“Im Grunde ist ein Diamant auch nur ein Stück Kohle, das die nötige Ausdauer hatte” (Sprichwort)

Liebe Mitglieder, Paten, Freunde und Förderer,

es war eine beeindruckende Reise mit einem tollen Einweihungs- und Eröffnungsfest am Samstag 01.07.2017 für das Weiterbildungszentrum in Kitamba mit über 1.000 Gäste aus der Region, der Deutschen Botschaft in Uganda, einem Vertreter des Ministeriums für Bildung und Sport, einem Abgeordneten des Parlaments und allen voran John Baptist Kaggwa, dem Bischof von Masaka, „unseren“ 79 Auszubildenden und 78 Schüler/innen in Kitamba und mehreren Klassen benachbarter Grundschulen.
Das „KITAMBA EDUCATION CENTRE“ mit der KITAMBA HIGH SCHOOL, einer allgemeinbildenden Schule für die Klassen 8 bis 11 und dem KITAMBA TECHNICAL INSTITUTE, einem Berufsbildungsinstitut mit Ausbildungen für Elektriker/innen, Mechaniker/innen, Köch/innen, Näher/innen, Bürofachkräfte, Friseur/innen und Erzieher/innen ist schon jetzt eine beachtliche Einrichtung. Alle Redner betonten die besondere Bedeutung von Bildung und ermahnten die Menschen, ihre Kinder zur Schule und Berufsausbildungen zu schicken.
Kürzlich erhielten wir den Bewilligungsbescheid des BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) zur finanziellen Förderung von drei weiteren Lehrwerkstätten für Maurer, Schreiner und Schlosser/Installateure. Die Umckaloabo-Stiftung hat OCAOF ermöglicht, ein zweites Lehrerwohnhaus in Kitamba zu bauen und am Lake Birinzi ein zweites Grundstück mit 16 ha Größe zu erwerben. Auf insgesamt 78 ha Land wachsen nun z.B. Obstbäume wie Mango, Avokado, Papaya, Orangen und Zitronen, Kartoffeln, Süßkartoffeln und Maniok, schnellwachsende Eukalyptusbäume und hochwertige Hölzer wir Ebona und Mahagony.
Die Idee dahinter: OCAOF bemüht sich, die eigenen Ressourcen im Projektgebiet zu steigern und mit der Zeit zunehmend danach zu streben, sich weitgehend selbst zu versorgen und mit Überschüssen Einnahmen zu erzielen, um das Projekt von externer Hilfe unabhängiger zu machen. Das ist bei der Größe des Projekts ein ehrgeiziges Ziel. Aber alleine das Bewusstsein und das in die Zukunft weisende Denken sind außergewöhnlich. In vielen afrikanischen Kulturen mussten die Menschen immer darauf vertrauen, dass das Feld oder der Wald genug Nahrung zum Überleben für den nächsten Tag bereitstellen wird. Niemand musste oder konnte im Herbst für den nächsten Winter vorsorgen. Es wäre nicht sinnvoll gewesen, denn es fehlen Lager- und Konservierungsmöglichkeiten (keine Energie für Kühlschränke, kein Keller für Kartoffeln, kein trockener Speicher für Heu und Getreide). Langfristige Planung und „Zukunft“, wie wir sie selbstverständlich denken, kommt in afrikanischen Denksystemen kaum vor.
Aber wir hoffen darauf, dass wir auch in den nächsten Jahren mit Ihrer Unterstützung rechnen dürfen und dass wir - auch mit Ihren Empfehlungen an Freunde und Bekannte - noch weitere Paten und Förderer für OCAOF begeistern werden. In einer Übergangsgeneration werden die Schüler/innen und Auszubildenden aus dem extrem armen ländlichen Umfeld unsere Unterstützung brauchen.
Mit den beiden Weiterbildungseinrichtungen in Kitamba wächst das Potenzial der jungen Generation, ihr Leben in der Zukunft selbstbestimmt und aus eigener Kraft zu gestalten. Dass diese Hoffnung berechtigt ist, haben „unsere“ Ehemaligen gezeigt. Anstelle einer Abschieds-Party für Monika und mich waren junge Erwachsene, die ihre Kindheit und Jugend in der Großfamilie Musoke verlebt hatten, nach Kamukongo gekommen. Insgesamt sind dies inzwischen 43 junge Leute, die alle einen Beruf erlernt haben, alle einen Job haben oder sich mit kleinen Geschäften selbständig gemacht haben. Das ist mehr als beachtlich bei einer sonst üblichen Arbeitslosenquote von (geschätzt) über 60%. Mit Berufsausbildung sind sie in der Lage, sich selbst zu versorgen und darüber hinaus Verwandte zu unterstützen.
Die Situation in Uganda und auf dem gesamten afrikanischen Kontinent ist ernst und entwickelt sich dramatisch. In Afrika leben aktuell 1,2 Milliarden Menschen. Der UN-Bericht zur Bevölkerungsentwicklung prognostiziert für das Jahr 2100 einen Anstieg der Weltbevölkerung von z.Zt. 7,35 Milliarden auf 11,21 Milliarden, davon 4,4 Milliarden (!) in Afrika. Die Bevölkerung des Kontinents wird sich in den nächsten 85 Jahren nahezu vervierfachen. Eine Bevölkerungszunahme dieser Dimension bedeutet, dass jährlich viele Millionen junge Menschen zusätzlich Bildung, Gesundheitsversorgung, Ernährung, Wasser, berufliche Ausbildung, Arbeitsplätze und Zukunftsperspektiven in ihren Heimatländern brauchen.
In Uganda sind 50% der derzeit 41 Millionen Einwohner jünger als 15 Jahre. Die Einwohnerzahl wird sich vergleichbar der Entwicklung auf dem Kontinent bereits bis 2050 verdoppeln. Das wirksamste Mittel für eine Reduzierung dieser unheilvollen Entwicklung ist auf längere Sicht Bildung. Studien belegen, dass Mädchen, die eine weiterführende Schule besucht und einen Beruf erlernen durften, wesentlich später und signifikant weniger Kinder bekommen als Mädchen ohne schulischen Abschluss. Dass die Entwicklung in Afrika auch uns etwas angeht, zeigt die aktuelle Flüchtlingsbewegung. Sie wird sich angesichts der o.g. Zahlen in den nächsten Jahrzehnten dramatisch verstärken, wenn es nicht gelingt, die Lebensbedingungen in den Herkunftsländern zu verbessern.
OCAOF wird den Kontinent nicht retten können. Aber OCAOF ist ein vorbildliches Projekt mit einem beispielhaften Arbeitsansatz. Gertrude und John, ein junges Lehrerehepaar, baut in Bukomansimbi eine Grundschule. Gertrude wurde als Kind und Jugendliche von Goretti unterstützt. Emmanuels Schwester Agnes baut und leitet in Kisubi einen integrativen Kindergarten. In Kitasa entsteht auf Initiative von Dr. Volker Peinke, Arzt und Vorstandskollege bei OCAOF, ein Wohnhaus für die Mitarbeiter/innen des Gesundheitszentrums. OCAOF strahlt mit „Ablegern“ über die Grenzen des engeren Projektgebietes hinaus.

Wir freuen uns, dass die Unterstützung nicht nachlässt und sogar wächst. Neben Spenden, Beiträgen aus Mitglied- und Patenschaften sind es zunehmend Geburtstage, Hochzeiten und Jubiläen, bei denen auf Geschenke verzichtet und stattdessen um Spenden geworben wird. Rückkehrende Praktikanten begeistern Freunde und ihre alten Schulen zu Partner- und Patenschaften. Sie alle helfen, dass die Einrichtungen wie das Kinderheim, das Gesundheitszentrum, die weiterführende Schule und das Berufsbildungsinstitut funktionieren, dass ausreichend Nahrung und sauberes Wasser bereitgestellt werden, dass aus der Sonne und anderen Energiequellen erneuerbare Energie produziert wird. Herzlichen Dank!

Mit lieben Grüßen
gez. Franz Lebfromm