Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

wie erwartet brauchen wir aufgrund der hohen Nachfrage nach Schul- und Ausbildungsplätzen im Weiterbildungszentrum Kitamba ab dem nächsten Jahr zwei weitere Internatsgebäude, wenn der Auf- und Ausbau der Schule und der Lehrwerkstätten nicht stocken soll. Aktuell besuchen 397 Schüler/innen und Auszubildende Kitamba. Bei „normaler“ Entwicklung kommen 2019 voraussichtlich etwa 140 junge Leute hinzu. Die Annahme aus den ersten beiden Betriebsjahren, wonach gut die Hälfte davon Boarding, d.h. in Internatsbetrieb sein werden, lag zu niedrig. Es sind nach aktuellen Erfahrungen rund 85%. Das bedeutet, dass – nach dem kompletten Aufbau der Einrichtungen ab 2020 - für die voraussichtlich 360- 400 Schüler/innen der High School und ca.200 Auszubildenden des Berufsbildungsinstituts etwa 500 Internatsplätze (Boarding) erforderlich sein werden. Wir haben die Planung in unserem Förderantrag beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) entsprechend angepasst. Sehr erfreulich ist, dass die Anteile an Mädchen und Jungen fast gleich hoch sind – bei z.Zt. leichtem Vorsprung der Mädchen.
Die späte Regierungsbildung nach der Bundestagswahl in Deutschland hatte zur Folge, dass der Haushalt 2018 nicht wie üblich im November oder Dezember des Vorjahres verabschiedet wurde sondern erst am 5. Juli. Förderanträge für 2018 konnten bisher nicht abschließend beraten und bewilligt werden. Das betrifft auch OCAOF. Vorhanden sind z.Zt. zwei Häuser mit je 90 Betten. Geplant und zur Förderung beantragt sind zwei weitere Häuser mit je 160 Betten in zweigeschossiger Bauweise. Die Handwerker werden – sobald die erhofften Signale aus dem BMZ auf „Grün“ stehen - sofort mit dem Bau beginnen und mit Sicherheit richtig „Gas geben“.
Im Mai wurde in Kitamba eine Wasseraufbereitungsanlage für sauberes Trinkwasser installiert. Die Wohngebäude, Schulgebäude und Werkstätten sollen nun angeschlossen und ein internes lokales Leitungsnetz aufgebaut werden. In ähnlicher Weise ist das auch für die Energieversorgung geplant. Beide, die Wasser- und die Energieversorgung sind beispielhaft und neben ihrer Versorgungsfunktion als Insellösungen für den Standort Kitamba auch „Modellprojekte“ für die Auszubildenden und interessierte Gäste.
Leider noch nicht vorbildlich sind z.Zt. die Ausstattungen der Lehrwerkstätten. Herr Kröger, ein erfahrener Elektriker, der gemeinsam mit Herrn Evers, dem Seniorchef der Firma EVERS Wassertechnik, den Aufbau der Wasseraufbereitungsanlage in Kitamba betreute, war bereit, für uns die Lehrwerkstätten zu besuchen und gemeinsam mit den Ausbildungsleitern zu schauen, was für eine gute Ausbildung in den einzelnen Lehrwerkstätten fehlt. Die „Lücken“ bei Werkzeugen, Lern- und Arbeitsmaterial betreffen die Werkstatt der Elektriker mit Kosten in Höhe von ca. 1.250 €, die Schneiderwerkstatt mit 1.770 €, bei den Maurern ca. 2.600 €, ca. 3.450 € bei den Landwirten und 3.715 € bei den Schlossern u. Installateuren. Höher liegt der Bedarf in der Lehrwerkstatt der Schreiner und Zimmerleute aufgrund der größeren Maschinen (Kreis- und Bandsäge, Hobelbank, Schleifmaschine etc.). Wir wollen versuchen, die Einrichtungen und Ausstattungen und damit eine Voraussetzung guter Ausbildungen bald zu verbessern. Ursprünglich war geplant, einen Seecontainer mit größeren (z.T. geschenkten oder sehr günstigen) Maschinen aus Deutschland nach Uganda zu schicken. Da aber die Transportkosten und Zollgebühren sehr hoch sind, wäre diese Lösung zu teuer. Die Ausstattungen sollen deshalb nach und nach vor Ort beschafft werden.
Trotz der anstehenden Aufgaben in den nächsten Monaten ist es erklärtes Ziel, nach der rd. 10-jährigen intensiven Expansionsphase von OCAOF den Auf- und Ausbau zu „beruhigen“ und das bisher geschaffene zu konsolidieren.
Neben dem Aufbau von Infrastruktur ist die Entwicklung der nötigen organisatorischen und fachlichen Qualifikationen (Capacity Development) eine wichtige Voraussetzung für ein erfolgreiches Projekt - nicht nur in der Entwicklungszusammenarbeit. Vorab: OCAOF ist mit den Akteuren vor Ort, mit Emmanuel, Goretti und dem Mitarbeiterteam an den verschiedenen Projektstandorten außergewöhnlich gut aufgestellt. Emmanuel ist mit seiner „interkulturellen Sozialisation“ in Uganda und in Deutschland während seiner vierjährigen Ausbildungszeit ein idealer Projektleiter und -partner. Er ist in Uganda gut „vernetzt“, kommunikativ und genießt hohes Ansehen. Goretti ist die starke Frau an seiner Seite, kompetent und ohne Einschränkung von den Kindern, Mitarbeitern und den Menschen im Projektgebiet akzeptiert. Es ist den beiden in den letzten Jahren gelungen ein gutes Mitarbeiterteam aufzubauen, das in der Lage ist, eigenständig und verantwortungsbewusst die Aufgaben im jeweiligen Zuständigkeitsbereich zu erfüllen.
Ein wichtiges Element von „Capacity Development“ ist vorausschauende Planung, auch und insbesondere in finanzieller Hinsicht. OCAOF in Uganda hat seit 2016 die einzelnen Projektteile: * Kernprojekt OCAOF (Kinderheim, Schulpatenschaften) * HHHC - Gesundheitszentrum * Kitamba High School (weiterführende Schule) * Kitamba Techn. & Vocational Institute (Berufsbildungsinstitut) * Charles Lwanga Farm (Bauernhof mit Farmschule) * „Afrika Point“ mit Internet-Cafe, kleinen Geschäften und Vermietungen in Nyendo * Landwirtschaftliche Betriebe in Kinoni und Birinzi wie potenziell eigenständige „Betriebe“ unter dem Dach von OCAOF entwickelt, die Einnahmen und Ausgaben buchen und für 2018 erstmals Budgets für das laufende Jahr aufgestellt haben. Z.Zt. besuchen Yiga (Buchhalter) und Goretti Fortbildungskurse zu „Finanzmanagement“ in Masaka und geben ihre Kenntnisse an die Mitarbeiter/innen in den Teilprojekten weiter. Die Betrachtung des Gesamtprojekts in kleineren Betriebseinheiten und die Aufstellung eigener Budgetpläne ermöglichen einen detaillierten Blick auf die einzelnen Teilprojekte und die Möglichkeit, bei Bedarf zeitnah steuernd einzugreifen. Parallel dazu wird z.Zt. der Bestand an Gebäuden, Einrichtungen und sonst. Gütern aufgenommen und bewertet, um auf dieser Basis Pläne und Rücklagen für die Substanzerhaltung und nötige Ersatz- oder Neubeschaffungen zu bilden.
In der aufgeregten Debatte um Flüchtlinge, Migration, Schutz der Außengrenzen, Asyl und Abschiebung klingt gelegentlich der Begriff „Fluchtursachenbekämpfung“ auf. Als Goretti und Emmanuel vor ca. 18 Jahren begannen, Waisen ein Dach über dem Kopf zu geben und Bildung zu ermöglichen, ging es um Humanität, Menschlichkeit. Der Begriff „Flucht“ spielte damals keine Rolle. Wir erkennen heute, dass der komplexe Arbeitsansatz von OCAOF mit dem Ziel, die Lebensbedingungen der Menschen durch miteinander verzahnte Initiativen in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Ernährung, Wasserversorgung, Energieversorgung, Arbeitsplätze, etc. zu verbessern, tragfähig ist, auch im Sinne von Beseitigung von Fluchtursachen. Die Erfahrung bei OCAOF in Kamukongo, Bbaala, Kitamba und den anderen Dörfern im Projektgebiet zeigt, dass die Arbeit Früchte trägt, Mut und Hoffnung macht auf Zukunft. Aber sie zeigt auch, dass sie einen langen Atem braucht. Sie ist eine Aufgabe für eine ganze Generation und mehr. Ein afrikanisches Sprichwort lautet: „Der beste Zeitpunkt, einen Baum zu pflanzen, war vor zwanzig Jahren. Der Zweitbeste ist HEUTE“. Die Bevölkerung Afrikas wächst. Europa sollte seine Kräfte nicht in Frontex und Grenzbarrieren erschöpfen. Wir sollten die Chance des zweitbesten Zeitpunktes nutzen und HEUTE beginnen, partnerschaftlich mit „Afrika“ zusammen zu arbeiten. Dazu gehören faire Handelsbedingungen, Klimaschutz, Investitionen in Arbeitsplätze und vor allem in Bildung. Sie ist die verlässlichste Voraussetzung für ein Ende der aktuellen Bevölkerungsexplosion. Weltweit überein stimmende Erfahrungen zeigen: Mädchen mit einer guten Schul- und Berufsausbildung bekommen später und deutlich weniger Kinder als junge Frauen ohne diese Chance. Ein hoher Anteil insbesondere an jungen Männern ohne (berufliche) Perspektiven erhöht das Risiko für innere Unruhen und gewaltsame Konflikte.

Herzlichen Dank für Ihre Unterstützung
gez. Ihr Franz Lebfromm