weitblick – auch in übertragendem Sinne – nicht zu behindern. „Dies ist eine Schule, kein Gefängnis“.
Beide Einrichtungen bitten um kleine Werbeetats, um die Weiterbildungsangebote an den Grundschulen im Einzugsbereich bekannt zu machen.

Am Nachmittag unterhalten wir uns mit Silvia, der Krankenschwester im projekteigenen Haide-Helmut-HealthCentre über HIV und AIDS. Um Informationen für ein Referat hatte Rhea gebeten, Abiturientin in Stockach, die im Herbst ein Praktikum bei OCAOF in Uganda leisten möchte.
Gesprächsnotiz zu HIV und AIDS: Bei Jugendlichen steigt die Infektionsrate in den letzten Jahren wieder an. Absolute Zahlen liegen nicht vor. Ursachen dafür sind insbesondere in ländlichen Gebieten Arbeits- und Perspektivlosigkeit, Armut, fehlende Freizeitangebote mit der Folge von Langeweile, Drogen- und Alkoholkonsum, Prostitution und dem Druck der Peer-Group.
Wie in anderen Gesellschaften wird Sex leider häufig schon in der Grundschulzeit praktiziert. Schwangerschaften sehr junger Mütter kommen gelegentlich vor. Die männlichen Partner sind meist selbst Jugendliche, aber auch ältere Männer.
In der Schule findet Aufklärung statt. Der Staat verbietet Sex unter und mit Minderjährigen (18 Jahre). Die Kirche fordert von den Gläubigen A = Abstinenz und B = be faithful bis nach der Hochzeit, verbietet aber C = Condome. Mitarbeiter in Gesundheitszentren und auch liberale Lehrer empfehlen, da die beiden Empfehlungen A und B keine ausreichende Wirkung erzielen, den Kauf bzw. Gebrauch von Kondomen. Der Preis von drei Kondomen ist mit 1.000 UgS (ca. 25 Cent) niedrig, staatliche Krankenstationen geben Kondome meist kostenlos aus. Viele junge Leute trauen sich nicht, Kondome zu kaufen, kennen nicht den sachgemäßen Gebrauch oder misstrauen ihrer Wirkung.
Schwangere werden bei der Erstberatung in Gesundheitseinrichtungen auf AIDS getestet. Das Testat kostet 2.500 UgS, ca. 65 Cent, die in privaten Einrichtungen von den Frauen üblicherweise bezahlt werden müssen. HIV-positive erhalten ab dem Test Anti-Retrovirale Medikamente, die vom Staat grundsätzlich kostenlos lebenslang an Betroffene ausgegeben werden.
Die Empfehlung, ein Kind auf natürlichem Weg oder mit Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, hängt von der Einschätzung des Arztes oder der beratenden Hebamme ab, ob eine normale Geburt voraussichtlich möglich ist.
Bei HIV-positiven Müttern wird dem Neugeborenen nach der Geburt ein Antiretrovirales Medikament verabreicht. Das Baby wird dann nach 6 Wochen erstmals getestet. Die Auswertung der Tests erfolgt in einem Speziallabor in Entebbe. Wenn der Test negativ ist, erhält das Baby während der Stillzeit ein entsprechend dosiertes Antibiotikum. Ist der Test positiv, erhält auch das Baby ein antiretrovirales Medikament. Beide Medikamente werden üblicherweise kostenlos ausgegeben. HIV-positive Mütter sollen nicht länger als ein Jahr stillen.
Bei positivem Testat der Babys wurde Müttern eine Zeitlang empfohlen, nicht zu stillen, um Infektionen auf diesem Weg zu verhindern. Die Folge bei ärmeren Müttern war jedoch, dass die Babys schnell unter- bzw. mangelernährt waren, weil die ausgewogene Ersatznahrung für arme – und häufig alleinerziehende – Mütter zu teuer ist.
Die Babys werden mit einem Jahr und erneut mit eineinhalb Jahren getestet, d.h. ein halbes Jahr nach der Stillzeit. Erst danach lässt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit feststellen, ob eine Infektion vorliegt. Die häufigsten Infektionswege für Babys sind die Geburt und das Stillen.
Die Babys haben gute Chancen, sich bei der Geburt und während der Stillzeit nicht zu infizieren, wenn die Mütter die Medikamente regelmäßig und zuverlässig nehmen und die Geburten unter seriöser medizinischer Betreuung stattfinden. Der Rat wird Schwangeren in Krankenhäusern oder bei Beratung durch medizinische Fachkräfte grundsätzlich gegeben und wird i.d.R. auch in hohem Maße beachtet. Das hat dazu geführt, dass in den letzten Jahren die Zahl der infizierten Neugeborenen deutlich gesunken ist.
Junge Männer lassen sich nur selten auf HIV / AIDS testen, oft aus Angst, HIV-positiv zu sein. Junge Männer haben oft zeitgleich mehrere Mädchen / Frauen. Da Vergewaltigung und Beischlaf mit Minderjährigen strafrechtlich verfolgt wird, oder die Väter die Verantwortung für ihre Kinder oft nicht übernehmen wollen, verschwinden viele und lassen die Mütter allein zurück. Insbesondere Kinder von minderjährigen Müttern wachsen häufig bei der Großmutter auf.
Die Situation ist wenig ermutigend. Uganda konnte in den 90er Jahren die damals sehr hohe Infektionsrate signifikant senken, weil ein intensives Aufklärungsprogramm unter Einbezug der drei eingangs erwähnten Maßnahmen A, B und C konsequent verfolgt wurde. Wichtigster Baustein für eine Veränderung ist eine gute Bildung. Mädchen ohne Schulabschluss bekommen früher und wesentlich mehr Kinder als junge Frauen, die eine weiterführende Schule besucht haben. Häufig fehlen solide Kenntnisse über Sexualität, Schutz vor Geschlechtskrankheiten und Verhütungsmöglichkeiten.

Mi., 05.07.
Heute findet erneut ein Meeting, besser: ein Treffen zum wechselseitigen Kennenlernen mit Vertretern aller Teilprojekte statt. Rund 30 Leute nehmen stellvertretend für die aktuell 82 Mitarbeiter/innen von OCAOF in Uganda teil. Nach den Einführungen von Emmanuel und Goretti kommt ein lebendiges Gespräch mit Beiträgen fast aller Teilnehmer/innen in Gang. Viele Gesprächsteilnehmer/innen wussten offensichtlich wenig von der vielschichtigen Struktur, dem Gesamtkonzept und der Geschichte von OCAOF. Die Mitarbeiter/innen sind über das Engagement von OCAOF und die Unterstützung aus Deutschland sehr dankbar. Bewegend auch das „Zusammenrücken“, die wechselseitige Solidarität und die Ermutigung, gemeinsam an dem großen Ziel zu arbeiten, sich wechselseitig zu unterstützen und nachhaltige Veränderungen zu erreichen. „Das Projekt wird leben, auch wenn wir selbst einmal nicht mehr sind“, sagt unter Beifall George William. Thomas More vergleicht das Projekt mit einem Körper und den einzelnen Organen und Gliedmaßen.

Do., 06.07.
Am Vormittag ziehen von Südost (vom Viktoriasee) dunkle Wolken auf, fast gespenstisch, durchzuckt von einem einzelnen Blitz mit grollendem Donner. Es regnet ausgiebig und bleibt auch danach unter der Bewölkung kühl.
Ein kurzer Rückblick auf Dienstag in Kitamba: Thomas More bestätigt, dass der Wind vorwiegend und recht zuverlässig vorwiegend vom Lake Victoria herüber weht. Das Gelände ist zur Nutzung von Windenergie ideal. Es liegt auf einer Hügelkuppe, in südöstlicher Richtung in ein weites Tal abfallend, ohne hohen, störenden Baumbestand. Der beste Standort für eine Windkraftanlage liegt an der Hügelkante zwischen dem Haupteingang und dem geplanten Sportplatz.
Apropos Sportplatz. Das Gelände hinter der High School wurde weitgehend eingeebnet, nicht aber genau nivelliert. Es fällt in Richtung des Weges und nach Kalungu hin noch sichtbar ab. Unkraut und kleine Hecken breiten sich erneut aus. Im nächsten Jahr werden wir es wahrscheinlich herrichten und mit Fußballtoren versehen können.
Am Abend erwartet uns eine Überraschung. Florence, Ritah und Silvia hatten die Idee, „Ehemalige“ aus dem Kinderheim einzuladen. Gekommen sind 25 der insgesamt 43 jungen Leute, die in die Großfamilie Musoke gekommen waren, dort ein Dach über dem Kopf, eine Familie, schulische Bildung erhielten, einen Beruf erlernen konnten und dann diese Familie verlassen konnten. 43 junge Frauen und Männer, die alle einen Beruf erlernt haben, heute alle einen Job oder ein eigenes Geschäft haben, finanziell unabhängig sind und darüber hinaus auch ihre Familie oder Verwandte unterstützen können. Ein schöner Abend, an dem sich die Ehemaligen nicht nur uns vorstellen. Sie erzählen den Kindern von ihrem Leben und ermuntern sie, fleißig zu lernen, gut auf sich zu achten und mutig in die Zukunft zu blicken.

Fr., 07.07.
Wir treffen uns mit Emmanuel und Goretti zu einem abschließenden gemeinsamen Gespräch auf dem Balkon.
Unsere Gastgeber und Freunde scheuen sich, Gästen Preise für Übernachtungen im Gästehaus zu nennen. Insbesondere dann, wenn die Gäste zugleich im Projekt mitarbeiten. In Anlehnung an vergleichbare Einrichtungen vereinbaren wir, zur Würdigung der Arbeit von Juliet, die das Gästehaus leitet, und natürlich auch als eine Einnahmemöglichkeit folgende Empfehlung auszusprechen:
Mitarbeiter / Senior Experten: frei - Praktikanten: 3 Euro / Tag - Gäste: Übernachtung / Frühstück 15 Euro / Tag

Praktikant/innen und Gäste freuen sich i.d.R., mit den Kindern gemeinsam zu essen. Z.Zt. werden Praktikanten und Gäste von Juliet im Gemeinschaftsraum im Gästehaus oder auf dem Balkon versorgt. In Zukunft soll den Praktikanten oder auch Gästen angeboten werden, an zwei Tagen der Woche gemeinsam mit den Kindern zu essen und sie bei längeren Aufenthalten zu fragen, ob sie diese Regelung beibehalten möchten.

Frau Anni Kübler hatte angeregt zu prüfen und zu recherchieren, welcher Aufwand nötig ist, Dächer auf den Hütten der ärmsten Bewohner in den Dörfern so herzurichten, dass man das Regenwasser sammeln und in einem kleinen Tank neben der Hütte auffangen könnte. Das wäre ein interessantes Projekt für die Ausbildungswerkstätten in Kitamba, wo die Ausbildungsbereiche der Maurer, Zimmerleute und Installateure gemeinsam solche Wohnungsbau- und Sanierungsmaßnahmen durchführen könnten. Bei der Feststellung der Bedürftigkeit könnte die wirtschaftliche Situation der Bewohner, die Entfernung zur nächsten Wasserstelle, die Zahl der Familienmitglieder etc. berücksichtigt werden.

Die mitgebrachten Rauchmelder sind z.Zt. noch nicht montiert. Ich werde die beiden nächsten Praktikanten Jannik und Adrian bitten, sich über die sachgerechte Installation zu erkundigen und die Montage zu begleiten.

Unsere Partner haben bereits einige Maßnahmen zu vorbeugendem Brandschutz in Kitamba unternommen. An jedem Gebäude wurde ein 5 kg-Feuerlöscher angebracht, ein Berufsfeuerwehrmann aus Kampala hat eine Schulung für Lehrer/innen, Ausbilder/innen, Schüler und Auszubildende durchgeführt. Ob die Blitzschutzanlagen ausreichend dimensioniert sind, d.h. ob die verwendeten Leitermaterialien starke Blitze ableiten können, weiß ich nicht zu beurteilen. Bei Bedarf werden wir nachbessern. Die Kollegen der Berufsfeuerwehr in Remscheid empfehlen die Verlegung einer Hochdruck-Wasserleitung, um im Brandfall eine „Wasserwand“ aufzubauen und damit zu vermeiden, dass ein Feuer auf benachbarte Gebäude übergreifen kann. Dafür wäre eine Hochdruckpumpe neben der Zisterne nötig, mit der entweder eine Druck-Ringleitung mit einigen Hydranten versorgt oder eine Schlauchleitung verlegt werden könnte.

Die Frage einer fest verlegten Ringleitung sollte im Rahmen der anstehenden Tiefbauplanung für ein Stromnetz, Trinkwasserleitungen, Abwasserkanäle, Kommunikationsleitungen und eben eine Hochdruck-Wasserleitung geprüft werden.

Wir sprechen noch einmal über die Pläne, OCAOF durch den Ausbau eigener Ressourcen langfristig zunehmend selbst zu versorgen und durch Überschüsse selbst zu finanzieren. Die derzeitigen Schwerpunkte betreffen die landwirtschaftlichen Betriebe in Kinoni und in Birinzi. Vermieden wurde der Aufbau von Monokulturen, die aus mehreren Gründen anfällig sein könnten. Z.B. durch Krankheitsbefall oder durch wetterbedingte Ernteausfälle, aber auch durch marktbedingten Preisverfall von Produkten, auf die man sich vielleicht spezialisiert hat. Die gepflanzten Bäume und Sträucher werden frühestens ab dem vierten Jahr Früchte tragen und in den Folgejahren – hoffentlich – zunehmende Erträge bringen. In der Zwischenzeit und möglicherweise generell sollten durch Mischbepflanzung auch einjährige Pflanzen ausgesät werden, um zusätzliche Erträge zu erzielen. Denkbar sind z.B. Kartoffeln, Süßkartoffeln, Melonen, Jams, Manjok, Bohnen und Mais.

In Birinzi und Kinoni ist es erforderlich, die lokale Infrastruktur aufzubauen. Die beiden Wohnhäuser in Kinoni und in Birinzi verdienen den Namen „Wohnhaus“ nicht. Sie müssen durch Renovierung und Erweiterungen ausgebaut werden. In Birinzi sollen mind. drei weitere Wohnhütten für die Mitarbeiter und zugleich für eine effektivere Aufsicht und Kontrolle des weitläufigen Areals gebaut werden.

Eine größere Herausforderung stellt das Lager- Verarbeitungs- und Distributionszentrum für Birinzi dar. Hintergrund und Ziel der angestrebten landwirtschaftlichen Betriebe in Kinoni und Birinzi mit z.Zt. knapp 90 Hektar Land ist, hier durch den Anbau von Obst, Gemüse und Nutzhölzern die Selbstversorgung des Projekts zu stärken und auf mittlere Sicht Gewinne zu erwirtschaften, die OCAOF nach und nach von externer Förderung unabhängiger machen sollen. D.h., eigene Ressourcen für die Finanzierung des Projekts aufzubauen. An der Entwicklung von Ideen für Birinzi beteiligen sich auch drei junge Leute aus München und Stuttgart unter dem Namen SMART LINK. Es geht darum, Ernteverluste auf dem Weg zwischen Erzeuger und Verbraucher bei landwirtschaftlichen Produkten weitestgehend zu vermeiden. Weltweit verdirbt ein erheblicher Anteil. Ziele sind, die Kommunikation zwischen den Erzeugern und den Direktverbrauchern durch den Einsatz einer App über Smartphone zu optimieren und Produkte, die nicht direkt verwertet werden können - hier reifes Obst und Feldfrüchte - vor Ort zu verarbeiten und zu konservieren, bevor sie kaputt gehen. Der Einsatz von Mobiltelefonen ist deshalb naheliegend, weil auch in Afrika die Kommunikation überwiegend auf diesem Weg erfolgt. Es gibt in Uganda keine Festnetze, die dafür verwendet werden könnten. Konkret bedeutet das, Gebäude für die Lagerung, Verarbeitung und Verwaltung bzw. Vertrieb zu bauen, sauberes Wasser und ausreichend Energie bereitzustellen, Maschinen und Aggregate für die Verarbeitung, Abfüllung und Kühlung zu beschaffen, Transporte zu ermöglichen und das alles zu organisieren. Auf den Feldern stehen etwa 10.000 Setzlinge und junge Bäume für Mango, Avocado, Papaya, Orangen, Zitronen, Moringa, Artemisia annua, Mahagoni, Ebenholz und viele andere. Zur Energiegewinnung sollen Sonne und Wind genutzt und, wenn beide fehlen, eigenes Öl aus der Pflanze Jatropha curcas in Generatoren verwendet werden. Wünschenswert wäre zusätzlich der Verkauf der eigenen Produkte von den Feldern, aus den Werkstätten und von der Farm in einem eigenen „Hofladen“ irgendwo an der viel befahrenen Durchgangsstraße von Kampala in den Südwesten des Landes. Ideal wäre ein Standort in Kadugale, Butende oder Lukaya.

Zum Schluss des Gesprächs haben wir Emmanuel und Goretti gefragt, was sich aus ihrer Sicht am meisten in Kamukongo und den umliegenden Dörfern seit 2006 getan hat, als OCAOF hier angekommen ist.
Die Landschaft hat sich verändert. 2006 war fast überall Busch. Die Nachbarn haben fast ausschließlich Kochbananen und Erdnüsse angepflanzt. Entsprechend einseitig war die Ernährung. Heute sieht man überall vielfältige Gärten und Felder. Der Wert des Landes ist stark gestiegen.
2009 waren in Bbaala 330 Kinder in der Schule. Man sah auch tagsüber viele Kinder vor den Hütten, beim Wasserholen oder auf dem Feld. Heute sind 829 Kinder in der Grundschule und man sieht nur noch die jüngsten Kinder, die noch nicht zur Schule gehen dürfen. Es ist heute für die Eltern selbstverständlich, ihre Kinder zur Schule zu schicken und ihnen für ein erhofft besseres Leben Bildung zu ermöglichen.
Die Menschen sind insgesamt offener geworden, sind dankbar für die Veränderungen, an denen sie Anteil haben, zuversichtlicher. Das Health Centre bietet allen Zugang zu medizinischen Diensten. Die Mütter- und Kindersterblichkeit ist zurück gegangen.
Emmanuel erzählt noch eine kleine Geschichte. Bei unserem großen Fest zur Eröffnung des Weiterbildungszentrums in Kitamba waren auch Gäste aus Bukomansimbi. 2005, als das eigene Wohnhaus in Nyendo zu eng wurde und in dem dicht besiedelten Vorort von Masaka keine räumliche Entwicklungsmöglichkeit bestand, hatten er und Goretti zwei Standorte für einen späteren Umzug mit den Kindern in der engeren Wahl: Kamukongo und Bukomansimbi. Favorit war damals Bukomansimbi. Der Eigentümer aber blieb zögerlich und täglich wurde das Grundstück teurer. So fiel irgendwann die Wahl auf Kamukongo. OCAOF und die Entwicklung der heutigen Projektregion sind auch im weiten Umland nicht verborgen geblieben. Die Gäste aus Bukomansimbi haben Emmanuel am Rande des Eröffnungsfestes berichtet, dass das ganze Dorf sauer auf den „habgierigen“ Besitzer des Grundstücks sei. All das, Schulen und Krankenstation, hätte auch in ihrem Dorf gebaut werden können und scheiterte an den überzogenen Forderungen ihres Nachbarn … Ein kleiner Trost bleibt Bukomansimbi. Gertrude und John, ein junges Lehrerehepaar, bauen auf eigene Initiative eine Grundschule in Bukomansimbi. Gertrude wurde als Mädchen von Goretti und OCAOF unterstützt. Besucher aus München haben die beiden kennengelernt und sich dazu entschieden, sie beim Aufbau der Schule zu unterstützen. Die Trinity Academy, so der Name der Grundschule, wird seither als „Ableger“ unterstützt. So strahlt OCAOF aus und wird auch am Rande des Projektgebietes wirksam.
Der letzte Abend ist „Feiertag“ für Emmanuel, Goretti, Juliet, Ivan, Veronica, die hochschwangere Rose, Jane-Francis, Julius und Andrew. Monika und ich haben die Mitarbeiter/innen aus Kamukongo zum Grillabend ins Cafe Frikadellen in Masaka eingeladen. Ein kleines Dankeschön für wunderbare Tage.

Sa., 08.07.
Abreisetag. Die Koffer sind gepackt. Mit dabei schöne Handarbeiten von Rose und anderen, kunstvoll gestaltete Grußkarten, Näharbeiten, Ketten, und einige schöne Dinge aus dem Craft-Shop im Cafe Frikadellen für unseren Stand auf dem Weihnachtsmarkt.
Nach dem Frühstück starten wir nach Kampala. Mit an Bord sind Olivia, die nach ihrer erfolgreichen Ausbildung zur Friseurin nun in Kisubi nahe Emmanuels Elternhaus arbeitet, und Patricia, die älteste Tochter von Goretti und Emmanuel. Patricia hat nach der Schule eine Ausbildung zur Hebamme gemacht und lernt nebenher Deutsch am Goethe-Institut in Kampala. Bewundernswert, wie leicht ihr offensichtlich das Lernen fällt.
Mit zunehmender Nähe zur Hauptstadt wird der Verkehr immer zäher und schleppt sich schließlich stop and go über mehrere Kilometer in Richtung Kisubi. Wir biegen kurz davor nach links ab und erreichen über abenteuerliche Wege das neue Wohnhaus von Justin am Ufer des Lake Victoria. Justin ist Remscheider. Er hatte als Mitarbeiter von Malteser International jahrelang von Kampala aus Materialtransporte mit medizinischen Hilfsmitteln und deren Verteilung in der benachbarten Demokratischen Republik Kongo organisiert und arbeitet nun freiberuflich für verschiedene internationale Organisationen als Berater in Krisengebieten.

Mit Einbruch der Dunkelheit fahren wir zum Internationalen Flughafen nach Entebbe und fliegen über Amsterdam nach Düsseldorf zurück.