Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

im Kinderheim Kamukongo und Bweyo leben aktuell 95 Kinder. Die magische Zahl von 100, die mir Emmanuel bei unserer ersten Begegnung im Jahre 2002 mutig genannt hatte, rückt in greifbare Nähe. Der Bedarf an existenzieller Hilfe und all den Faktoren und Voraussetzungen für eine nachhaltige Entwicklung im Umfeld des Kinderheims ist noch immer groß.

In der benachbarten St. Francis Primary School Bbaala, der Grundschule für Kamukongo und fünf weitere Nachbardörfer hat sich die Schülerzahl in den letzten acht Jahren von 330 auf rd. 830 um das 2,5-fache erhöht. Möglich wurde dies durch den Ausbau der Schule und die laufende Unterstützung durch OCAOF. Bis 2009, d.h. vor dem Engagement im Bildungsbereich auch für die Kinder in der Nachbarschaft des Kinderheims, hatte kein einziges Kind aus Bbaala einen qualifizierten Schulabschluss abgelegt. Zum Schuljahresende 2016 waren es 32 Schülerinnen und Schüler und im Dezember 2017 haben alle 50 Kandidat/innen die Prüfungen bestanden! 13 davon aus dem Kinderheim.

Das OCAOF Weiterbildungszentrum in Kitamba mit dem Berufsbildungsinstitut und einer weiterführenden Schule wird über alle Erwartungen gut angenommen. Im vergangenen Jahr wurden die drei letzten der geplanten Lehrwerkstätten und Schulungsräume für nun insgesamt 10 Berufe fertig gestellt. Es sind dies: Elektriker, Mechaniker, Maurer, Schreiner, Schlosser, Köche, Friseure, Erzieher, Schneider und Bürofachkräfte. Hinzu kommt die Berufsschule für Landwirtschaft in der Charles Lwanga Farm, die auf Initiative und in der Verantwortung von Freunden aus München aufgebaut wurde.

Die Kitamba High School, die vom KNIPEX-Werk aus Wuppertal geförderte weiterführende Schule für die Klassen 8 bis 11, hatte den Schulbetrieb 2017 mit 82 Schüler/innen gestartet. Die Schülerzahl stieg im neuen Schuljahr auf 261. Die Entwicklung war zu erwarten, hat uns zu dem frühen Zeitpunkt im zweiten Betriebsjahr aber dennoch überrascht.

Mit insgesamt ca. 480 Schüler/innen und Auszubildenden reichen die vorhandenen 180 Betten in den beiden Internatsgebäuden nicht aus. Die z.Zt. noch nicht belegten Schulungs- und Klassenräume werden für das laufende Schul- und Ausbildungsjahr provisorisch als Schlafräume eingerichtet. Wir sind zuversichtlich, dass der bereits 2017 beim Bundeministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) vorab angemeldete Förderantrag in Kürze positiv beschieden wird und wir die zwei fehlenden „Dormitories“ bauen können.

Weiterführende Schulen und Ausbildungsinstitute sind in Uganda fast immer „DAY“ und „BOARDING“, d.h. für Tagesbesucher und mit Internatsbetrieb. Das hängt zusammen mit fehlendem ÖPNV und den schlechten Straßen und Wegen, die bei Regen häufig kaum passierbar sind. Der Bau der Wohnhäuser ist eine der dringenden Maßnahmen, die uns eine angestrebte ruhigere Phase noch nicht ganz erlauben.

Unverzichtbar ist längst das HHHC, das OCAOF-Gesundheitszentrum in Bbaala, das auf Initiative der Ärzte Dr. Haide und Dr. Helmut Cuntze 2010/11 gebaut und kurz danach um eine Entbindungsstation und ein Mitarbeiterwohnhaus erweitert wurde. Das Gesundheitszentrum ist eine vorbildliche Einrichtung mit gut ausgebildeten Krankenschwestern, einer Hebamme und weiteren qualifizierten Mitarbeiter/innen. Immer wieder besuchen Ärztinnen und Ärzte aus Deutschland, der Schweiz und Norwegen das Haus, um für einige Zeit ehrenamtlich mitzuarbeiten. Gerade ist Dr. Volker Peinke zurück gekommen, der inzwischen auch im Vorstand des Fördervereins die medizinischen Belange vertritt. Er konnte bei seinem Besuch ein EKG-Gerät und ein Ultraschallgerät gemeinsam mit den Mitarbeitern in Betrieb nehmen und darüber hinaus durch eine Spendenaktion eine Ausbildung finanzieren, damit das Gerät in Zukunft für die vorgeburtliche Diagnostik benutzt werden kann. In Kürze fliegt der Zahnarzt Dr. Gunter Glaser bereits zum dritten Mal nach Uganda, um die Menschen im Projektgebiet zu behandeln. Ohne ihn oder auch die Augenärztin Dr. Andrea Winkgen hätten die Menschen aus der Region keinen Zugang zu solchen Facharztbehandlungen. Im internationalen Vergleich der Ärzte je 1.000 Einwohner belegt Deutschland mit 3,73 Platz 15, Uganda mit 0,05 Platz 202. D.h., in Uganda kommt 1 Arzt auf 20.000 Einwohner.

Das extrem niedrige „Einkommen“ auf dem Land liegt oft unterhalb der absoluten Armutsgrenze. Absolute oder extreme Armut bezeichnet nach Auskunft der Weltbank eine Armut, die durch ein Einkommen von etwa einem Dollar (neuerdings 1,25US$) pro Tag gekennzeichnet ist. Auf der Welt gibt es 1,2 Milliarden Menschen, die in diese Kategorie fallen. Ein großer Teil davon lebt in Afrika südlich der Sahara. Diese extrem niedrigen Einkommen machen auch deutlich, warum die Kinder ohne Unterstützung durch Patenschaften und Spenden kaum eine weiterführende Schule besuchen oder einen Beruf erlernen könnten.

Wir dürfen eine andere sehr positive Entwicklung beobachten. OCAOF macht Schule, strahlt in die Nachbarschaft aus. Dr. Karl von Körber aus München hatte 2016 das Projekt besucht und dabei auch das junge Lehrerehepaar Gertrude und John kennen gelernt. Gertrude wurde als Kind und Jugendliche von Goretti unterstützt. Die beiden Pädagogen sind dabei, eine Grundschule in Bukomansimbi, ca. 15 km nordwestlich von Kitamba, aufzubauen. Karl engagiert sich nun für den Ausbau dieser Schule. Bei seinem Besuch hatten zwei der drei Klassenräume noch keine festen Böden, Fenster und abschließbaren Türen. Inzwischen sind die Räume ausgebaut, die Häuser verputzt und das Regenwasser von den Dächern kann in Tanks gesammelt werden.

Dr. Volker Peinke hatte bei seinem Besuch vor einem Jahr auch einige Tage in der Gesundheitsstation in Kitaasa, ca. 25 km westlich von Kamukongo, gearbeitet. Die Wohnsituation für die Mitarbeiterinnen war so unglaublich schlecht, dass er sich zum Ziel setzte, ein neues Wohnhaus aufzubauen. Gemeinsam mit Freunden und ehemaligen Kollegen ist es ihm gelungen, das Haus in nur einem Jahr zu finanzieren und fertig zu stellen.

Aus Wangen i.A. kam in den letzten Jahren häufig Unterstützung für Brunnenbohrungen und zum Bau von kleinen, aber solide gemauerten und mit Blech gedeckten Wohnhäusern für die ärmsten Familien in der Nachbarschaft. Im letzten Jahr kam ein weiteres konkretes Projekt hinzu: die Eindeckung von lediglich mit Gräsern und Blättern gedeckten Hütten mit stabilem Blech mit Dachrinnen und kleinen Wassertanks. Es gibt im Projektgebiet weder Strom- noch Wasserleitungen. Ein kleiner Wassertank spart manche Wege zum Brunnen, Bach oder einem Wasserloch.

Ziele für das laufende Jahr 2018. Wir freuen uns neben dem Bau der beiden o.g. Dormitories auf den Bau und die Installation einer Wasseraufbereitungsanlage im Weiterbildungszentrum Kitamba. Die Filteranlage mit nachgeschalteter Desinfizierung sorgt für sauberes Trinkwasser. Die übliche Alternative wäre, das Wasser mit hohem Energieeinsatz zu erhitzen und die Keime auf diesem Weg abzutöten. Die Anlage der Firma EVERS Wassertechnik aus Hopsten im Münsterland wird voraussichtlich im April/Mai aufgebaut.

Fertiggestellt wird das Wohnhaus mit 12 Wohneinheiten für Ausbilder/innen in Kitamba. Wohnungen für Lehrer sind deshalb so wichtig, weil Unterricht in großem Umfang in Entwicklungsländern ausfällt, wenn weiter entfernt wohnende Lehrer ihre Arbeitsplätze bei schlammigen Wegen in den Regenzeiten nicht erreichen. Das Haus wurde von der Umckaloabo-Stiftung finanziert.

Hoffnungsvoll sieht der Anbau von Jatropha Curcas auf Feldern in Birinzi aus. Die genügsame Ölpflanze scheint auf den mageren, relativ sauren Böden gut zu gedeihen. Wir hoffen darauf, ab 2019/2020 in wachsendem Umfang die ölhaltigen Nüsse zu ernten und Öl für den Betrieb von Pumpen und Generatoren zu gewinnen. Neben Solarenergie ist Jatropha-Öl eine ökologisch sinnvolle und – ein großer Vorteil – eine gut speicherbare erneuerbare Energiequelle.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung und liebe Grüße

Gez. Ihr / Euer Franz Lebfromm